Bootsarten16 min Lesezeit
Die Jollen – pures Segeln!
Näher am Wasser wäre schwimmen – Jollen sind die sportliche Version des Segelns

Jollen vermitteln das ehrlichste Segelerlebnis überhaupt. Offen, leicht, wendig zwingen sie ihre Segler, Wind, Wasser und Boot unmittelbar zu spüren – vom Kinder-Optimisten bis zum foilenden High-Tech-Skiff. Dieser Artikel erklärt, was Jollen ausmacht, wie sie klassifiziert werden und warum sie seit über 100 Jahren das Rückgrat des Segelsports bilden.
Von Michael Kunst
Das erwartet Sie in diesem Artikel
- Eine kleine philosophische Betrachtung
- Was Jollen-Segeln so faszinierend macht
- Wie sich Jollen untereinander unterscheiden
- Welche Jollen-Kategorien gibt es?
- Beispiele gängiger und historischer Jollen-Klassen
Beginnen wir philosophisch und stellen die vermeintlich einfach Frage: „Was ist eigentlich Segeln?“ Na, haben Sie jetzt gestutzt und erstmal überlegen müssen? Trösten Sie sich, auch noch so erfahrene Skipper und Skipperinnen – ganz egal ob auf See oder auf den Seen unterwegs – stutzen bei dieser Frage. Natürlich könnte man damit argumentieren, dass Segeln für jeden etwas anderes bedeutet. Weil kein Skipper wie der andere ist, weil jedes Revier andere Voraussetzungen bringt, weil es so viele Bootskategorien, -klassen und -modelle gibt. Wie soll man da eine in jeder Hinsicht stimmige Antwort geben?
Wagen wir es dennoch. Nicht zuletzt, um einen eleganten Bogen zu unserem Thema zu schlagen: Segeln ist eine Praxis zwischen Natur, Technik und Selbstverständnis. Segeln konfrontiert den Menschen mit sich selbst und mit der Natur. Es geschieht im Einklang mit den Elementen, es geht um Freiheit in einem durch das Boot und die Umgebung gesetzten Rahmen. Ganz weit hergeholt: Segeln ist die Kunst, sich vom Wind tragen zu lassen, ohne sich selbst zu verlieren.
Bleiben wir beim Einklang mit der Natur, dem „Spiel mit den Elementen“ und der so oft zitierten „Nähe zum Wasser“. Angesichts mancher Kajütboote und „Stilblüten“ unter den Modellen muss man sich fragen, wo die Nähe zum nassen Element geblieben ist; mehr noch: Was das überhaupt noch mit Segeln zu tun hat.
Man spürt die Elemente
Womit wir (endlich) bei der Jolle angelangt wären. Sie ist radikal offen, hat keine Kajüte, kaum Schutz vor Gischt oder Sonne. Strömung, Welle, Wind und Wetter werden nicht abstrahiert, sondern körperlich erfahren. Wer in einer Jolle segelt, spürt die Physik, nicht nur deren Theorie: das Boot krängt, springt an, hebt (mitunter) ab, gleitet auf dem Wasser. Bei wenig Wind setzt sie jeden Hauch in Vortrieb um, wenn „viel Druck in der Luft ist“ (Regatta-Jargon) wird Segeln zur körperlichen Erfahrung. Was den Spass noch erhöht: Eine Jolle kann seine Segler in den Vollwaschgang befördern, vulgo: kentern. Was wiederum völlig undramatisch ist und sogar für manche Crews den Spassfaktor deutlich erhöht, weil sie in nullkommanix das Boot wieder aufrichten und weiter segeln.
Segeln in einer Jolle ist also Segeln pur. Das Boot verlangt körperliche Intuition und nicht selten athletischen Einsatz, mentale Präsenz und existentielle Achtsamkeit. Wer Jolle segelt, erfährt den Wind als Kraft, die den Körper des Seglers, der Seglerin in Relation zum Wasser führt. Ganz nebenbei bemerkt, ist Segeln auf und mit einer Jolle, die mit Abstand preiswerteste Art, diesen Wassersport auszuüben. Und setzen wir noch neudeutsch „eins drauf“: Segeln auf einer Jolle ist einfach nur COOL.
