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Bolzen, Splinte, Schäkel

Autor: Erdmann Braschos

Kennen Sie diesen Regattatrick? Während der Rundung einer Boje klimpert ein Splint oder Bolzen an Deck. Den hat Ihnen ein fieser Konkurrent rüber geworfen. Er weiss, dass Sie aus Sorge ums Rigg dann nicht mehr konzentriert Segeln und die Regatta verlieren.

Bolzen, Splinte, Schäkel
Kabelbinder Grossschotschäkel© E. Braschos

Versierte Segler fallen darauf nicht rein, weil sie den Trick natürlich kennen. Auch gibt es bei einem gut vorbereiteten Boot keine Splinte oder Bolzen, die einfach mal so aus dem Rigg fallen könnten. Voraussetzung dazu ist, dass mit den richtigen Bolzen und Splinten aufgetakelt und aufgepasst wurde.

Wie auf vielen Booten zu sehen ist es aber leider nicht so. Ich habe selbst mal bei einem lose in Lee baumelnden Want einen Splint in einen Bolzen am Wantenspanner gesteckt, weil es da aus unerfindlichen Gründen keinen gab. Nach der Wende wäre der Bolzen wohl herausgerutscht und der Mast vom Boot gekippt.

Da es beim alljährlichen Auftakeln hektisch zugeht oder Kleinteile schon mal in den Hafen purzeln, werden irgendwelche Bolzen genommen oder der nächstbeste Splint, wie er gerade zur Hand ist. Das hält gewiss im Hafen und auch eine Weile beim Segeln. Aber jeder Bolzen muss vom Durchmesser und der Länge her zum Terminal, zum Decksbeschlag und der Bohrung in der Lochleiste passen. Im Frühjahr 18 takelte ich mein Boot mit einem neuen Vorstag auf – und fluchte, weil der Bolzen einen marginal grösseren Durchmesser hatte. Auf die Idee, dass im neuen Gabelterminal ein 0,6 mm dickerer Bolzen steckt, der nicht durch das vorhandene Toggle passt, war ich nicht gekommen. Ausprobiert hatte ich es vorher auch nicht. Um den Mast nun nicht wieder legen zu müssen, behalf ich mir mit dem alten Bolzen und montierte bei nächster Gelegenheit ein neues Toggle, durch das der zum Gabelterminal vorgesehene Originalbolzen passt. Bei 5 Tonnen Bruchlast des Vorstages war meine Lust auf Experimente gering.

Überhaupt sind sogenannte Toggles unverzichtbar. Das sind Gelenkstücke, die dem Stag oder Want Bewegungen in alle beim Segeln vorkommenden Richtungen ermöglichen und Ermüdungsbruch durch Biegung vermeiden. Viele Boote, auch von erfahrenen Seglern bewegte Regattaboote, haben ihren Mast verloren, weil das Toggle schlicht vergessen wurde. Wenn Sie ein Boot, sei es Jolle oder Yacht, ganz gleich ob neu oder gebraucht, übernehmen: Sehen Sie sich die Decksbeschläge zur Aufnahme der Stagen und Wanten an. Sollte ein Toggle fehlen, setzen Sie es bei nächster Gelegenheit ein. Beachten Sie dabei die Arbeits- und Bruchlasten, weil Ihre Sicherheit beim Segeln auf See vom schwächsten Kettenglied der Takelage abhängt. Bolzen, Toggle und Want oder Stag müssen zueinander passen. Die Arbeits- und Bruchlasten Ihres Riggs sollten im Handbuch stehen, weiss Ihr Takler/Mastenhersteller. Obwohl die Arbeitslast immer grosszügig ausgelegt ist, sie liegt bei der Hälfte der Bruchlast, sollte das ernst genommen werden

Kabelbinder am Schäkel Kabelbinder am Schäkel © E. Braschos

Die gern genommenen Ringsplinte sind schnell angebracht und beispielsweise für den Relingsdraht, Baumniederholer oder Grossschotblock okay. Es gibt sie in zwei Ausführungen: Die fingernagelschonende mit dem innen abgewinkelten Ende. Lässt sich flott montieren und auch wieder abnehmen. Die zweite Variante ist die, wie wir sie alle vom Schlüsselbund kennen. Es ist eine Popelei, so einen Ringsplint vom Bolzen zu fummeln. Dafür hält er aber auch gut. Teils aufgebogene Ringsplinte, die nicht zum Bolzendurchmesser passen und eher schlecht als recht am Bolzen hängen, sind aber gerade bei Stagen oder Wanten gefährlich. Sichern Sie Bolzen für Stagen, Wanten und die erwähnten Toggles stets mit Stiftsplinten. Die lösen sich nicht durch Schoten oder vorbei gezogene Festmacher.

