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Flaggenbräuche

Bedeutung und Handhabung der verschiedenen Flaggen an Bord

Flaggenbräuche
Unterschiedliche Handhabung der Flaggengrösse und Neigung des Flaggenstocks © EB Swedesail

So vielfältig wie die Bootswelt, so phantasievoll ist auch die Handhabung der Flaggen. Dieser Artikel bietet anhand einfacher Regeln Orientierung. Einblick in verschiedene Bräuche, auch den, die Flaggen abends wegzunehmen. Wissenswertes zum Internationalen Flaggenalphabet und Signalflaggen bei Regatten.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 20.07.2026

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie gross die Nationale und Gastlandflagge sein sollten
  • was es mit der Zipfel-Wasser-Regel auf sich hat
  • wo und wann die Nationale und Gastlandflagge gesetzt werden
  • Neigung und Montage des Flaggenstocks
  • Europaflagge
  • Bussgeld und Strafe gemäss deutschem „Flaggenrechtsgesetz“
  • wann die Nationale gesetzt wird und wann gerade nicht
  • spezieller Kodex zu den Nationalen anderer Länder
  • die doppelte Bedeutung des Internationalen Flaggenalphabets
  • wohin mit dem Clubwimpel und weiteren Flaggen?
  • was blaue, weisse, gelbe und rote Flaggen an Backbord bedeuten
  • welche davon Sie brauchen und welche nicht

Es gibt wenige und unterschiedliche Hinweise zur Frage, wie gross die Nationale sein sollte. Wann und wo wird sie gesetzt? Und wann auf keinen Fall? Auch der Zweck und die Handhabung der übrigen Flaggen ist unklar. Sie können das in der „Seemannschaft“, dem beinahe seit Kaisers Zeiten erscheinenden Standardwerk der Segler nachschlagen. Auch in Joachim Schults vergriffenem „Seglerlexikon“ und in Hans Donats „Bordbuch“ gibt es Hinweise. Hier ist alles kurz und bündig zusammengefasst.

Manchmal ist die blaue Europaflagge anstelle der Nationalen zu sehen. Mal baumelt sie steuerbord, in der Mitte oder backbord am Heck. Sie wird in allen denkbaren Grössen gesetzt, vom oben gezeigten Topflappenformat bis zum Bettlaken. Sie hängt am Heckkorb, weht an Flaggenstöcken aller Art, am Achterstag, am Achterliek des Grosssegels oder im Top des Besanmastes. Ähnlich phantasievoll ist die Handhabung der Gastlandflagge oder des Clubwimpels.

1. Flaggengrösse

Früher sollte die Nationale so gross sein, dass gemäss der Zipfel- Wasser-Regel sie am Flaggenstock hängend bei einem still liegenden Boot soeben das Wasser berührt. Das passt zur klassischen Yacht mit niedrigem Freibord und deutlich geneigtem Flaggenstock. Bei modernen Booten mit hohem Freibord ergäbe das eine riesige Flagge.

Anscheinend hängt die Flaggengrösse mit dem Alter der Bootseigner zusammen. Ältere und konservative Skipper neigen zu übergrossen Flaggen. Jüngere, sportliche Segler und alle, die mit alten Bräuchen wenig am Hut haben, führen kleine Flaggen. Skandinavier, Engländer, Niederländer und besonders Amerikaner, die ein anderes Verhältnis zu ihrem Land haben als Deutsche, zeigen riesengrosse Flaggen am Heck.

Länge der Nationalen = 1/12 der Bootslänge in m

Wie seit einer Weile in deutschen Häfen zu beobachten, werden die Flaggen hierzulande immer grösser. Folgende Regel orientiert: Die Nationale soll ein Zwölftel der Bootslänge in Metern lang sein. Bei einem 9 m langen Boot ist die Nationale demnach 75 cm lang, bei einem 12 m Boot 1 m, beim 15 m Boot 1,25 m. Auch das Verhältnis von Länge zu Breite ist geregelt, es liegt bei 5:3. Mit diesen Proportionen sind Flaggen beim Bootsausrüster zu kaufen.

Ist die Nationale tagsüber beim Segeln nicht gesetzt, bedeutet das, dass man gerade eine Regatta segelt. Sie empfiehlt anderen Wassersportlern, nicht auf ihrem Wegerecht zu bestehen und entsprechend auszuweichen. Es gibt viele, die das nicht wissen oder vielleicht vergessen haben.

