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Luca Bassani: Stilsicher in die Zukunft

Autor: Michael Kunst
  

Wie der geniale Geschäftsmann und enthusiastische Segler Luca Bassani Antivari mit seinen Wallys die Welt der Megayachten inspirierte und veränderte. Ein Einblick in andere Sphären.

Luca Bassani: Stilsicher in die Zukunft
Luca Bassani Antivari – Geschäftsmann und Ehrenmodel für seine Wally Yachten

Bei diesem Mann sind sie sich alle einig, die ihn erleben durften: Luca Bassani Antivari ist durch und durch Stilist. Vom sprichwörtlichen Scheitel bis zur Sohle immer im lässig-eleganten Outfit gekleidet, eloquent gereift, mit gepflegtem, weissem Bart, das lässige Grinsen der Sorglosen auf den Lippen. Man findet ihn im Mittelpunkt aufwändig produzierter Fotostrecken in den Hochglanzmagazinen der Reichen und Schönen - nicht häufig, sondern wertsteigernd auffällig selten - in stilsicher eingerichteten Wohnungen, vor luxuriösen Autos und immer wieder auf Yachten, Yachten und nochmals Yachten.

Tausendsassa Luca Bassani Antivari Tausendsassa Luca Bassani Antivari

Diese wiederum bestechen durch faszinierend andere, weil klare Formen in beeindruckenden Grössen, gepaart mit schierer Kraft, bestechender Eleganz und «besenreinen» Flush-Decks. Wichtiges Detail am Rande: Signore Bassani tritt auf Yachten immer barfuss auf.

Nun könnte man meinen, es handle sich bei Bassani um eine weitere dieser superreichen «coolen Socken», wie sie gerade in Italien häufig am und auf dem Wasser zu finden sind. Doch im Falle dieses Exemplars sollte auf einen gewissen, alles entscheidenden Unterschied hingewiesen werden: Bassani posiert nicht auf Schiffen, die er sich kraft seiner gut gefüllten Portokasse mal eben so gegönnt hat. Sondern auf Segel- und Motoryachten, die ausnahmslos in der von ihm höchstselbst gegründeten und weltweit erfolgreichen Edelwerft entworfen, konzipiert und gebaut werden.

Luca Bassani wie ihn Helmut Newton in jungen und knackigen Jahren auf der Wallygator sah Luca Bassani wie ihn Helmut Newton in jungen und knackigen Jahren auf der Wallygator sah

Wer nun glaubt, es folge eine Geschichte im Stile «vom Tellerwäscher zum Millionär», muss enttäuscht werden. Denn als der gerade mal 34-jährige Bassani 1994 die «Wally»-Werft gründete, hatte er schon zehn erfolgreiche Jahre als Geschäftsführer und Erbe im familiären, internationalen Industrieunternehmen für Elektrik- und Elektronik BTicino hinter sich. Das war kurz zuvor lukrativ in die französische Legrand-Firmengruppe veräussert worden.

Bloss kein Expeditionsschiff

Gelder waren also vorhanden, als der gewiefte Regattasegler, Businessman und Familienvater sich ein Boot leisten wollte, das möglichst schneller als andere, aber bitteschön nicht ganz so vollgeladen wirken sollte wie viele Superyachten der damaligen Zeit. Er wolle durchaus mal für ein paar Tage raus aufs Meer, soll Bassani gesagt haben. «Aber doch nicht gleich eine Arktis-Expedition im Treibeis unternehmen.»

So zeichnete Bassani mit ein paar talentierten Strichen ein Schiff, das von aussen einem überdimensionierten Daysailer glich, von innen jedoch die Anmutung einer zwar luxuriösen, aber dezent gehaltenen, jedoch teuren Zen-Klause aufwies. Auch in Bezug auf die Ausstattung blieb er seinem Grundsatz «weniger ist mehr» treu: Statt chaotischer, von Schoten, Tauen und Fallen überladenen Decks verlegte er möglichst alles, was man zum Segelsetzen, -trimmen und -manövrieren brauchte, unter Deck. So blieb dasselbe tatsächlich besenrein übersichtlich und Bassani konnte seinem Spleen vom Barfusssegeln frönen.

