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Carlo Rivas Dampfer

Autor: Erdmann Braschos

Vespucci, ein gemütlicher Verdränger, den der legendäre Bootsbauer Carlo Riva Ende der Siebzigerjahre für seine Familie und sich vom Stapel liess, ist wieder unterwegs. Der ringsum sehenswerte Dampfer zeigt, was sich aus einem betagten Stahlschiff im korrosiven Mittelmeer-Milieu machen lässt.

Carlo Rivas Dampfer
Carlo Riva mit Modell von Vespucci© vespucciyacht.com

1977 blickte Carlo Riva auf eine beeindruckende Karriere zurück. Er hatte in eineinhalb Jahrzehnten aus der väterlichen Fünfmann-Butze einen 300 Mitarbeiter-Betrieb zum Bau der besten Mahagoni-Motorboote gemacht. Er hatte den qualitativ schwankenden Holzbootsbau am Iseo-See in eine modern getaktete Serienfertigung mit reproduzierbarer Präzision verwandelt. Riva hatte die Entwicklung von Flugzeug- zu Bootsbausperrholz vorangetrieben, sich von Finessen wie fehlbedienungssicheren Bohrern über Spezialschrauben und die Verchromung der Beschläge bis hin zum cleveren Celebrity-Marketing um Alles gekümmert. Der lombardische Qualitätsfetischist hatte amerikanischen Motoren- und deutschen Instrumentenbauern gezeigt, wie hoch die Latte bei Riva liegt. Vor allem aber hatte der Selfmademan Ende der Sechzigerjahre angesichts des Durchbruch von glasfaserverstärktem Kunststoff mit dem Verkauf seines Betriebes rechtzeitig den Absprung geschafft. Riva fasste die Sache so zusammen: «Meine Kunden akzeptieren keine Toilettensitze aus Plastik. Sie setzen sich nur auf Holz.»

Vespucci Vespucci © Guillaume Plisson for Monaco Marine

Dann baute der Macher trotz normalitalienisch lokaler, bürokratischer und sonstiger Widerstände eine wegweisend moderne Marina. Sie befindet sich in Rapallo und heisst Porto Carlo Riva.

Nun war es höchste Zeit für einen richtigen Dampfer. 30 Meter sollte das Schiff für seine vierköpfige Familie messen. Das war damals ein gewaltiger Pott. Der 55-jährige entwarf einen 145 Tonnen Verdränger mit schrägem Vorsteven, Wulstbug und kühn vor- statt rückwärts geneigten Scheiben auf der Brücke. Das war damals schon Retro. Vor allem aber spendete es Schatten. So hatte Riva bereits sein Büro über der Werft verglast. Es schwebte wie eine Kommandobrücke über dem Iseo See. Das Stahlschiff mit Aluminiumaufbau lief 1978 bei der CRN Werft in Ancona vom Stapel und wurde 2016 von seinem heutigen vierten Eigner dem Yachtinstandsetzer Monaco Marine zu einer umfassenden Überholung übergeben. 260 Meter vergammelte Stahlrohre und allen Ernstes 1,6 km Kabel waren zu ersetzen, das Interieur liebevoll wiederherzustellen. Nach 20 Tausend Stunden, die während 18 Monaten in Vespucci gingen, wurden die beiden Caterpillars wieder angeworfen.

Vespucci Cabin Vespucci Cabin © Guillaume Plisson for Monaco Marine

Kapitän Benjamin Calzaroni und seine Crew packten mit an, was die Arbeit ebenso beschleunigte wie der Vorteil, dass alle Gewerke in der Werft verfügbar waren. So liessen sich die üblichen Überraschungen rasch abarbeiten. «Unser Ziel war es, dem Schiff in enger Abstimmung mit dem Eigner-Ehepaar zu seinem ursprünglichen Glanz zu verhelfen» berichtet Werftleiter Kamel Fekhart. «Es war wichtig, den Geist und Stil der Carlo Riva Yacht in all seinen Finessen zu bewahren.» Ein Grossteil des lackierten Teakinterieurs ist original. Sogar die Lichtschalter mit schwarzen Knebeln, oder die Bullaugen konnten gerettet werden. Einzig der von Riva selbst entworfene Kühlschrank, den ein frevelhafter Mensch entsorgt hatte, war zu ersetzen.

Die betagten Caterpillar D346-TA V8 Dieselmotoren liessen sich mit beharrlicher Suche nach Ersatzteilen, umgebauten Fremdteilen und Sonderanfertigungen erhalten. Zu den wenigen Änderungen gehört die im Bug eingelassene Sitzgelegenheit mit eingelassenen Stauräumen.

Wie Lia Riva, die Tochter des Vespucci-Schöpfers mit leuchtenden Augen bei einem Rundgang durch das wiederhergestellte Schiffe entdeckte, hängen sogar die himmelblauen und Lobster-roten Vorhänge in der Lieblingskombination ihres Vaters an Bord.

Carlo Riva am Zeichenbrett Carlo Riva am Zeichenbrett © vespucciyacht.com

Die Wiederherstellung eines vierzig Jahre alten Stahlschiffs im wahrlich korrosiven Milieu des Mittelmeeres kann ein Fass ohne Boden sein. Die sehenswerte Vespucci ist ein Beispiel dafür, das es sich lohnt, Geld in ein beharrlich gepflegtes Objekt mit Herkunft zu stecken. Man kann Carlo Rivas Dampfer mit seinen vier Gästekabinen über die Agentur Northrop & Johnson chartern und mit den beiden V8 Caterpillars bei zehn Knoten Resetempo zurück in die Siebziger dieseln.

Die Geschichte der grossen Rivas

Obwohl Riva durch seine klassischen Mahagoni-Gleiter bekannt wurde, dachte er bereits seit Ende der Fünfzigerjahre über grössere Modelle nach, die er zunächst gemeinsam mit den holländischen Konstrukteuren De Voogt entwarf und in den Sechzigerjahren in kleinen Stückzahlen bei Feadship De Vries als 22 ½ m Caravelle, knapp 27 m messende Admiral und 35 m Viking entstanden. Für sein eigenes Schiff entschied er sich dann für einen italienischen Werftpartner.

Vespucci Vespucci © Guillaume Plisson for Monaco Marine
Vespucci Vespucci © Guillaume Plisson for Monaco Marine

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Autor

Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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