Regattasegeln ohne Nationale, mit Zahlenwimpel am Achterstag
Regattasegeln ohne Nationale, mit Zahlenwimpel am Achterstag © WH Swedesail

2. Das Internationale Flaggenalphabet (auch bei Regatten)

Die Signalflaggen des Internationalen Flaggenalphabets haben zwei Bedeutungen. Das folgende Foto zeigt rot markiert die Signale beim Regattasegeln, wie beispielsweise die Protestflagge (Bravo), die Einminutenregel beim Start (India), den Wettfahrtabbruch (November), das Vorbereitungssignal (Papa), die Bahnabkürzung (Sierra). Wichtig ist auch die äusserst unbeliebte Flagge für den Einzelrückruf (X-Ray) und den Schwimmwestenzwang (Yankee). Da sich diese Nomenklatur niemand merken kann, sollte sie an Bord sein. Als Aufkleber in der Plicht angebracht, weiss jeder an Bord, was gerade angesagt ist.

Die rote Beschriftung des internationalen Flaggenalphabets zeigt die Bedeutung beim Regattasegeln. Darunter die Zahlenwimpel
Die rote Beschriftung des internationalen Flaggenalphabets zeigt die Bedeutung beim Regattasegeln. Darunter die Zahlenwimpel

3. Zahlenwimpel des Internationalen Flaggenalphabets

Bei Regatten werden manchmal spezielle Zahlenwimpel des Flaggenalphabets an Achterstag gesetzt. Bei vielen Teilnehmern, wo verschiedene Klassen separat starten, bietet er der Regattaleitung auf dem Startschiff und anderen Teilnehmern Orientierung. Die Klasseneinteilung und welche Flagge zu setzen ist, steht in den Wettfahrtunterlagen, die bei der Steuermannsbesprechung verteilt werden.

Ansonsten wird die Nationale gemäss Flaggenrechtsgesetz auf „Seeschifffahrtsstrassen, in Küstengewässern, auf See und im Ausland von allen zur Seefahrt bestimmten Schiffen geführt, deren Eigentümer Deutsche sind und die ihren Wohnsitz im Geltungsbereich des Grundgesetzes haben. Darunter fallen auch nicht registrierungspflichtige Sportboote. Bei Verstössen droht ein Bussgeld.“

Spezielle Nomenklatur bei der Nationalen in anderen Ländern

In anderen Ländern wird die Clubmitgliedschaft bereits in der Nationalen mitgeteilt. Dänische Eigner setzen die Nationale mit den Initialen Y.F. an der Oberkante. Y.F. mit drei Sternen ist schon mehr, informiert über die Zugehörigkeit zum noblen Kongelig Dansk Yachtklub. Ein Stern unter dem Y.F. steht wiederum für den Randers Yachtclub. Ähnlich halten es die Finnen, wo ein Vereinsemblem in der Nationalen enthalten sein kann. Mitglieder des angesehenen Yacht Club de France führen zwei Sterne in der Trikolore. Mitglieder des Yacht Club Italiano führen die gleiche Flagge wie die italienische Marine samt Wappen auf weissem Hintergrund. Auch die Niederländer lassen sich diesbezüglich mit zahlreichen Varianten und Wappen nicht lumpen. Es ergibt sich aus der Seefahrtstradition der einstigen Kolonialmacht.

Ähnlich halten es die Norweger als Mitglieder des KNS, der Kongelig Norsk Seilforening oder der Cruising Club der Schweiz, mit CCS-Initialen samt gelbem Anker. Spanische Yachten setzen die Nationale mit blauer Krone. Umfangreich ist der Flaggenkatalog im Vereinten Königreich mit annähernd sechzig verschiedenen Nationalen, mit weissem, hellblauem, dunkelblauem oder rotem Hintergrund. Angesichts der britischen Schifffahrtstradition überrascht die Nomenklatur nicht.

Die Zipfel-Wasser-Regel

4. Der Flaggenstock

Der Flaggenstock ist idealerweise mittschiffs auf dem Heck angebracht. Blockiert er den Weg zur Badeplattform, zur Badeleiter oder Gangway, wird die Nationale Steuerbord, im Notfall Backbord am Heck geführt. Denn die Steuerbordseite gilt seit jeher als die bessere Seite an Bord. Warum das so ist, schildert dieser Beitrag.