Es kam, wie es bei Erfolgsmenschen à la Bassani kommen musste: Seine erste Yacht «Wallygator», nach besagter Skizze von Star Designer Lucca Brenta in Szene gesetzt, war bald bekannt wie ein bunter Hund. Nicht zuletzt, weil so ziemlich alles an dem 25-Meter-Segler anders war, als an herkömmlichen Superyachten. Entsprechend viele Menschen mit dem nötigen Kleingeld erkundigten sich nach der Yacht, wollten ein ähnliches Spielzeug und ermunterten indirekt Bassani zu weiteren Einzelbauten dieser Art.

Also gab sich der in den folgenden Jahren mehr und mehr seiner alten und jetzt auch neuen Leidenschaft hin: Der maximal coolen Fortbewegung auf dem Wasser. Er gründete die Werft «Wally» (was ungefähr so viel wie «gaga» bedeutet) und verlegte den Firmensitz von Lugano nach Monte Carlo. Die nächsten Wallys liess er sich noch (angeblich) zum «persönlichen Gebrauch» zeichnen und konstruieren und deren baldiger Weiterverkauf war dann nur noch formal der Anfang vom Ende einer rein privaten Spielerei. Und «Liebe fürs Segeln» hin oder her – es versteht sich von selbst, dass in der Welt der Superreichen schon bald nach den ersten Wallys unter Segeln auch Motor – pardon: Powersuperyachten in faszinierenden Designs mit dem adäquaten «Wumms» im Motorraum angeboten wurden.

Die Galateia, eine der schönsten Wallys überhaupt. Eleganter Kontrast zwischen aufgeräumtem Flushdeck, schwarzen Segeln und hell lackiertem Karbonrumpf Die Galateia, eine der schönsten Wallys überhaupt. Eleganter Kontrast zwischen aufgeräumtem Flushdeck, schwarzen Segeln und hell lackiertem Karbonrumpf

Design, das verändert

Es wäre müssig und würde den Rahmen eines solchen Artikel sprengen, würden wir uns die Wallys der letzten zwei Jahrzehnte eine nach der anderen anschauen. Obwohl es jede einzelne dieser Customyachten aus der «edelsten Designwerft der Welt» (Magazin «Superyachts») sicherlich wert wäre. Bei einem Einstiegspreis von ca. drei Millionen Euro für die allerkleinsten Modelle der Traumyachten, ist die bisherige Produktionsrate jedenfalls erstaunlich hoch: Mehr als 45 Segelyachten und 120 Powerboats wurden bisher von den Designern Luca Brenta, Bruce Farr, German Frers und Phillippe Starck entworfen bzw. ausgestattet, von Luca Bassani Antivari «gutgeheissen» und später vermarktet, in unterschiedlichen Vertragswerften (meistens) in Nordafrika auf Kiel gelegt und schliesslich an die Superreichen und Prominenten wie Giovanni Agnelli, Juan Carlos I, Marco Tronchetti Provera und Lindsay Owen-Jones übergeben.

Doch nehmen wir ein wenig Abstand vom schnöden Mammon und zählen «nur» auf, welche Innovationen Luca Bassani Antivari und seine legendären Designer mit Wally-Yachten auf den Markt gebracht haben. Auch wenn es sich dabei nicht gerade um Designs und Studien handelt, die direkt von Massenproduktionswerften übernommen werden, so haben sie doch zum Teil nachhaltigen Einfluss auf die gesamte Szene genommen. Und einige von Wally mit «new innovations» genannte Merkmale sind sicherlich keine echten Wally-Erfindungen, wurden aber im modernen Yachtdesign nachhaltig von Wally wiederbelebt und/oder buchstäblich «gesellschaftsfähig» gemacht.

