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Praxis9 min Lesezeit

Vorsicht Sonne

Schützen Sie sich unterwegs auf dem Wasser und am Liegeplatz

Vorsicht Sonne
Permanente Plicht-Beschattung mit Fotovoltaik-Anlage einer Y9 von YYachts © Nico Martinez für YYachts

Ein gescheiter Sonnenschutz für Haut und Augen steigert das Wohlbefinden an Bord und kommt auf Dauer der Gesundheit zugute.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 23.06.2026

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • gesundheitliche Schäden durch ungeschützte UV-Strahlung
  • schützen Sie Ihre Haut mit Sonnencreme, Hut und langärmeligen Hemden und Hosen statt Shorts
  • warum eine gute Sonnenbrille mit Sicherungsband unverzichtbar ist
  • Wissenswertes zum Bimini
  • Vor- und Nachteile Kuchenbude
  • Vor- und Nachteile Sonnenpersenning
  • Lösungen des modernen Bootsbaues mit permanenter Verschattung der Plicht Nutzung des Daches zur Energiegewinnung

Es ist für die Haut gesund, regelmässig an der frischen Luft und unter freiem Himmel zu sein. Dermatologen wissen, dass Sonne für die Vitamin-D-Produktion und das Wohlbefinden wichtig ist. Gerade im Frühjahr hebt es nach den langen, dunklen Wintermonaten die Laune spürbar. Dabei ist es wichtig, dass Wassersportler wie alle Outdoormenschen aufpassen und sich schützen.


Denn wie folgende Übersicht zeigt, ist die Zeit, der man sich der Sonne ungeschützt aussetzen darf, verblüffend kurz: Der Hauttyp entscheidet über die Dauer. Demnach können Sie sich je nach Hauttyp wenige Minuten bis maximal 1 1/2 Stunden ungeschützt in der Sonne aufhalten. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Haut mit Sonnencreme schützen.

  • sehr helle Haut (Typ 1): ~ 5 bis 10 Minuten
  • helle Haut (Typ 2): ~ 10 bis 20 Minuten
  • mittlere Haut (Typ 3): ~ 20 bis 30 Minuten
  • dunkle Haut (Typ 4+): ~ 30 bis 90 Minuten (gegebenenfalls auch etwas länger)


Die UV-Strahlung entscheidet über vorzeitige Hautalterung (das sogenannte Photoaging), Sonnenallergien bis hin zur Entstehung von Hautkrebs.

Wir Bootsmenschen freuen uns nach langer entbehrungsreicher Zeit zu Hause, am Arbeitsplatz und im Winter sehr darüber, endlich draussen an der frischen Luft, unter freiem Himmel an Bord zu sein, und schon gibt es diese Warnung. Die gute Nachricht ist, dass Sie mit wenigen wirksamen Vorkehrungen etwas machen können. Schützen Sie Ihre Haut erstens konsequent mit Sonnencreme und richten Sie Ihr Boot entsprechend her. Sonnencreme mit hohem Schutzfaktor gehört ins Schwalbennest der Plicht, wo sie immer zu Hand ist. Erinnern Sie einander daran, sich morgens vor dem Ablegen einzucremen.

Sonne ist anstrengend

Es ist ein Luxusproblem, aber eines, das es in sich hat. Es macht sich mit vorzeitigem Altern und unschönen oder gefährlichen Veränderungen der Haut bemerkbar. Früher galt Bräune als schick, wurde das Thema von jungen Leuten nicht ernst genommen. Die Gefahr wurde unterschätzt. Auch wenn Sie sich schützen, merken Sie nach einem langen Tag auf dem Wasser abends, wie viel Sonne Sie abbekommen haben. Junge Leute stecken die Sonneneinstrahlung besser weg als ältere Semester, die die Beanspruchung nach einem sonnigen Segeltag deutlich spüren. Wer kann, teilt sich seine Törns so ein, dass er nach einem Tag auf dem Wasser eine Pause macht und sich im Schatten aufhält, am besten in der Plicht vom Bimini oder einem Sonnensegel geschützt.

Sonnensegel für den Hafen

Das Sonnensegel steigert das Bordleben im Hafen deutlich
Das Sonnensegel steigert das Bordleben im Hafen deutlich © Swedesail

Es ist morgens viel schöner, den ersten Kaffee im Schatten zu trinken und gemeinsam mit Freunden an Deck zu frühstücken, als in der prallen Sonne zu hocken. Ich bin seit vielen Jahren mit solch einem Sonnensegel unterwegs, das den Lebensraum an Bord bei Sonne und Regen vergrössert.

Im Mittelmeer, wo die Sonne rasch steigt und entsprechend Kraft hat, ist das Bordleben unter der Persenning überhaupt erst möglich. In der Plicht fächelt dann meist eine leichte Brise.

