Segelboot-Klassen2 min Lesezeit

29er

Vom Baggersee bis zum Küstengewässer rast das Skiff konkurrierenden Bootsklassen "um die Ohren".

29er
Segelzeichen 29er

Es mag seltsam klingen, aber der 29er wurde in erster Linie als Umsteigerboot konzipiert. Soll heißen: Von vornherein sollte den (meist jugendlichen) 29er-SeglerInnen klar sein, dass sie nur so lange auf dem Boot unterwegs sein werden, bis sie das nötige Feingefühl für Skiffs und den größeren, olympischen Bruder 49er entwickelt haben. Womit der (bereits 1998 vorgestellte) 29er per se als Konkurrenz zum (damals wie heute überaus beliebten und erfolgreichen) 420er angesehen wurde. Mittlerweile ist jedoch klar geworden, dass beide Klassen durchaus nebeneinander erfolgreich „leben“ können. Wenn auch die ISAF bei den Youth Worlds seit 2008 dem 29er den Vorzug gibt – zum Nachteil des 420ers.

Von Michael Kunst, veröffentlicht am 11.10.2022

Artikel vorlesen lassen

Bis zu 25 kn Speed

Das knapp viereinhalb Meter lange Skiff erwartet von seinen Zwei-Personen-Teams bzw. Doublehanded Crews sportliche bis akrobatische Einsätze. Kaum eine andere Bootsklasse für Jugendliche fordert von seinen Seglern derart viel Balance- und Fingerspitzengefühl. Anders formuliert: Der 29er wird oft als Badeboot verschrien, weil Kenterungen auch bei geübten Crews zur Tages-, mitunter auch zur Stundenordnung zählen.

Warum das Boot respektive die Bootsklasse trotzdem unter Jugendlichen so beliebt ist? Ganz einfach: Es ist extrem schnell (Spitzenwerte liegen bei 25 kn!), springt schon bei leichten Winden an, fördert den Teamgeist und vermittelt wie kaum ein anderes Skiff das nötige Feingefühl und sportliche Know-how für noch spektakulärere Bootsklassen a la 49er, Moth (auf Foils) oder den Katamaran Nacra 17 (ebenfalls auf Foils).

Anspruchsvoll in jeder Situation

Der 29er fordert: Der Vorschoter steht im Trapez, der Steuermann reitet klassisch aus. Wie beim 49er bedient der Vorschoter am Wind das Großsegel, übergibt die Großschot jedoch dem Steuermann auf Kursen, bei denen der Vorschoter sich um Gennaker respektive den asymmetrischen Spinnaker/Gennaker kümmern muss. Da der 29er mit (relativ kleiner) Selbstwendefock ausgestattet wurde, kann die Crew zumindest in den Manövern das Vorsegel vergessen.
In jeder Regatta- oder Manöversituation sind von den Crews schnelle Entscheidungen und sicheres Handling gefragt.

Der 29er wird mittlerweile auf allen Revierarten gesegelt: Vom Baggersee bis zum Küstengewässer rast das Skiff mit seinen (meist) jugendlichen Crews vielen anderen Bootsklassen „um die Ohren“. Als Hohe Kunst des 29ers wird dabei Regattasegeln in der Dünung eines Ozeans oder Meeres bezeichnet.

One Design-Klasse

Der Rumpf besteht aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) in Vollsandwichbauweise mit Doppelboden. Die Rümpfe der One Design Class werden in Europa von Ovington Boats Ltd gebaut. Das Boot wird mit Foliensegeln gesegelt.

Variante: Der 29er XX. Gleiche Abmessungen, jedoch mit größerer Segelfläche und Trapez jeweils für Vorschoter UND Steuermann. Das Boot war ursprünglich als Frauen-Olympia-Skiff gedacht, den Zuschlag erhielt jedoch der 49er FX, eine abgespeckte Version des 49ers.

29er Segelriss
29er Segelriss

Technische Merkmale:

  • Länge ü.a.:4, 45 m
  • Breite: 1, 77 m
  • Segelfläche am Wind: 12, 5 qm
  • Gennaker: 17 qm
  • Yardstickzahl: 94