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Shit happens

Autor: Erdmann Braschos

Ganz gleich ob Sie ein Boot chartern, ein gebrauchtes oder neues haben. Früher oder später fällt etwas aus oder ein Manöver geht schief. Wie Sie übliche Missgeschicke vermeiden.

Shit happens
Ein Ringschlüssel passend zur Propellernabe sollte an Bord sein© E. Braschos

Das Schöne am Wassersport ist, dass Sie mit der Familie oder Freunden Draussen in der Natur auf sich gestellt sind. Das setzt voraus, das alles einwandfrei funktioniert. Tut es aber nicht. Auch macht jeder Segler mal Mist. Anders als beim Auto können Sie nicht rechts ranfahren und den Pannendienst rufen. Sie müssen sich selbst helfen.

Propeller klemmt

Viele Segelyachten sind heute mit einem Falt- oder Drehflügelpropeller unterwegs. Leider behindern nach langer Liegezeit Seepocken das Auf- und Umklappen in Vorwärts- und Rückwärtsfahrt oder in die Segelstellung. Dann gehe ich mit Taucherbrille und einem Pfannenwender baden. Mit dieser praktischen Küchenhilfe lassen sich die Pocken flott wegschieben.

© E. Braschos

Logge geht nicht

Eine einfach zu beseitigende Störung ist ein blockierter Impeller der Logge. Meist hängt Seegras im Paddelrad oder eine Seepocke verklemmt es. Sicherungsmutter losdrehen, Geber ziehen und den Blindstopfen einsetzen. Mit einem Schlitzschraubenzieher die Pocken abschaben. Prüfen Sie mit dem Finger oder durch Anpusten des Impellers ob er leichtgängig dreht. Blindstopfen ziehen, Geber einsetzen, Sicherungsmutter handwarm anziehen – fertig.

Ich spare mir das Freikratzen, indem ich bei längeren Liegezeiten meines Bootes den Blindstopfen einsetze und den Geber ins Boot lege. Da bewächst er nicht.

Der Loggenimpeller liegt im Schiff, ein Bildstopfen ist eingesetzt Der Loggenimpeller liegt im Schiff, ein Bildstopfen ist eingesetzt © E. Braschos

Labberiges Ruder

Auch für eine Ruderanlage mit Spiel in der Übertragung vom Steuerrad zum Quadranten müssen Sie keinen Mechaniker kommen lassen. Es ist normal das die Steuerseile nach einem langen Kurs bei Wind und Seegang ausleiern. Mit handwerklichem Geschick und passenden Maulschlüsseln lässt sich das spannen. Meine Ruderanlage hat in der Nabe des Steuerrades einen Scherstift, der infolge jahrelanger Vernachlässigung weich wird und ausleiert. Ich habe die regelmässige Prüfung bei mir an Bord zur Routine gemacht und einige montagefertig in der Werkzeugschublade liegen. Bei der Gelegenheit machen Sie sich gleich mit der Notpinne vertraut. Wo ist sie? Wie wird sie montiert? Segeln oder motoren sie mal mit aufgesteckter Notpinne. Dann haben Sie eine Idee, ob es geht und wie sich das Boot per Notpinne steuern lässt.

© E. Braschos

Toilette geht nicht

Das Bord WC ist ähnlich wie die Rollanlage das meist misshandelte Teil. Übermüdet nach einem langen Flug habe ich in der Karibik auf einem Charterboot mal eine Toilette stillgelegt, weil ich gegen ein geschlossenes Seeventil gepumpt habe. Ich weiss nicht mehr ob es der Zu- oder Ablauf war. Ich erinnere nur, das es kein gutes Entree an Bord war und ich die Sache selbst reparieren durfte.

Da ich bei mir an Bord keine Lust zu Toilettenreparaturen habe (das Öffnen und Schliessen der Seeventile ist Fremden nicht zumutbar) bleiben die Ventile an Bord meines Bootes grundsätzlich offen – solange es bewohnt ist. Sofern der Wahlhebel von der Spül- in die sichere Abpumpstellung gekippt ist, läuft die Toilette nicht voll. Bei mir an Bord wird auch Toilettenpapier wie zuhause entsorgt. Ich hatte damit noch nie Probleme.

