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Praxis7 min Lesezeit

Die Sache mit der Bordtoilette

Warum ein einfaches und fehlbedienungssicheres Bord-WC wichtig ist

Die Sache mit der Bordtoilette
Die Bedienung eines manuellen Bord-WCs ist „eigentlich“ einfach © Swedesail

Die Bordtoilette entscheidet über das Wohlbefinden an Bord. Probleme bei der Handhabung schränken das Bordleben deutlich ein. Aversionen gegenüber der als kompliziert erlebten Technik führen dazu, dass Freunde ungern an Bord kommen.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 10.03.2026

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Vor- und Nachteile manueller und elektrischer Bordtoiletten
  • welche Fehler bei der Nutzung des Bord-WCs üblich sind
  • die unschlagbaren Vorteile des vielseitigen Eimers
  • wie das Bord-WC fehlbedienungssicher wird
  • warum ein Ersatzteilset an Bord gehört
  • Tipps zum geruchsfreien Betrieb
  • Tipps zur Auswahl einer neuen Bord Toilette
  • Hinweise zum Fäkalientank

Beim manuellen Bord-WC

werden die Betriebsarten „Spülen“ und „Abpumpen“ mit einem Kipphebel eingestellt. 15 Hübe an der Pumpe in Spülstellung, etwas Wasser abpumpen, fertig. Wichtig ist, dass die Schüssel nach Benutzen etwa ein Viertel gefüllt hinterlassen wird und der Kipphebel in der Abpumpstellung ist. So läuft kein Wasser nach. Das ist eigentlich ganz einfach.

Die elektrische Bordtoilette

übernimmt das Abpumpen auf Knopfdruck, was die Fehlbedienung vermeidet. Leider ist der Motor laut. Das ist nachts lästig. Richtig bedient führen elektrische Toiletten dem Fäkalientank wenig Wasser zu. Es gibt Umrüstsätze zum Umbau manueller Bordtoiletten. Die Umrüstung etwa der „Jabsco Par“ kostet 420 €.

Wenn es ein elektrisches WC sein soll

Achten Sie auf einen leisen Motor und robusten Zerhacker mit grossem Durchmesser. Moderne Bordtoiletten sehen aus wie zu Hause und ähneln in der Benutzung dem vertrauten Landstandard. Statt Spültaste gibt es ein meistens verständliches Bedienpanel. Der geringe Verbrauch von 1,5–3,5 l erlaubt die Spülung mit Frischwasser: So haben Sie nie Seegras in der Pumpe und bei langer Liegezeit keinen Gestank abgestandenen Seewassers. Kosten beispielsweise für die „Jabsco Quiet Flush“ 550 €.

Wenn eine Sache „eigentlich“ - also angeblich - ganz einfach ist, ist sie leider das Gegenteil von einfach. Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Bordtoilette. Die kapiert ausser dem Eigner und Skipper keiner an Bord. Ganz einfach, weil er sie wahrscheinlich selbst eingebaut und zuletzt repariert hat. Weil er bei Schwierigkeiten die Schüssel lieber selbst leer pumpt, statt die Toilette abends zu reparieren. Weil viele Bordtoiletten bedauerlicherweise unpraktisch eingebaut sind. Weil bei den vorgeschriebenen Fäkalientanks mit undichten Säcken leider ab Werft schlimm gemuckst wird. Weil er weiss, wo der Ersatzteil-Beutel mit den Reserveklappen und Dichtungen liegt. Weil er das Werkzeug zum Öffnen der Pumpe noch von der letzten „Massnahme“ kennt. Weil er mit den sogenannten GWS-Jobs (Gas, Wasser, ...sse) an Bord vertraut ist, und der Urlaub einer bleibt.