Die sportliche Variante des Segelns
Die Jolle ist das universelle Segelboot par excellence: Vom einfachen Lernboot für die Jüngsten über Allrounder bis zu Hightech-Rennbooten schafft sie den Spagat zwischen Einsteiger- und Leistungssport. Die grosse Vielfalt an Klassen und Designs spiegelt sich in den Hunderttausenden existierenden Jolle wider. Ob auf dem heimischen Binnensee als Trainingsjolle, im Feriencamp als Familienboot oder auf internationalem Parkett als olympische Rennjolle – die Jolle ist überall.
Per Definition ist die Jolle ein kleines, offenes Segelboot ohne Kajüte und ohne Ballastkiel, das seinen Auftrieb und seine Stabilität vor allem aus einer eher flachen Rumpfform bezieht. Seitliches Abdriften wird durch ein aufholbares Schwert oder durch ein Steckschwert minimiert. Jollen sind verhältnismässig leicht (ca. 30 bis 200 kg) und wendig – im Unterschied zu Yachten mit schweren Ballastkielen genügt hier der Wasserdruck auf den breit aufliegenden Rumpf und die Gewichtsverlagerung der Crew nach Luv, um das Boot aufrecht zu halten. Takelage, Segel und Segelfläche sind je nach Einsatzzweck konzipiert. Üblicherweise sind Jollen zwischen drei und sechs Meter lang und werden von einer bis vier Personen gesegelt.
Die Jolle ist in der Regel zwischen 3 und ca. 6 Meter lang und hat eine Breite von etwa 1 bis 2 Metern. Das Gewicht variiert je nach Material und Grösse zwischen 50 und 200 Kilogramm. Die Grösse und das Gewicht der unterschiedlichen Jollen sind so konzipiert, dass sie von 1 bis ca. 6 Personen gesegelt werden können. Übrigens: Jollen werden immer mit der Pinne gesteuert.
Standards setzen
Allein die schiere Menge auf der ganzen Welt macht es notwendig, auch die Jollen – ähnlich wie Kielboote – in Kategorien respektive Arten einzuteilen. Unterscheidungsmerkmale sind Rumpfformen, Anzahl und Art der Segel sowie Einsatzzweck.
Hierfür gibt es keine standardisierten Vorgaben, wir beschränken uns bei Boot24 auf die u.E. wichtigsten, weil gängigsten.
Wander- und Freizeit-Jollen
Regatta- bzw. Rennjollen
Ausbildungsjollen ( häufig für drei Personen und mehr)
Klassische Jollen
Hierbei können die Übergänge fliessend sein. So ist es bei vielen Wanderjollen-Klassen mittlerweile üblich, auch klasseninterne Regatten zu segeln. Zudem werden sie etwa bei Yardstick-Regatten im Vergleich mit anderen Klassen ebenfalls erfolgreich gesegelt. (Yardstick-Regatten sind Wettfahrten, bei denen unterschiedliche Bootsklassen gemeinsam starten und ihre gesegelten Zeiten mithilfe eines Yardstick-Faktors rechnerisch vergleichbar gemacht werden.) Umgekehrt können (manche) Regattajollen auch für die Freizeit oder denUrlaub genutzt werden.
Neben diesen Kategorien werden Jollen weltweit nach Anzahl der an Bord vorgesehenen Segler eingeordnet.
Einhandboote (werden von einer Person gesegelt)
Doublehanded- oder Zweihand-Boote (für eine Zwei-Personen-Crew konzipiert)
Mehrpersonen-Jollen (meist Ausbildungsboote)
Was nicht heissen soll, dass man nicht auch aus Spass oder zu Ausbildungszwecken zu Zweit auf einer Einhandjolle segeln kann/sollte/darf. Oder auf einer typischen Doublehanded-Jolle mal eine dritte Person etwa für einen Badeausflug, an Bord lässt – vorausgesetzt, es ist genügend Platz dafür vorhanden.
Falls Sie sich fragen sollten, was das mit „der einen oder den zwei Händen“ eigentlich soll: Der Begriff Einhandsegeln kommt aus dem Englischen (singlehanded). In der Seemannssprache bezeichnet „Hand“ seit dem 17. Jahrhundert eine Arbeitskraft an Bord: „All hands on deck“ – alle Mann an Deck. „Eine Hand“ bedeutet hier eine Person als vollwertige Arbeitskraft. Einhandsegeln heisst also: Segeln mit nur einer „Hand“ im Sinne von einem Crewmitglied.