Zieht die Pumpe Luft gebe ich etwas Speiseöl in die Toilettenschüssel. Nach wenigen Hüben fördert die Pumpe dann wieder Wasser. Vaseline oder Babyöl hält das Innenleben leichtgängig. Der defekte Pumpmechanismus lässt sich in einer halben Stunde (meist hängt Seegras in einer Membran oder behindert das Rückschlagventil) flott machen. Die Anleitung und eine Explosionszeichnung des Innenlebens gehört zur Betriebsanleitung des Bootes, die an Bord (nicht zuhause) parat liegen sollte. Ein Set gängiger Ersatzteile zum Bord-WC rettet den Törn. Nachdem Segelfreunde einmal vergassen den Wählhebel von der Spül- in die sichere Abpumpstellung zu legen, die Schüssel überlief und der Inhalt ins Boot schwappte, hob ich die Toilette so weit an, das die Schüssel nicht mehr überlaufen kann.

Ich meine es wird generell zur viel Gedöns um das Bord-WC gemacht. Mancher Frau ist bereits das Pumpen in Spül- und Abpumpstellung des Wahlhebels zu kompliziert. Ich war schon mit Begleitung an Bord unterwegs, die sich den ganzen schönen Segeltag nicht traute, die Bordtoilette zu benutzen.

Also: kein Gedöns, die Seeventile an Bord des bewohnten Bootes geöffnet (benutzbar) lassen, sofern die Installation einwandfei und nicht ausserordentlich tief im Schiff angeordnet ist. Die Pumpe pfleglich behandeln, das Innenleben öffnen, reinigen und schmieren.

© E. Braschos

Fenster und Skylights

Machen Sie es zur Routine Fenster in der Bordwand oder im Kajütaufbau und Skylights vor jedem Ablegen grundsätzlich zu schliessen, ebenso wie die See- und Frischwasserzuläufe, die ihre Pantry bei Krängung fluten. Das ist bei jedem Bootstyp anders. Es hängt von der Position der Frischwassertanks und der Spüle im Schiff ab. Mit solcher Vor- und Umsicht bleibt es unter Deck trocken. Um ein geschlossenes Skylight kann sich keine Schot schlingen. Auch die Drehverschlüsse moderner Skylights selbst werden gern vergessen oder zu fest angezogen. Beides ist schädlich und lässt die Verschlüsse früher oder später tropfen. Mit einem Griff zum Bordwerkzeug (bei modernen Luken sind es Torx-Schrauben) und gefühlvoll nachgezogen hat man Ruhe. Eine Sache von Minuten.

Badeplattform/Heckklappe

Heckklappen und Badeplattformen moderner Serienboote sind leider mit sparsam dimensionierten Scharnieren montiert. Dem normalen Gebrauch halten sie stand. Rempler von der Kaimauer im ausgeklappten Zustand nicht. Deshalb erst anlegen, das Boot so vertäuen, das der Abstand zur Kaimauer bleibt wie er ist und dann erst die Heckklappe öffnen.

Ankerwinsch

Eine motorisierte Ankerwinsch ist eine feine Sache. Man hat keine Mühe mit dem Bergen des Ankers, macht sich die Finger nicht schmutzig und steht entspannt mit dem Panel auf dem Vorschiff. Bei Charterschiffen, gebrauchten, speziell älteren Yachten ist sie leider auch Anlass ständigen Ärgers.

Macht die Ankerwinde keinen Mucks, prüfen Sie zunächst an der zentralen Schalttafel, ob sie überhaupt Strom bekommt. Manche Installationen sind auf die Bordspannung der laufenden Maschine angewiesen. Vertiefen Sie die Störungssuche mit einem Blick auf die separate Batterie, die der kurzen Kabel halber meist in der Nähe des Spills unter den Vorschiffskojen untergebracht und nochmals mit einer eigenen Sicherung versehen ist. Die Fernbedienung kann einen Knacks in Gestalt eines Wasserschadens, lädierten Kabels oder korrodierter Kontakte haben. Ebenso die Elektrik an der Winsch selbst. Mechanische Probleme mit einer rutschenden Bremse beheben Sie mit nachgezogenen Schrauben und Reinigung der Laufteile. Elektrik und die Montage unterschiedlicher Metalle auf dem exponierten, dauerfeuchten Vorschiff (Elektrolyse) führen zu Problemen. Besonders dann, wenn die Winsch nicht richtig montiert wurde.