Angels Share Superyacht Designboom Angels Share Superyacht Designboom

Segeln

  • Auf der Wally One (1991) wurde die sogenannte «Social Area», dort wo während des Törns die Herr- und Frauschaften an Deck verweilen, die weniger mit möglicherweise anstrengenden Tätigkeiten zu tun haben wollen, komplett vom Manöver- und Crew-Arbeitsbereich getrennt.
  • Ebenfalls auf der Wally One wurden 1991 Systeme zum Einsatz gebracht, die selbst Superyachten von über 20 Metern Länge und deutlicher Übertakelung mit kleinster Familiencrew beherrschbar machten: z.B. Selbstwendefock, Verzicht auf Fliegende Backstagen etc.
  • Carbon-Technologie für «Cruising Yachten». Tatsächlich war Wally 1994 mit (Wallygator/heute: Naridia) eine der ersten Werften der Welt, die Karbontechnologie im Rumpf grosser bis grösster Megayachten einsetzten. Ein Karbonmast – bis dato auf Schiffen dieser Grössenklasse selten aufgepflanzt – kam bereits auf Wally One zum Einsatz. Und sogar die Gross- und Vorsegel waren und sind aus Karbonfasermaterialien geschnitten.
  • Trimmen auf Knopfdruck. Ebenfalls auf der Wallygator (1994) konnte die Crew relativ bequem von einer Konsole aus per Knopfdruck die Segelstellung ändern, Segelfläche verringern oder vergrössern etc.
  • Das «Submarine-Anchor-System» war eine echte Revolution: Um den schweren Anker und seine entsprechend lange Kette aus dem Vorschiff zu holen, wo solche Gewichte nach dem Verständnis der Wally-Designer nichts zu suchen hatten, installierten sie mittschiffs ein System, mit dem man den Anker genau dort über ein Fallrohr fallen lässt.
  • Heutzutage Standard bei den meisten Megayachten – 1998 aber noch rar: Terrassenbereiche in der Heckpartie, die auf nahezu einer Höhe mit der Wasseroberfläche sind (Ticketitan)
  • Lang gezogene Skylight-Plexiglas-Fronten, die über das Deck laufen und im Inneren der Megayacht für wärmere Lichtverhältnisse sorgen. (bei Wally erstmals 2004 bei «Tilakkhana»)
  • Hochgezogenes Schanzkleid (Esense, 2006).

Die Esense, geniales Schiff mit hohem Schanzkleid Die Esense, geniales Schiff mit hohem Schanzkleid

Motor

  • Ein Inside-Outside-Salon, von dem aus man bequem aufs Aussendeck gelangt, das wiederum fast auf Höhe der Wasseroberfläche endet (118 Wallypower/2003)
  • Seitlich öffnendes Schanzkleid.
  • Durchgehende Glasstruktur des Deckshauses.

Die Wallypower 118 – 1 Liter Sprit in der Sekunde, das Kraftpaket schlechthin Die Wallypower 118 – 1 Liter Sprit in der Sekunde, das Kraftpaket schlechthin
Wallypower Wallypower

Doch vielleicht werden unsere Enkelkinder in Zukunft einmal sagen, dass Wallys grösster Einfluss auf die Welt der Megayachten darin bestand, aus Schiffen… Inseln zu machen! In einem Joint Venture mit «Hermes» stellte Wally 2009 ein zukunftsträchtiges Design-Projekt vor, das es in sich hatte: 58 Meter lang und 38 Meter breit, gleicht das Schiff eher einem Eiland. Als das es übrigens auch gedacht war: «Der Traum von der eigenen Insel – so kann er wahr werden. Wohin sie auch gelangen, haben Wally-Eigner ihr eigenes Königreich dabei!» sagte Luca Bassani Antivari dazu.
Doch ganz egal welche Wally… jede einzelne ist sowieso ein Traum!

WHY-Yacht – und wenn wir in Zukunft unsere Insel gleich mitnehmen? WHY-Yacht – und wenn wir in Zukunft unsere Insel gleich mitnehmen?

Das aktuelle Wally Programm:

  • Segel-Yachten custom-build von 24 Meter aufwärts
  • Drei Wally-Tender-Modelle
  • Die Powerboot-Linie wird als Produktionslinie von 52 bis 80 Fuss Länge angeboten
  • Die «Displacement Line Wallyace» sind Semi-Custom-Yachten von 27 bis 45 Meter Länge
  • Custom Design bei Yachten über 45 Meter Länge

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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