Der Durchmesser eines Stiftsplints sollte natürlich zur Bohrung im Bolzen passen. Ein viel zu dünner Stiftsplint hat Spiel und geht eher verloren. Wichtig ist auch, dass der Stiftsplint nicht zu lang ist. Faustregel für Stiftsplinte: Bolzendurchmesser x 1,5. Dann stehen die scharfkantigen Enden nicht so weit über. Den passenden Durchmesser vorausgesetzt reicht leichtes Aufbiegen. Einzig bei Bolzen, die lange montiert bleiben, wo Verletzungsgefahr besteht oder Tauwerk und Segel beschädigt werden, lohnt es sich die Splinte so weit aufzubiegen, dass die Enden sich an den Bolzen schmiegen. Zur Demontage von Stiftsplinten brauchen Sie neben einem guten Schraubenzieher eine gescheite Kombizange – und Geduld. Ich setze die Bolzen am Rigg meines Bootes immer so ein, dass sie beim Verlust des Splints am Platz bleiben: von oben nach unten durchgesteckt.

Mit Geschick kriegen Sie einen herausgezogenen Stiftsplint wieder in den Bolzen. Es lohnt sich, eine Box mit Reservebolzen und Splinten an Bord zu haben. Stiftsplinte sind Verschleissteile. Die Wantenspanner sind möglichst bald nach den ersten Schlägen bei Abschluss des Riggtrimms gegen unbemerktes Losdrehen zu sichern.

Für böse Überraschungen sorgen Schäkel, die sich irgendwann an Bord unbemerkt öffnen. Beim Patentschäkel, wie er bei Fallen verwendet wird, passiert das nicht, sofern der Schäkel komplett zugedreht wurde und er genug Spannung hat, um den Bolzen zu arretieren. Fallschäkel lassen sich unterwegs schlecht ersetzen.

Andere dauerhaft montierte Schäkel empfehle ich in jedem Fallzu sichern. Man kann Locktite nehmen, ein spezielles Tape in das Gewinde drehen oder den Schäkel mit der Kombizange anbrummen. Den Schäkel am Übergang vom Kettenvorlauf zur Ankerleine habe ich früher mit Draht, andere Schäkel mit Taklingen fixiert. Praktischer sind Kabelbinder, die sich flink durch das Auge des Schäkelbolzens und den Schäkel ziehen lassen. Anziehen, das überstehende Ende abknipsen, fertig. Geht schnell, rostfreie Lösung und ist mit einem Seitenschneider flott entfernt. Damit sichere ich bei Saisonbeginn mit einem Gang über‘s Boot sämtliche Schäkel in wenigen Minuten und kann das Thema vergessen. Gerade das ist wichtig, weil es an Bord so viele Dinge zu beachten gibt und ich zumindest diesen Punkt getrost vergessen kann.

Wenn Sie eine Wante oder ein Stag erneuern prüfen Sie, ob der Bolzen zum Toggle, Pütting oder Rüsteisen an Bord passt (Bolzendurchmesser, Länge und Splint). Besorgen Sie bei der Gelegenheit beim Bootsausrüster Reservebolzen und Splinte für die üblichen Anwendungen beim Auf- und Abtakeln bei Beginn und Ende der Saison. Am besten legen Sie den ganzen «Kladderadatsch» (Stag oder Wante mit Toggle und Spanner beim Bootsausrüster auf den Tresen. Das spart Zeit und Wege.

Zur Not haben sie immer noch die Möglichkeit, unterwegs im Hafen nach Ersatzteilen zu fragen. Ich habe schon manchen «Bettel-Spaziergang» durch irgendeine Marina gemacht und Nachbarn mit der Bitte um ein Werkzeug oder Ersatzteil angesprochen. Segler sind durchweg hilfsbereit. Mit etwas Glück findet sich in irgendeiner Schraubenkiste das passende Ersatzteil.

Stiftsplint Stiftsplint © E. Braschos

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Praxis

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Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

Helmuth Stöberl

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Schotteinbau

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Obwohl die Reste der herausgeschnitten Laminatwinkel beim Ausbau des alten Interieurs zuvor bis zur Bordwand entfernt wurden, wird die Bordwand mit dem Exzenterschleifer an den Flächen, wo laminiert wird, nochmals angeschliffen. Der Schliff mit grober Körnung (24er, 36er oder 40er Klettscheiben) stellt die gute Verbindung des neuen Laminats mit der Bordwand sicher. Mit einem Exzenterschleifer und vernünftiger Absaugung ist das in wenigen Minuten gemacht und geht halbwegs sauber über die Bühne. Danach wird das gesamte Vorschiff gründlich staubgesaugt und bis in die Ecken hinein mit einem feuchten Lappen ausgewischt.

Den Schotteinbau vorbereiten

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Zunächst lerne ich, wie umständlich und teuer der Kauf von Bootsbausperrholz geworden ist. Ich beschäftige mich schon etwas länger mit meiner Swede 55. Früher fuhr ich mit den alten Brettern einfach unangemeldet zum Holzhändler, wo es im Hinterhof bei der Firma Rüegg im Norden Hamburgs ein grosses Regal mit Platten aus Bootsbausperrholz gab. Da schnitten zwei zupackende Burschen im Blaumann mit Bleistift hinter dem Ohr ohne langes Fackeln die Bretter gleich zu. Nach einer halben Stunde lag der Einkauf für erträgliches Geld hinten im Kofferraum. Es war fast wie im Baumarkt, nur etwas teurer.

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