Ich habe über Jahre so viel Theater mit zwei verschiedenen Ankerwinschen und Reklamationen gehabt, dass ich sie ausgebaut habe. Ein Handspill der Marke Lofrans nahm der Händler anstandshalber zurück. Es klemmte ab Werk. Man kann fast alles an Bort pflegen, waren und reparieren. Wenn aber zu viel Zeit in die Pflege und Reparatur einzelner Komponenten an Bord geht, bleibt keine Zeit mehr für schöne Stunden auf dem Wasser.

Mit sechs Metern Kettenvorlauf und einer handlichen Trosse berge ich meinen 16 Kilo Anker von Hand. Das spart Reparaturen, Geld, Ärger, weit vorne Gewicht und ganz nebenbei den Rost der irgendwann korrodierten Kette. Ich war früher sicherheitshalber mit einem 30 Kilo Pflugscharanker unterwegs. Das Trumm mit Kettenvorlauf von Hand zu bergen war die schiere Fron. Bei grossen Tiefen habe ich die Trosse nach achtern zur Schotwinsch umgelegt. Bei viel Wind oder über schlechtem Grund liegt man mit zwei handlichen Ankern sicherer als einem schweren.

Beim grossen und schweren Boot und der Charteryacht kommen Sie am Spill nicht vorbei. Wenn Sie ein gebrauchtes Boot mit Spill übernehmen, sehen Sie sich zunächst die Elektrik an. Die Installation ist auf vielen Booten die ich gesehen habe, erschütternd und war meist vernachlässigt.

Wenn Sie unterwegs sind: Motoren Sie beim Bergen des Ankers dorthin, wo der Anker liegt. So ersparen Sie dem Spill und der Batterie die Schwerstarbeit das Boot vorwärts zu ziehen. Beim Fieren der Kette schont eine gefühlvolle Handhabung der Bremse das Spill. Manche lassen die Kette flott rauschen und hauen dann brutal die Bremse rein. Das geht nicht lange gut. Auch empfiehlt sich unbedingt, das Ende der Ankertrosse oder -kette mit dem Boot zu verbinden. Klingt banal, aber eine ausrauschende und im Wasser verschwundene Kette ist eine blöde Sache.

Unterlagen an Bord

Handbücher, Anleitungen (auch in Englisch) und besser noch Explosionszeichnungen mit dazu gehörenden Teilenummern/Stückliste erleichtern die Repartur unterwegs enorrm. Sollte es ohne ein passendes Ersatzteil nicht weitergehen, identifizieren Sie es anhand der Explosionszeichnung und Teileliste mit der entsprechenden Bestellnummer rasch.

© E. Braschos

Fehler sind zum Lernen da

Vor Jahren segelte ich mal in den Hafen von Viareggio. Nach einem Aufschiesser im grossen Hafenbecken bargen wir die Segel. Leider tat sich nichts, als ich den Gang einlegte. Weder vorwärts noch Rückwarts. Ich verschwand mit der Taucherbrille im Wasser und meine entsetzten Augen entdecken hinter dem Saildrive eine netto ins trübe Türkis ragende Welle. Anscheinend hatte ich bei der Motorenüberholung vergessen, die Mutter hinter der Propellernabe richtig zu sichern. Diese Nachlässigkeit war ein teurer Spass. Als ich am nächsten Tag einen mit Glück beschafften Ersatzpropeller unter Wasser montierte, zog ich die Mutter hinten auf der Welle gut an. Ich verschwand dann in Le Grazie und Portofino immer mit dem grossen Schraubenschlüssel unter dem Boot. Ich wollte sichergehen, dass er dran bleibt. Jeder macht Fehler und man lernt sein ganzes Seglerleben dazu.

Was an Bord sein sollte

  • Taucherbrille
  • Pfannenwender
  • grosse Wasserpumpenzange
  • gängige Schraubenschlüssel
  • Stahl- und Gummihammer
  • Holzklotz zum schonenden Losklopfen angebackener Beschläge
  • Winschenfett/WD 40
  • Bootsmannsstuhl
  • Reserveimpeller, Keilriemen

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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