Drei Geschichten zum Thema

Vor vielen Jahren segelte ich mal die nordafrikanische Küste entlang. Nach einem mehrtägigen Törn legten wir von Algerien kommend im malerischen Sidi Bou Said an. Der herrliche Hafen liegt gleich neben den Sehenswürdigkeiten des antiken Karthago. Sidi Bou Said ist ein traumhaft gelegenes Künstlerdorf. Tolle Ausgrabungen, Gewölbe und Mosaiken, beeindruckende korinthische Kapitelle sind da zu besichtigen. Erster Programmpunkt nach dem Anlegen war die mehrstündige Reparatur der kaputten Bordtoilette.

Nach Ankunft in der Karibik hatte ich müde vom langen Flug und Transfer zum Boot versucht, die Schüssel gegen den Widerstand eines geschlossenen Seeventils zu leeren. So durfte ich zum Einstand an Bord eines fremden Bootes die Bordtoilette reparieren. Es war die Pest ein Charterbootklo zu flicken, statt oben an Deck den Sundowner an Deck zu geniessen.

Pumpen Sie niemals gegen Widerstand

Während eines Dänemark-Törns schämte sich ein langjähriger Segelfreund tagelang, weil er vergessen hatte, den Wählhebel der Pumpe an Bord meines Bootes von der Spül- in die sichere Abpumpstellung zu legen. Abgesehen von zwei, drei Eimern Hafenwasser in der Bilge war nichts passiert. So hob ich die Toilette im nächsten Winter auf einer Konsole so weit an, dass sie im Hafen zwae 3/4 voll-, jedoch nicht überläuft. Die Mühe hat sich gelohnt. Denn es kommt immer wieder mal vor, dass jemand das Umlegen des Wählhebels in die sichere Abpumpstellung vergisst.

Eimer statt Bord-WC?

Einfach, nämlich fehlbedienungssicher ist allein der klassisch schlichte Eimer. Wasser rein, darauf hocken, aussenbords leeren, weglegen. Leider hat der Eimer drei Nachteile. Erstens die Abdrücke vom Henkel an der Back- und Steuerbordseite vom Gesäss. Zweitens weigern sich 50 Prozent der Menschheit beharrlich, diese vielseitige, superpraktische und komplett wartungsfreie Gerätschaft zu benutzen. Das hat neben anatomischen Gründen etwas mit weiblicher Schamhaftigkeit zu tun.

Ich hatte schon Gäste an Bord, die den ganzen Tag nicht zur Toilette gingen, immer öfter fragten, wann wir da sind – und nach dem Anlegen im Hafen losrannten.

Beim Bord-WC gilt das an Bord stets zu beherzigende KISS-Prinzip, wonach alles an Bord so einfach wie möglich zu halten ist. Es sollte so übersichtlich installiert und fehlbedienungssicher sein, dass man es beinahe wie zu Hause benutzen kann. Dann kommen auch die Freunde und Besucher damit klar.

Den Wählhebel zum Spülen und Abpumpen immer komplett umlegen

Erleichtern Sie Freunden und sich das Bordleben mit einer Anleitung
Erleichtern Sie Freunden und sich das Bordleben mit einer Anleitung © Swedesail

