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Einwassern: Raus aus dem Winter – rein ins Vergnügen!

Autor: Michael Kunst
  

Langsam, laaaangsam aber sicher, naht die Saison. Luft und Wasser werden wärmer, der Himmel blauer, beim Blick übers Revier läuft es einem höchstens noch aus Vorfreude auf die kommenden Wochen und Monate «kalt und heiss» über den Rücken. Die Kumpel fummeln auch schon nervös an ihren Booten, die Schiffe der ganz Ungeduldigen liegen schon (oder noch immer?) im Wasser und die wenigen Streber haben sowieso schon alle notwendigen Arbeiten vor dem Saisonstart in den vergangenen Wochen erledigt.

Einwassern: Raus aus dem Winter – rein ins Vergnügen!
Ab ins Wasser © wikimedia/vetterprojektleitung

Sollten Sie zu den (gefühlt) 98,9 Prozent aller Boots- und Yachtbesitzer zählen, die notwendige Arbeiten am Boot grundsätzlich im letzten Moment erledigen, wird Ihnen die nachfolgende Checkliste eine kleine Hilfe sein, um zügig wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung frönen zu können.
Übrigens, die meisten Tipps gelten auch für Eigner, die ihre «Schätzchen» über Winter im Wasser gelassen haben (siehe auch unseren Artikel Winterlager: S'isch cool man)

Putzorgie – muss das sein?

Und ob! Denn all’ der Dreck, den sie nach der letzten Saison nicht vom Schiff gewischt haben, haftet jetzt immer noch auf demselben – verstärkt durch eine Schicht typischen Winterschmutzes. Sollten Sie zu den (gefühlt) 1,1 Prozent vernünftiger und voraus schauender Yachtbesitzer gehören, die ihr Boot beim Einwintern ordentlich gesäubert und anschliessend konserviert haben, dürfen sie die folgenden Zeilen getrost überspringen.

Ansonsten gilt:

  • Wasserpass mit speziellen Reinigern säubern
  • Rumpf reinigen, eventuelle Schadstellen bzw. Kratzer mit entsprechenden Materialien aus dem Fachhandel behandeln bzw. ausbessern
  • Politur (möglichst silikonfrei) auftragen
  • Abschliessende Hartwachs-Schicht zur Konservierung ist zu empfehlen
  • Grossreinemachen im Inneren des Schiffes

Foto

Unterwasseranstrich? Der hält noch!

Kann sein, kann aber auch nicht sein. Kontrollieren sie genau, ob sich in der letzten Saison Bewuchs festgesetzt hat, ob es schadhafte Stellen am Anstrich gibt oder Farbe abblätterte. Sollte dies auch nur ansatzweise der Fall sein, ist ein neuer Unterwasseranstrich zu empfehlen.

  • Erkundigen Sie sich bei einem lokalen Fachhändler, welcher Unterwasseranstrich der richtige für ihr Revier ist. Es gibt reichlich Unterschiede, die zu beachten sind!
  • Achten Sie unbedingt auf optimale Umweltverträglichkeit
  • Folgen Sie den Anleitungen zum Aufbringen des Unterwasseranstriches penibel
  • Boote, die häufig aus dem Wasser genommen werden (wie etwa Regattayachten) können auch mit Gels für Unterwasserschiff behandelt werden. Die verzögern den Bewuchs bis zu 3-4 Wochen und machen das Unterwasserschiff (meistens) richtig schnell

Antifouling notwendig? © antifoulingshop Antifouling notwendig? © antifoulingshop

Batterien? Hab’ ich doch im Herbst aufgeladen!

Selbst wenn – über den Winter hinweg haben sie schon wieder reichlich «Saft» verloren.

  • Batterien unbedingt vor dem ersten Motoreinsatz der Saison vollständig aufladen. Achtung: machen Sie das möglichst nicht erst zwei Stunden vor dem Krantermin!
  • Ladeverhalten beobachten. Ihre Batterie wäre nicht die erste, die über den Winter die Flügel hängen liesse
  • Muss destilliertes Wasser nachgefüllt werden?
  • Fett auf die Pole – reduziert das Oxydationsrisiko
  • Bordelektrik überprüfen: Funktion aller Schalter, etwaig Prüfung der Sicherungen
  • Wichtig: Auch wenn Sie sich zur Gattung «begnadeter Techniker» zählen – schon die kleinsten Probleme können eine Bordelektrik zusammenbrechen lassen. Deshalb holen Sie sich beim leisesten Zweifel professionelle Hilfe ins Boot. Sie glauben gar nicht, wie lange es dauern kann, bis der eine, ziemlich gut versteckte Fehler gefunden wurde
  • Testen Sie alle elektrischen Geräte auf Funktion
  • Und, ganz simpel: Strahlen ihre Taschenlampen noch hell genug? Oder müssten da neue Batterien…

Motorwartung? Wieso denn, der lief doch zuletzt noch prima!

Mag sein, aber wenn Sie wollen, dass der Motor auch in Zukunft weiterhin gut arbeitet, sind zum Saisonstart dringend Öl- und Filterwechsel zu empfehlen – falls nicht schon im Herbst geschehen. Ziehen Sie hierfür die Betriebs- und Wartungsanleitung des Motorenherstellers zu Rate. Keine zur Hand? Internet!

