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Welches Motorboot für Anfänger?

Autor: Erdmann Braschos

Für die Auszeit auf dem Wasser braucht es einen schwimmenden Untersatz. Wenn Sie keine Erfahrung haben, eignet sich zum Einstieg ein kleines Schlauchboot mit Aussenbordmotor, ein offenes Sportboot mit festem Rumpf aus pflegeleichtem Kunststoff oder ein handlicher Flitzer mit kleiner Kajüte.

Welches Motorboot für Anfänger?
Schlauchboot mit Aussenbordmotor© Pixabay/Kevin Phillips

Das Schlauchboot hat den Vorteil, dass es sich zusammengefaltet im Kofferraum, auf dem Gepäckträger, im Wohnmobil oder Wohnwagen zum Wochenende oder in den Urlaub mitnehmen lässt. Zuhause findet sich für die Packtasche und den Aussenborder bestimmt Platz. Damit sind die Themen Transport und Liegeplatz schon mal abgehakt. Praktisch ist auch die kippsichere Schwimmlage des Schlauchboots zwischen den breiten, aussen umlaufenden Auftriebskörpern. Übliche Rempler beim Anlegen verzeihen die Schläuche auch. Den Umgang mit Wind, Strömung und dem Gasgriff lernt man damit gut.

Gesteuert und Gas gegeben wird über die Pinne mit integriertem Gasgriff. Man sitzt vor oder seitlich neben dem Aussenborder und hat damit sprichwörtlich alles im Griff. So haben Sie den Bogen rasch raus und lernen jede Stunde, die sie auf dem Wasser verbringen, fix dazu.

Ein kleiner Klappanker mit reichlich Ankerleine, etwas Proviant für unterwegs, Sonnencreme, ein Handtuch, ein Spritzwasserschutz und Sie sind ihr eigener Kapitän. Mit einem Schwamm oder einer kleinen Lenzpumpe holen sie das Spritzwasser aus dem Boot. Die Nähe zum Wasser ist bei flotter Fahrt durch Wind und Wellen ein Nachteil des flachbordigen Schlauchbootes. Der nasse Hintern ist garantiert. Wichtig sind seitlich angebrachte Ruder, mit denen sich das Boot mit hochgeklapptem Aussenborder durch flache Gewässer bewegen lässt. Ein weiterer Pluspunkt des Schlauchbootes ist sein geringer Tiefgang. Damit bleiben schöne Buchten zugänglich. Allerdings ist mit scharfkantigen Steinen oder Muscheln beim Schlauchboot Vorsicht geboten.

Es ist eine Frage der Motorisierung, ob Sie damit gemütlich zum Angeln fahren, durch die Bucht püttern oder schnell über das Wasser preschen. Grosse Schlauchboote bieten bis zu fünf Personen Platz. Bis 15 PS darf führerscheinfrei gefahren werden. Angenehm leise und umweltfreundlich sind die modernen Elektroaussenborder, die sich zunehmend gegenüber herkömmlich lauten und stinkenden Benzinmotoren durchsetzen.

Ein Nachteil des Schlauchbootes ist die Mühe des Auf- und Abbaues. Wenn Sie das Boot selten nutzen, ist die Arbeit okay. Sand zwischen Gummi und Bodenbrettern und UV-Strahlung lassen das Schlauchboot aber rasch altern. Es leidet unter der üblichen Vernachlässigung eines selten gebrauchten Freizeitgegenstands besonders. Lassen Sie es nicht unnötig ungenutzt unter freiem Himmel liegen. Tipps zum Kauf eines gebrauchten Schlauchbootes finden Sie im Blog-Beitrag «Augen auf beim Schlauchbootkauf».

Komfortabler und geräumiger als ein Schlauchboot ist das herkömmlich feste Boot mit Aussenborder. Es ist üblicherweise aus pflegeleichtem Glasfaserverstärktem Kunststoff (GfK), langlebig und robust. Ein GfK-Boot hält Jahrzehnte. Wichtig sind eingebaute Auftriebskörper (Luftkammern), die es unsinkbar machen. Für das kleine offene Boot empfehle ich wie beim Schlauchboot seitlich angebrachte Dollen zum Einhängen der Ruder. Damit gelangen Sie sicher ans nächste Ufer, falls unterwegs der Motor mal stehen bleibt. Wie beim Schlauchboot werden flache Ufer mit ausgeschaltetem und hochgeklapptem Motor rudernd am besten erreicht. Der Ersatz eines lädierten Propellers ist teuer.

Trailerbares Kleinboot mit Aussenbordmotor Trailerbares Kleinboot mit Aussenbordmotor © Pixabay/Dimitris Vetsikas

Hinsichtlich Spurtreue und Rauhwassertauglichkeit ist ein Motorboot aus starrem Material mit ausgeprägt V-förmigem Bootsboden (Stichwort Aufkimmung, siehe auch: Die V-Frage) dem Schlauchboot überlegen. Achten Sie bei der Auswahl auf eine stabile Schwimmlage, die beim Ein- und Aussteigen wichtig ist. Die Höhe der Bordwand entscheidet über die Rauhwassertauglichkeit und die Frage, wieviele Personen an Bord können. Überlegen Sie, in welchem Revier Sie fahren. Motorboote kommen bei Starkwind und Seegang rasch an ihre Grenzen, flachbordig-kleine Boote eher. Eine starre Windschutzscheibe und ein Klappverdeck halten Spritzwasser ab. Für den Einstieg empfehle ich den Kauf eines gebrauchten Bootes. Neben der einfachen Handhabung ist ein Vorteil des Aussenborders, dass er sich abnehmen und zur Inspektion in die Werkstatt bringen lässt. Ganz gleich ob das Boot permanent im Wasser an einem Liegeplatz oder an Land auf dem Trailer liegt: eine passende, das gesamte Boot abdeckende Persenning schützt vor Regen und UV-Strahlung. So haben Sie auf Dauer mehr Freude daran. Mit dem Kauf eines kleinen Motorboots, das sich nicht zerlegen lässt, brauchen Sie automatisch einen Trailer (und eine Anhängerkupplung am Auto) oder einen Liegeplatz. Er gibt eingedeckte Modelle mit geschlossenem Vorschiff, in denen man wie in einem Cabrio mit Cockpit, Lenkrad und Gashebel sitzt, und vielseitige ringsum offene Varianten.

Für windreich kühle Gewässer und Wochenendausflüge empfiehlt sich ein kleines Motorboot mit geschütztem Fahrtstand und Unterschlupf zum Übernachten. Das bietet der moderne Bootsbau bereits bei verblüffend kurzen Modellen. Allerdings sollten die Möglichkeiten zum Bordleben nicht überschätzt werden. Der Lebensraum unter Deck ist begrenzt, was sich bei Regentagen bemerkbar macht. Man muss auf einem kleinen Boot ziemlich Ordnung halten und sich schon gut verstehen, um es in der Enge einer kleinen Kabine auszuhalten. Eine kleine Kochstelle (Herd mit Gaskartusche) und Eimer oder Chemietoilette für kleine und grössere Geschäfte gehören zu den Basics. Bis 15 PS führerscheinfrei motorisiert erschliessen Sie sich damit in einem schönen, ringsum geschützten Revier eine neue Welt.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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