  • eine Anleitung mit Piktogramm vermeidet das nächste Malheur
  • machen Sie die Toilette fehlbedienungssicher (wenn möglich Betrieb mit permanent offenen Ventilen)
  • wurde der Seewasserzulauf zum Spülen nah an der Wasserlinie angebracht, setzen Sie ihn tiefer, damit die Pumpe auch beim Segeln mit Krängung Wasser zieht
  • der Wählhebel zum Einstellen des Spül- oder Abpumpbetriebs ist stets komplett umzulegen. Sonst ist die Pumpe bald kaputt
  • soweit es baulich möglich ist, heben Sie die Schüssel der Bordtoilette mit einer Konsole so weit an, dass sie beim stillliegenden Schiff zwar fast voll, jedoch sicherheitshalber nicht überläuft
  • prüfen Sie nach der Übernahme eines Bootes, wie tief in Bezug zur Wasserlinie das WC an Bord des beladenen Schiffes untergebracht ist. Beim traditionellen Boot mit V-förmiger Spantform sitzen die Kajüten tiefer im Schiff als bei der modernen, U-spantigen Yacht, wo auch die Toilette meist über der Wasserlinie angeordnet ist. An Bord meines Bootes genügten etwa zehn Zentimeter. Die Konsole wurde aus pflegeleichtem und einfach zu bearbeitendem Industriekunststoff angefertigt
  • halten Sie den Fäkalientank möglichst einfach, nämlich so, dass er sich auf See ohne zusätzliche Pumpe mit fallender Leitung von selbst leert (spart eine wiederkehrende Wartung)
  • das Bord-WC ist wie der Abwasserschlauch ein Verschleissteil und alle Jahre zu wechseln
  • notieren Sie, welches Toiletten-Fabrikat und Modell in welcher Version eingebaut ist. Ein PDF im Computer mit den Bootsunterlagen und eine Explosionszeichnung mit Stückliste und Bestellnummern an Bord erleichtert die Reparatur
  • gängige Ersatzteile wie ein Reparaturset mit den Umschlagklappen/Dichtungen und passendes Werkzeug (Schraubendreher und Schlüssel) sind urlaubsentscheidend.
  • verkalkte oder verdreckte Pumpzylinder werden mit Winschenfett oder Speiseöl (keinesfalls Motoröl) leichtgängig
  • verzichten Sie auf scharfe, das Innenleben der Pumpe beschädigende WC-Reiniger
  • viele Skipper erwarten, dass das benutzte Papier separat in einen Mülleimer wandert. Eine unhygienische Lösung. Ich hatte noch nie Probleme mit Toilettenpapier, solange gut gespült wird
  • Yachten mit grossen Tanks spülen ihre Toilette mit Fischwasser. Dann stinkt es nach Liegezeiten des Bootes nicht faulig. Salzwasser riecht im Sommer nach wenigen Tagen.

Besorgen Sie sich den Einrichtungsplan Ihres Bootes und berücksichtigen Sie die tatsächliche anstelle der geplanten Wasserlinie. Hier als Beispiel die Seitenansicht meiner Swede 55
Besorgen Sie sich den Einrichtungsplan Ihres Bootes und berücksichtigen Sie die tatsächliche anstelle der geplanten Wasserlinie. Hier als Beispiel die Seitenansicht meiner Swede 55 © Swedesail

  • Der Hauptgrund für ständig reparierte Bord-WCs ist der in Segelschulen vermittelte praxisferne Unsinn, die Seeventile des Seewasserzulaufs und des Abflusses permanent geschlossen zu halten, sie nur vor dem Gebrauch zu öffnen und danach wieder zu schliessen. Es gibt Boote, bei denen das beim Segeln leider nötig ist, damit das Schiff nicht vollläuft. Geschlossene Seeventile beim Pumpen sind allerdings Ursache Nr. 1 für ständig reparierte Bord-Toiletten. Wozu kompliziert und nervig, wo es doch meistens einfach geht? Schauen Sie sich die Installation an Bord Ihres Bootes in Ruhe an und prüfen Sie, wie sie sich vereinfachen lässt. Oft bietet bereits die gezeigte Längsansicht vom Einrichtungsplan des Bootes Hinweise, wie tief die Bordtoilette im Schiff eingebaut ist. Vergleichen Sie die vorgesehene Wasserlinie mit der tatsächlichen Schwimmlage des Bootes. Viele Boote sind schwerer als geplant und liegen entsprechend tiefer im Wasser.
  • wenn möglich und erlaubt: lassen Sie den Fäkalientank nebst Installation zur Entnahme an Deck und Entlüftung weg: Keep it simple.