Auch sind Lesen und Arbeiten im Schatten überhaupt erst möglich. Das gilt angesichts des Klimawandels zunehmend für nördliche Gewässer wie die Ostsee. Dabei sollten Sie wissen, dass der Schatten lediglich die Temperaturen senkt. UV-Strahlung gibt es auch an bewölkten Tagen. Die Sonnencreme sollte immer im Schwalbennest der Plicht zur Hand sein.

Der Nachteil des Sonnensegels ist, dass man vorn unter dem Tuch hindurchkriechen muss
Der Nachteil des Sonnensegels ist, dass man vorn unter dem Tuch hindurchkriechen muss © Swedesail

Sonnencreme mit einem hohen Schutzfaktor, ein Käppi oder Sonnenhut mit grosser Krempe, Schutz für den Nacken, die Arme und Beine helfen. Ebenso eine Sonnenbrille. Wichtig sind Sicherungsbändchen für den Sonnenhut, für die Schirmmütze und die Brille.

Die vom Fahrtwind reduzierte Temperatur täuscht über die Beanspruchung der Haut

Diese Dinge sollten Sie dabei haben, und tragen, auch wenn es nur für wenige Stunden, etwa für eine Probefahrt mit einem Boot, aufs Wasser geht. Sollten Sie zum Saisonbeginn beispielsweise auf der bis Juni noch kühlen Ostsee ablegen und nach dem langen Winterhalbjahr nach Sonne und Wärme lechzen: Die gefühlte, durch den Fahrtwind angenehm reduzierte Temperatur täuscht über die UV-Belastung und Beanspruchung der Haut hinweg.

Sonnensegel und Plichtpersenning

Wichtig bei der Persenning ist, dass sie sich mit wenigen Handgriffen anbringen lässt. Eine einfache und für alle an Bord leicht verständliche Lösung trägt dazu bei, dass sie nach dem Anlegen und Aufräumen des Bootes angebracht wird. Ich nehme das Sonnensegel morgens vor dem Ablegen ab und bringe es abends nach der Ankunft im Hafen wieder an. Man hat es also 2 x täglich in der Hand. Da ist Zweckmässigkeit alles.

Das Sonnensegel reicht als Allwetter-Hafenpersenning vor den Niedergang
Das Sonnensegel reicht als Allwetter-Hafenpersenning vor den Niedergang © Swedesail

Damit es unter der Persenning, tatsächlich ist es hauptsächlich ein Sonnensegel, nicht zu warm wird, ist es aus einem hellen Stoff. Nach jahrelangen Verwechslungen liess ich die Seiten mit einem roten und grünen Saum für die Back- und Steuerbordseite markieren. So wird sie von vornherein richtig über den Grossbaum geworfen, zwischen dem Mast und Achterstag in Längsrichtung gespannt und danach seitlich an der Reling mit Bändseln gesichert. Das ist mit wenige geübten Handgriffen in wenigen Minuten gemacht.

Windsichere Befestigung mit 5 mm Bändseln
Windsichere Befestigung mit 5 mm Bändseln © Swedesail

Diese Bändsel sind bei mir aus handlicher 5-mm-Polyesterleine, einer Ware, die sich mehrmals um die Reling und durch die Öse des Sonnensegels ziehen lässt. So ist das Tuch straff gespannt. Und das Tuch weitgehend windsicher. Die Bändel sind etwa 80 cm lang. Zum Beladen des Bootes und bequemen Gang vom Vorschiff lässt sich eine Seite bis neben die Plicht hochklappen und mit einem langen Bändel über den Baum zur anderen Reling beiseite binden. So muss ich nicht mit dem Gepäck oder Einkauf in der Hand unter dem Sonnensegel ins Cockpit kriechen.

Ein Sonnensegel schützt auch bei Regen und bietet eine gewisse Privatsphäre

Das Tuch ist an Bord meines schmalen Bootes etwa 3 m breit, ist 4,20 m lang und hat etwa 13 qm. Es endet 10–20 cm über der Reling. Die Höhe des Grossbaums entscheidet über den Sonnen- oder Regenschutz und zugleich den Ausblick aus der Plicht. So bietet das Sonnensegel in vollen Häfen als Sichtschutz Privatsphäre. So kann man in Ruhe zu Abend essen oder ungestört lesen. Der Vorteil des Sonnensegels ist auch, dass die Plicht bei hochsommerlichen Nächten mit entsprechender Feuchtigkeit trocken bleibt.

