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Schwimmende Skulpturen

Autor: Erdmann Braschos

Haben die was geraucht? Was haben die geraucht? Neuerdings bereichern spektakuläre Entwürfe die Yachtszene. Sie sind auf- und abgeräumt, entwaffnend schlicht oder ornamental verspielt – und ziemlich anders. Manchmal bleibt unklar, ob es sich um ein Rendering handelt, eine Fata Morgana oder ein Boot.

Schwimmende Skulpturen
Sailing Yacht A © Nobiskrug

In den Neunzigern machte der Italiener Luca Bassani (siehe: Luca Bassani: Stilsicher in die Zukunft) mit dem schlichten Design seiner Wallys von sich reden. Er fing vergleichsweise harmlos mit aufgeräumten Segelyachten an, die den Ballast der Tradition nonchalant hinter sich liessen. Angesichts des 60 Knoten Treibsatz Wallypower war sich die Branche dann aber sicher, Luca Bassani hätte was geraucht. Mit ihrem martialischen Stealth-Look sah das Objekt aus wie ein Landungsboot für Ausserirdische.

Dabei wollte Bassani bloss eine Yacht, die ihn schnell von Monaco nach Portofino oder Porto Cervo bringt. Und er hatte seinen damals siebenjährigen Sohn gefragt, wie eine coole Motoryacht aussehen müsse. Die Skizze wurde stilbildend für die Wallypower 118 und die folgende Range weiterer Wally Motorboote.

Wallypower 118 © Wally Yachts Wallypower 118 © Wally Yachts

Es hat an der Côte und Riveria keinen Zweck mit einem Boot aufzukeuzen, wie es der Nachbar im Prinzip schon hat. Mit dem nächstgrösseren Pott, dessen Decks in Schichtkuchenmanier gestapelt und vorn flach, hinten etwas steiler abgeschrägt sind, wird man in diesem Revier eher über- als gesehen.

Feadship © Venus Feadship © Venus

Wer den Mut zur Kreation eines neuen Look nicht hat und auch keinen Sohn, der ihm das mal kurz zu Papier bringt, beschäftigt einen Designer wie Philippe Starck. Der raucht auch starkes Zeug, wie am 24m Maxi Virtuelle mit Whirlpoolartigem Mittelcockpit klar wird. Viele Segler akzeptieren die muschelförmige Designerplicht nicht, weil sie im Seegang keinen Halt bietet. Gelohnt hat sich das Design für Starck dennoch. Steve Jobs wurde durch Virtuelle auf Starck aufmerksam und lud ihn ein, sich seine 79m Motoryacht Venus auszudenken. Die Panoramaverglasung des Vorschiffs und die Glaspagode an Deck ist für Schiffbauer ein Alptraum.

Virtuelle © Starck Network Virtuelle © Starck Network

Wenn es sein muss, entwirft Starck auch mal ein vergleichsweise zurückgenommenes Exterieur für Wedge Too mit umlaufender Holzvertäfelung der Decks. Natürlich kontrastiert ein exzentrisches Interieur mit Kronleuchter hinter dem Steuerstand das konventionelle Äussere.

Wedge Too Skizze © Starck Network Wedge Too Skizze © Starck Network

Ein verblüffendes Motorboot dachte sich Starck dann mit A für den Russen Andrei Igorewitsch Melnitschenko aus. Mit dem gestreckten Vorschiff und achtern angeordneten Aufbau erscheint der 119m Schlitten wie ein gerade aufgetauchtes U-Boot. Ähnlich wie die vielbachtete Wallypower, die sogar im Film «The Island» eine Rolle spielt wird die unverwechselbare A wohl eine Weile einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Neulich liess Melnitschenko von Starck seinen 143m Motorsegler gestalten. Er geriet natürlich anders als jede grosse Segelyacht (siehe: Segelyacht A - Die moderne Galeone).

Motoryacht A © Matthias Kabel Motoryacht A © Matthias Kabel

Vor einer Weile schlugen die Architektin Zaha Hadid und die Hamburger Werft Blohm & Voss mit Unique Circle Yachts eine Motoryachtrange um die 100m vor, deren Aufbau von einer spannungsreich über den gesamten Bootskörper rankenden Girlande umflochten ist. Die organische Struktur war ein Thema Hadids und schien ihr für eine schwimmende Skulptur passend. Es blieb bislang beim Rendering.

Zaha Hadid Projekt © Zaha Hadid Zaha Hadid Projekt © Zaha Hadid

Natürlich ist der Input Branchenfremder eine Herausforderung für Bootsbauer, die spezielle Ideen eines Tages in eine funktionierende Yacht verwandeln müssen. Als Werftchef Steve White von der amerikanischen Brooklin Boat Yard vor einigen Jahren vom namhaften Architekten Frank Gehry eine Zeichnung erhielt, die zahlreiche beliebig geformte Glasscherben im Rumpf und welligen Deck erhielt, rang er um Fassung und erkundigte sich dann, ob das wirklich so gebaut werden müsse. Es musste. Auch Konstrukteur German Frers holte tief Luft. Aber Frers verfügt über ausserordentliches diplomatisches Geschick.

Foggy © Brooklin Boatyard Foggy © Brooklin Boatyard

So entstand der 74 Fuss Daysailer Foggy mit einem psychedelischen Mosaik. Und weil für Gehry ein Boot «eine romantische Begegnung» ist, wurden Rumpf und Deck des Kompositbootes aussen und innen holzvertäfelt. Letztlich bekamen alle Beteiligten ihre Willen. Der Eigner einen unverwechselbar mosaikverglasten 23m Daysailer, der Konstrukteur ein schnelles Boot und die Werft eines das hält. Weisse, bewährte und normale Boote gibt’s in der kalifornischen Marina del Rey wie Sand am Meer.

Foggy © Brooklin Boatyard Foggy © Brooklin Boatyard

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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