  • Gehen Sie für Öl- und Filterwechsel penibel nach Anweisungen der Hersteller vor
  • Arbeiten Sie mit einer Vakuum-, Elektro- oder Handpumpe
  • Lassen Sie den Motor vorher warm laufen. Achtung: nach Motorstart gegebenenfalls sofort check des Kühlwassersystems (spuckt die Überwasserpumpe Wasser aus?)
  • Sichern Sie den gesamten Bereich (etwa mit Lappen) so ab, dass nicht ein Tropfen Öl «daneben» geht und ins Erdreich oder ins Wasser gelangt
  • Nur die Ölqualität verwenden, die vom Hersteller angegeben wird
  • Nur bis zur oberen Messmarke befüllen. Zu viel Öl schadet dem Motor genauso wie zu wenig!
  • Propeller checken! Je nach Standort, können Beschädigungen auftreten – je nach Ausmass, kann ein beschädigter Propeller durch Unwucht das Getriebe ruinieren!
  • Sichtüberprüfung der Spritleitungen (Schlauch und Schellen)
  • Gegebenenfalls Kraftstofffilter auswechseln

Yanmar_2GM20/wikipedia © By PHGCOM Yanmar_2GM20/wikipedia © By PHGCOM

Um die Fender kümmern? Was soll das denn?

Nein, wer aus seinen Fendern im Herbst die Luft lässt und dieselbe zum Saisonbeginn wieder hinein pumpt, sollte nicht mit «kleinkariert» beschimpft werden.

  • Die Fender behalten so über längere Zeit ihre ursprüngliche Form und das Material bleibt weicher
  • Achtung beim Aufpumpen – zu «volle» Fender platzen durchaus schon mal unter Belastung
  • Mit speziellem Fender-Reiniger säubern
  • Macht ein Fender einen porösen oder zerknitterten Eindruck, sollten sie ihn lieber jetzt als später austauschen.

Fender – lieber sauber als versifft © oxly.de Fender – lieber sauber als versifft © oxly.de

Leinen-Check vor «Leinen los»

Vor allem auf Segelbooten- und -yachten sollten ALLE Leinen vor dem ersten Törn überprüft werden – bei Festmacherleinen gilt das selbstverständlich auch für die Motor-Fraktion.

  • Schoten und Leinen mit Süsswasser säubern
  • Sichtkontrolle aller Schoten und Fallen, Festmacherleinen und sonstigen laufenden Guts
  • Im Zweifelsfall auswechseln
  • Denken Sie immer daran: Es ist genau diese eine Schot, dieses eine Fall, das Ihnen einen ganzen Törn vermasseln oder einen Regattasieg kosten kann. Von schweren Unfällen (etwa gebrochenes Fall bei Reparatur im Mast) ganz zu schweigen…

Tauwerk vor dem ersten Törn überprüfen © miku Tauwerk vor dem ersten Törn überprüfen © miku

Trailer-Kontrolle? Ich will Boot- und nicht Autofahren!

Zugegeben, das gilt nur, wenn Sie Ihr Schiff nicht auf dem Hafengelände auf einem Lagerbock stehen haben. Wer jedoch sein Schiffchen zum Auswintern an den oder die See fahren will, sollte dies unbedingt mit einem verkehrstüchtigen Trailer machen.

  • Lichtleiste überprüfen und etwaig defekte Birnen austauschen
  • Funktionieren die Trailerbremsen einwandfrei?
  • Sind Zugseil und Winde in korrektem Zustand? Ein Windenseil ist schnell ausgewechselt – ein Totalschaden auf der Sliprampe ist deutlich aufwändiger!
  • Reifendruck? Radmuttern angezogen? Kugelkopf eingefettet?

Winterpersenning überprüfen? Auch das noch!

Liest sich etwas pedantisch, zählt aber dennoch zur guten «Seemannschaft» – auch am Binnensee.

  • Die Winterpersenning gut reinigen und gegebenenfalls von Fachleuten imprägnieren lassen (etwa alle zwei Jahre)
  • Scheuerstellen nähen oder kleben
  • Persenning gut austrocknen lassen um Schimmel- oder Stockflecken zu vermeiden

Persenningreinigung © sailotec Persenningreinigung © sailotec

Ist das jetzt alles?

Mitnichten, es fehlt noch der vermeintliche «Kleinkram», der bei Nichtbeachtung kleine und grosse Katastrophen nach sich ziehen kann. Also auch hier konsequent und diszipliniert vorgehen:

  • Opferanode überprüfen und falls nötig auswechseln
  • Badeplattform oder -leiter noch fest und einsatzbereit?
  • check Rettungsinsel (Ablaufdatum)
  • Feuerlöscher?
  • Funktioniert die Bilge-Pumpe? (manuell und elektrisch?)
  • Gassystem in der Kombüse überprüfen. Schläuche? Schellen?
  • Frischwassersystem kontrollieren. Seltsame Gerüche? Wasser nimmt Farbe an? Mit empfohlenen Reinigungsmitteln säubern
  • Navigationsgeräte überprüfen und erneut mit der Software «vertraut» machen
  • Positionslampen einschalten
  • Landanschluss in Ordnung?
  • Funkgerät funktioniert ?(Empfang und Sendung?)
  • PLB oder Epirb testen (nach Herstellerangaben)
  • Erste-Hilfe-Kasten auffüllen oder gleich einen neuen kaufen
  • Notsignale auf Ablaufdatum überprüfen

Und dann noch der Papierkram…

Eigentumsnachweis, Zulassungen, Versicherungen, Betriebsanleitungen…die wichtigen Telefonnummern, Funkkanäle etc. für den Notfall.

Handbreit Wasser unterm Kiel wünschen wir…und unterm Propeller auch!

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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