Sonnensegel und Kuchenbude einer Bavaria im Vergleich
Sonnensegel und Kuchenbude einer Bavaria im Vergleich © Swedesail

An den vorderen und hinteren Enden hält der sogenannte Stopperstek das Tuch sicher auf dem Relingsdraht. Diese ungewöhnlichen Knoten beherrschen Sie rasch, nachdem Sie ihn ein paar Mal gemacht haben. Wie im Lauf der Jahren wiederholt ausprobiert, hält die Konstruktion erstaunlich viel Wind aus. Solch ein Sonnensegel hält bei mir etwa 10 bis 15 Sommer. Dank des Schutzes bleiben die teakbelegten Bänke und die klar lackierten Hölzer der Plicht länger ansehnlich.

Damit das Sonnensegel meines Mittelplichtbootes den Steuerstand bis über den Eingang zur Achterkajüte hin abdeckt, ist es von der Dirk nach hinten geschlitzt. Die beiden Seitenteile sind hinter der Dirk mit Klettband miteinander verbunden. Dieses Klettband und die Verstärkungen rings um die Dirk/Grossbaumnock verschleissen alle paar Jahre und werden von einem Persenningmacher für kleines Geld repariert. Diese Reparaturen lassen Sie am besten während der Saison bei einem Bootssattler um die Ecke machen oder im Herbst. Im Frühjahr, unmittelbar vor der Saison, haben die Betriebe dazu keine Zeit.

Dieses Bimini einer mittelgrossen Hanse beschattet den Steuerstand und hält ein flexibles Solarpaneel
Dieses Bimini einer mittelgrossen Hanse beschattet den Steuerstand und hält ein flexibles Solarpaneel © Swedesail

Ich habe eine Weile gebraucht, um die ideale Länge für das Sonnensegel zu finden. Die erste Version war zu lang und entsprechend unpraktisch. Ich habe es so weit gekürzt, dass das Tuch das hintere Viertel des Kajütaufbaues abdeckt. An sonnig heissen Tagen fächelt genug Wind durch die Plicht und an stürmischen Regentagen landen allenfalls Tropfen in der Plicht. Da das Sonnensegel viel zum Wohlbefinden und angenehmen Bordleben an Hafentagen beiträgt, lohnt es sich, es in Ruhe zu planen. Mit einem langen Bandmass und einem Helfer lässt es sich am besten planen. Lassen Sie sich vom Bootssattler, der Ihnen das Sonnensegel näht, beraten.

Für und Wider Kuchenbude

Sonnen-, Wind- und Regenschutz bestehend aus Sprayhood und Kuchenbude
Sonnen-, Wind- und Regenschutz bestehend aus Sprayhood und Kuchenbude © Swedesail

Sprayhood und Kuchenbude

Moderne Serienboote werden mit Sprayhood und daran anknüpfender Kuchenbude, einem die Plicht ringsum verschliessenden Verdeck, geliefert. Der Vorteil ausgereifter Konstruktionen ist, dass sie deutlich sturmsicherer und auch schützender als das beschriebene Sonnensegel ist. Der Nachteil ist der PVC-Geruch und die fehlende Ventilation. Durchdachte Lösungen lassen sich teilweise vorn, seitlich und auch achtern öffnen. Wie ich von Besuchen an Bord anderer Boot weiss, lebt man darin wie im Vorzelt eines Caravans.

Die Anfertigung einer Kuchenbude ist Massarbeit, die mit Schablonen und entsprechender Erfahrung versierter Bootssattler gelingt. Sehen Sie sich in den Häfen um und erkundigen sich bei den Bootseignern nach Erfahrungen. Kurze Wege zwischen der Werkstatt des Bootssattlers und dem Liegeplatz tragen zu einem gescheiten Ergebnis bei.

Die Jalousie im Dach der Hanse 460 bietet beim Segeln Blick zum Verklicker und schützt die Plicht  am Liegeplatz
Die Jalousie im Dach der Hanse 460 bietet beim Segeln Blick zum Verklicker und schützt die Plicht am Liegeplatz © Hanse Yachts

Permanente Beschattung der Plicht

Mittlerweile gibt es zeitgemässere Lösungen, die weniger Arbeit machen, als das beschriebene Sonnensegel und die Kuchenbude. Französische Werften sind schon lange Vorreiter in Sachen „Convivialité“, sprich der Bordlebensqualität, die sich auch als Gebräuchlichkeit übersetzen lässt. Man hat sich dazu von Traditionen gelöst. Es braucht einen gewissen gestalterischen Mut, solche Wege zu gehen. So startete die französische Werft Dufour bereits 1998 mit ihrer 13 m langen „Atoll 43“ einen Versuchsballon nach einem kühnen Wurf von Philippe Briand, wo das Thema Sonnen-, Regen- und Windschutz mit einem permanenten Hardtop gelöst wurde. Es folgten die Modelle Atoll 3, 5 und 6. Diese Boote gibt es in 12 und 15 m Länge. Hier bilden Salon und Cockpit eine grosse, ebene und bestens durch ein Hardtop geschütze Fläche. Der Steuerstand ist allerdings draussen achtern untergebracht.