Beispiel der Zipfel-Wasser-Regel bei der dänischen Staatsyacht «Dannebrog»
Beispiel der Zipfel-Wasser-Regel bei der dänischen Staatsyacht «Dannebrog» © Hein.Mück CC BY-SA 4.0

Bei Gaffel getakelten Yachten, wo der Baum über das Heck ragt, würde der Flaggenstock bald abbrechen. So wird der Flaggenstock mit der Nationalen nur vor Anker oder im Hafen am Heck gesetzt, soweit die Gangway nicht stört. Beim Segeln weht sie am Achterliek des Grosstuchs.

Ist der Flaggenstock an Deck statt am Heckkorb montiert, ragt er nicht so hoch über das Heck hinaus. Der Flaggenstock sollte in der Halterung gesichert sein und sich beim Manövrieren in engen Hafenbecken, wo er beim Berühren von Pfählen oder anderen Boote abbrechen könnte, schnell abnehmen lassen. Ideal ist eine Rändelschraube oder ein Knauf zum Lösen des Flaggenstocks.

Hier ist die Nationale irgendwie am Heckkorb befestigt
Hier ist die Nationale irgendwie am Heckkorb befestigt © EB Swedesail

Auch zur Neigung des Flaggenstocks kennt die herkömmliche Yachtetikette Einzelheiten: Er soll so am Boot angebracht sein, dass die Nationale im hängenden Zustand bei Flaute sichtbar ist, nämlich 40 Grad von der Senkrechten. Bei klassischen Yachten sieht man deutlich schrägere Flaggenstöcke. Das passt zu diesem Bootstyp und zur erwähnten Zipfel-Wasser-Regel. Ein Segelfreund hat mir mal eine zum Boot passende Halterung geschweisst. Die Neigung wurde an die des Spiegels (30° von der Senkrechten) angepasst.

Ein Flaggenstock in der passenden Neigung ziert das Boot
Ein Flaggenstock in der passenden Neigung ziert das Boot © EB Swedesail

5. Europaflagge, ja oder nein?

Die oft gesetzte Europaflagge ist gemäss dem deutschen Flaggenrechtsgesetz (das gibt es tatsächlich) bei seegehenden Schiffen nicht zulässig. Auch die Europaflagge mit einer kleinen Nationalen oben in der Ecke ist nicht erlaubt. Gegebenenfalls zahlen Sie für diese Ordnungswidrigkeit in deutschen Gewässern ein Bussgeld von etwa 55 €. Der Gedanke ist, dass es der Zweck der Nationalen ist, dass sie eindeutig über die Herkunft Auskunft gibt. Das klappt bei Europaflaggen mit kleiner Darstellung der Landesfarben aus grösserer Entfernung nicht. Übrigens muss die Nationale nur setzen, wer auf Seeschifffahrtsstrassen unterwegs ist. Auf Binnengewässern können Sie es lassen.

Gastlandsflagge = halbe Länge der Nationalen

6. Gastlandsflagge

Ähnlich wie das Format der Nationalen ergibt sich die Grösse der Gastlandflagge aus der Bootsgrösse. Sie soll halb so lang sein wie die Nationale. Zu kleine Gastlandflaggen gelten als respektlos, ebenso wie ausgewehte, zerfranste oder verblasste Flaggen. Es gibt Hafenmeister in südlichen Ländern oder exotischen Revieren, die das monieren. In unseren Gewässern sind es meist ältere Skipper und Schiffermützenträger, die sich daran stören und es entsprechend kommentieren.

Kehrt man von einer langen Reise mit mehreren besuchten Ländern zurück, lässt sich das bei der Rückkehr mit zahlreichen übereinandergesetzten Gastlandflaggen für eine Weile zeigen. Blauwassersegler und alle, die auf ihre lange Reise stolz sind, halten das so.

7. Thema Flagge setzen und wegnehmen

Nach althergebrachtem Brauch wird die Nationalflagge morgens gesetzt und abends bei Sonnenuntergang weggenommen. Der Brauch stammt aus dem Vereinigten Königreich. Da Flaggen teuer waren, wurden sie nachts, wo sie nicht zu sehen sind, geschont. Ebenso wie die Gastlandflagge morgens gesetzt und abends weggenommen wird. Sogar die Zeiten, wann das zu geschehen hat, sind geregelt. Vom 1. Mai bis 3. September werden die National- und Gastlandflagge um 8 Uhr morgens gesetzt, in den übrigen Monaten um 9 Uhr. Eingeholt wird sie abends bei Sonnenuntergang, spätestens 21 Uhr. Es gibt Leute, die grossen Wert darauf legen und sogar beim Essen und abendlichen Zusammensitzen aufspringen, um die Flagge pünktlich zu bergen.