Solch ein Beutel mit üblichen Pumpenersatzteilen für wenige € rettet den nächsten Törn
Solch ein Beutel mit üblichen Pumpenersatzteilen für wenige € rettet den nächsten Törn © Swedesail

Fäkalientank

Die „Helsinki-Kommission“ HELCOM schreibt seit 2005 vor, dass Boote auf Nord- und Ostsee ab Baujahr 1980 einen Fäkalientank haben müssen. Das macht die Handhabung und Wartung auf kleinen bis mittelgrossen Booten und Yachten mit mehreren Toiletten kompliziert. Im Unterschied zur bisher üblichen Installation, wo alles direkt aussenbords geht, füllt sich der Fäkalientank nach gründlichem Spülen der Toilette schnell. Der flexible Fäkalientank aus einem robusten Plastiksack ist zwar günstig und rasch eingebaut, aber im Betrieb ärgerlich. Aber besten bald raus damit. Niemand möchte einen vergessenen, undichten oder geplatzten Fäkalientank aus dem Boot heben und alles aus der Bilge wischen.

Welche Toilette ist empfehlenswert?

Es gibt mehrere Hersteller und Händlereigenmarken wie beispielsweise Albin, Blake (Baby Blake, Lavac Popular), Compass, Jabsco, Johnson, Rheinstrom und Talamex. Die Preisspanne ist gross. Wichtiger als der Preis ist auf lange Sicht die Ersatzteilversorgung. Entscheiden Sie sich beim Kauf zugunsten der Ersatzteile in fernen Revieren für ein gängiges Fabrikat, bestellen Sie bei der Anschaffung gleich zwei oder drei Ersatzteilsets und legen sie ins Boot. Ich bin seit 1980 mit dem Par Brydon Bord WC und dem Nachfolger des bewährten Modells unterwegs. Es wird heute von Jabsco vertrieben und ist so günstig, dass man es alle paar Jahre neu kaufen kann. Jabsco ist der weltweit grösste Hersteller von Bordtoiletten.


Bei einer Reparatur der Pumpe sind die Schrauben im Kunststoffgehäuse allerdings mit Gefühl anzuziehen. Kosten der Toilette circa 270 €, Servicekit mit den gängigen Ersatzteilen (Klappen und Dichtungen) etwa 55 €. Preise von März 2026.


Übliche Wartung
Unterwegs auf See halte ich das System regelmässig mit 15–20 Pumpenhüben in der Spülstellung sauber und geruchsfrei. Sollte angesaugtes Seegras die Gummiklappen blockieren und in der ansonsten sicheren Abpumpstellung Wasser nachkommen, öffne ich die Pumpe und beseitige das Seegras.


Nehmen Sie geruchsdichten Schlauch
Leider bauen Werften aus Kostengründen billige, bald stinkende Schläuche ein. Kaufen Sie stattdessen beim anstehenden Wechsel die beste Qualität für etwa 23 € je Meter statt 15 €. Dann stinkt der Schlauch später. Wechseln Sie den Schlauch bei sommerlichen Temperaturen, wenn er sich biegen und besser verlegen lässt als in der kalten Jahreszeit des Winterlagers. Ich wechsele den Fäkalienschlauch alle 5–7 Jahre.


Messen Sie die Schlauchlänge und den Nenndurchmesser
Notieren Sie beim ersten Wechsel die Schlauchlänge. Die Nenn- sprich Innenweite des Schlauches ist üblicherweise 38 mm, das sind 1 1/2 Zoll. Sobald es im Toilettenraum riecht, bestelle ich den neuen Schlauch zum Wechsel bei nächster Gelegenheit. Mit Geschick klappt der Wechsel beim geschlossenen Borddurchlass im schwimmenden Boot. Ändern/optimieren Sie die bewährte Schlauchführung sicherheitshalber nicht. Der Schwanenhals ist deutlich über die Wasserlinie zu führen. Am besten verlegen Sie den starren Schlauch zu zweit.


Hinweis: Alle genannten und abgebildeten Produkte wurden vom Autor regulär bezahlt. Die Empfehlung der erwähnten Fabrikate ist Ergebnis seiner jahrzehntelangen Bordpraxis.

Weiterführende Links

VG