Die Atoll 43 von Dufour bietet geschützten Lebensraum an Deck
Die Atoll 43 von Dufour bietet geschützten Lebensraum an Deck © Boat24

Auch bei den modernen Fahrtenkatamaranen ist das Thema Sonnenschutz bereits bei vielen Modellen überzeugend mit einer permanenten Überdachung der Plicht gelöst. Einige dieser Modelle bieten dank der Breite und Überdachung bereits den Platz und Bordlebenskomfort grosser Motoryachten. Es ist ein Kompromiss zugunsten des Bordlebens, mit offensichtlichen Abstrichen bei der Übersicht und Handhabung des Bootes.

Mittlerweile denken clevere Serienhersteller wie Hanse Yachts aus Greifswald von Neuheit zu Neuheit darüber nach, wie sie das Bordleben angenehmer gestalten. Deshalb werden die neue Hanse 460 oder die Hanse 590 neuerdings mit einem permanenten Dach angeboten. Da entfällt das tägliche Anbringen und Entfernen des Sonnensegels. Blick zum Verklicker bietet das Mittschiffs offene Dach, das sich mit wenigen Handgriffen flott mit einer jalousieartig faltbaren Beschattung schliessen lässt. Wie die Fotos zeigen, gelingen diese Lösungen mittlerweile mit integrierten Targabügeln zur Aufnahme der Grossschotführung und einen filigranen hinteren Strebe bereits halbwegs elegant.

Elegante und luftige Lösung für die Hanse 590
Elegante und luftige Lösung für die Hanse 590 © Hanse Yachts

Die innovative Marke YYachts geht mit ihrem Flaggschiff vom Typ Y9 noch einen Schritt weiter. Sie nutzt die starre Dachfläche zur Energiegewinnung mit Solarpaneelen. Für die Y6, Y7 und Y8 der 60 bis 80 Fuss Range stehen etwa 16 Quadratmeter Fläche für die bordeigene Fotovoltaik zur Verfügung, die überschlägig täglich ab 3 Kilowattstunden aufwärts liefern soll. Beim 90‑Füsser vom Typ Y9 sind es 20 qm. Die tägliche Energieleistung hängt von den vollen Sonnenstunden ab. Sie wird von YYachts überschlägig wie folgt beziffert:

Revier/max. Sonnenstunden/tägliche Energieleistung

  • Mittelmeer im Sommer/5–6 Sonnenstunden/15–18 kWh am Tag
  • Mittelmeer im Frühjahr/Herbst/3,5–5 Sonnenstunden/10–15 kWh am Tag
  • Nordeuropäischer Sommer/3–4,5 Sonnenstunden/9–13 kWh am Tag
  • Bewölkter Tag/1–2 Sonnenstunden/3–6 kWh am Tag

Das Gewicht der Solarpaneelen soll bei etwa 35 Kilogramm liegen, die sich auf stoffbekleideten Edelstahlbügeln oder dem Kompositdach der grossen YYacht-Modelle montieren lassen. So wird die schattenspendende Funktion mit dem Energiebedarf moderner Yachten in Einklang gebracht.

Winsch als Sonnenschirmkonsole
Winsch als Sonnenschirmkonsole © Compass 24

In windgeschützten Ankerbuchten und den geschützten Häfen des Mittelmeeres entscheidet die Beschattung der Plicht über die Stimmung an Bord. Wie zu Hause oder in der Gastronomie sind Schatten und Lichtverhältnisse für das Wohlbefinden an Bord wichtig. Auf Raumschotskursen, wo bei wenig Wind kaum eine Brise über das Deck weht, wird die sonnenbeschienene Plicht zur Sauna. Kommen dann noch Seegang und flappende Segel dazu, geht es auf die Nerven. Dann wird motort.

Biminis, die zumindest den Steuerstand und achteren Teil der Plicht beschatten, schaffen Erleichterung. Es sind Konstruktion, die ähnlich wie das Sprayhood aus klappbaren Bügeln und Stoff bestehen. Manche werden im Hafen als hinterer Abschluss der Kuchenbude genutzt. Für windstill-sonnige Tage bietet das Bootszubehör auch Sonnenschirme an, die zum Achtkant zur Aufnahme der Winschkurbel passen.

Y8 mit permanent überdachtem Crewcockpit und freiem Steuerstand achtern
Y8 mit permanent überdachtem Crewcockpit und freiem Steuerstand achtern © Nico Krauss für YYachts
VG