Auch die Reihenfolge ist geregelt. Aus Respekt für das besuchte Land wird zuerst die Gastlandflagge gesetzt und dann die Nationale. Abends wird zunächst die Nationale geborgen und danach erst die Gastlandflagge. Traditionsbewusste Skipper halten das nach wie vor so.

30° geneigter Flaggenstock mit einer kleinen Nationalen
30° geneigter Flaggenstock mit einer kleinen Nationalen © EB Swedesail

8. Vereinswimpel

Diese Fahne wird am Masttop oder an der Backbord Saling gesetzt. Motorboote setzen den Vereinswimpel am Bug als sogenannte Gösch.

9. Die Gösch

Bei Marineschiffen, der Handelsschifffahrt und auch bei Motorbooten mit traditioneller Note ist die sogenannte Gösch üblich. Sie wird an einem kleinen senkrechten Flaggenstock am Bug gesetzt. Motoryachten setzen dort den erwähnten Vereinswimpel oder die Fahne des Bundeslandes, wo das Boot beheimatet ist.

10. Flaggen bei Gästen an Bord

Backbord wehende Nationalflaggen informieren über Besucher anderer Länder an Bord. So zeigt die schweizerische oder italienische Flagge beispielsweise Gäste aus der Schweiz oder Italien an.

Vor Jahren segelte ich mal einen italienischen Segelfreund und seine Frau durch Dänemark spazieren. Abgesehen davon, dass die beiden gebibbert haben und endlos über die dänische Gastronomie und Essgewohnheiten erschüttert waren, war es eine amüsante Reise. Ich hatte den Freunden zuliebe und als Spass die italienische Gastlandflagge gesetzt. So wurden wir in fast jedem Hafen von Einheimischen amüsiert gefragt, warum ausgerechnet Italiener in Dänemark Urlaub machen, wo doch jeder Däne und Deutsche am liebsten nach Italien fährt. Oft gingen die Gespräche schon beim Anlegen los.

Liegt das Boot unbewohnt im Hafen, führt es ausser dem Clubwimpel keine Flaggen, weder nationale noch Gastlandflagge.

11. Die gelbe Quarantäneflagge

Steuert das Boot einen ausländischen Hafen an, führt es bis zum einklarieren die gelbe, die sogenannte Quarantäneflagge – auch Zollstander genannt – an Steuerbord.

Sind die Papiere ausgestellt und die Crew darf an Land, wird die Q-Flagge weggenommen. Segler, die in fremden Gewässern ohne Q-Flagge und ohne einklariert zu haben, unterwegs sind, können sich eine Menge Ärger einhandeln. Deshalb gehört die Q-Flagge bei Reisen zu fernen, nicht alltäglichen Zielen und wo das Einklarieren ernst genommen wird, unbedingt an Bord. In Revieren, wo Länderwechsel alltäglich sind, kann man es lassen. Auch wenn man es in der Segelschule mal so gelernt hat, erscheint die Q-Flagge in Dänemark oder Schweden seltsam.

Abschliessend noch ein Hinweis auf drei längst vergessene Flaggenbräuche. Sie hatte in Zeiten, als das Bordleben noch arg ritualisiert war und es weder Sprechfunk noch Handys oder überall WLAN gab, ihren Sinn.

12. Die blaue Flagge

Die kennt an Land jeder als Hinweis auf saubere Strände und stetes Bemühen um Umweltstandards. An Bord hatte sie früher eine andere Bedeutung. Eine blaue Flagge mit weissem Streifen kündete von der Anwesenheit eines Eignervertreters an Bord.

13. Die weisse und rote Flagge

Auch diese Flaggen hatte an Backbordseite eine spezielle Bedeutung. Die weisse Flagge informierte darüber, dass der Eigner gerade isst und nicht gestört werden möchte. Bei der roten Flagge ass gerade die Crew. In beiden Fällen war vom Besuch der Yacht oder Manövern anderer Schiffe, die Eigner oder Mannschaft in Anspruch nehmen, abzusehen. Man klingelt ja auch nicht zur Mittagszeit beim Nachbarn.

Weiterführende Links

VG