Klasse Klassen
Jolle werden in Klassen unterteilt. Jollen-Klassen unterscheiden sich von Kielbootklassen (Ballastkiel, selbstaufrichtend) und von Katamaran-Klassen (mehrere Rümpfe). Offene Katamarane werden nicht als Jollen klassifiziert, auch wenn sie sportlich ähnlich gesegelt werden. Bau- und Ausrüstungsmerkmale der Jollen werden durch Klassenregeln verbindlich festgelegt. Ziel ist es, sportlich vergleichbares Segeln zu ermöglichen, bei dem Können, Taktik und Bootshandling wichtiger sind als Materialvorteile. Sie gelten als das Rückgrat des Regattasegelns, ermöglichen faire Wettkämpfe, strukturierte Ausbildung, internationale Vergleichbarkeit und überhaupt erst
seglerischen Leistungssport. Neben diesen Einheitsklassen gibt es jedoch auch noch die Entwicklungs- oder Konstruktionsklasse: Hier gelten Rahmenregeln mit Konstruktionsspielraum. Ein Segler kann in dem jeweils von der Klasse gesetzten Rahmen an seinem Boot Änderungen vornehmen.
Nachfolgend stellen wir einige beispielhafte Jollenklassen aus jeder genannten Kategorie in Kurzform vor. Diese Auswahl ist subjektiv und richtet sich nach den Erfahrungswerten bei Boot24. Entsprechend kann die Liste weder Anspruch auf Vollständigkeit erheben, noch als eine Art Rangliste angesehen werden. Einige dieser Klassen haben wir mit ausführlicheren Beschreibungen auf der „Klassen-Seite“ von Boot24 verlinkt.
Einhand-Jollen (Regatta)
Optimist ist die wohl kleinste, einhand gesegelte Jolle mit etwa 2,30 m Länge. Sie wurde speziell für Kinder und Jugendliche bis etwa 14 Jahre entwickelt. Mit über 150.000 offiziell registrierten Booten und Schätzungen von bis zu ca. 400.000 – 500.000 gebauten Einheiten weltweit, ist der Optimist die grösste Kinder- und Jugendklasse der Welt und eine der grössten Einheitsklassen überhaupt.
Gesegelt wird die „viereckige Kiste“ in mehr als 120 Ländern, dient als Grundausbildung für junge Segler und prägt seit Jahrzehnten internationale Regattakarrieren.
ILCA-Dinghy (früher: Laser) – eine der bekanntesten Einhand-Bootsklassen der Welt und wurde 1970 von Bruce Kirby entworfen. Der Laser zeichnet sich durch seine einfache, strikte One-Design-Konstruktion aus, bei der alle Boote baugleich sind. Das etwa 4,2 m lange Boot ist in verschiedenen Riggrössen (ILCA 4, 6, 7) erhältlich, was es sowohl für Einsteiger als auch für internationale Regattasegler attraktiv macht und ihm jahrzehntelang bis heute olympischen Status eingebracht hat.
Finn Dinghy ist eine athletisch zu seglende Ausreit-Einhandjolle, die bei auffrischendem Wind „viel Gewicht auf der Kante“ braucht und im Jargon „der Finn“ genannt wird. Der Finn wurde 1949 entworfen und war von 1952 bis 2020 olympische Männerklasse. Mit 4,5 m Länge und einer verhältnismässig grossen Segelfläche fordert der Finn hohe körperliche Fitness und taktisches Können. Er gilt als eine der herausforderndsten klassischen Regattaklassen im Einhandsegeln. Trotz Olympia-Rauswurf blüht die Klasse weiterhin. Grosse Regattafelder – hohes seglerisches und athletisches Niveau.
Contender. Trapezjolle, die Ende der 1960er-Jahre von Ben Lexcen entworfen wurde und für ihre Zeit eine aussergewöhnlich innovative, sportliche Performance bot. Der Contender wurde zwar nie olympisch, gewann aber internationalen Status und wird in vielen Ländern als besonders herausfordernde Regattaklasse gesegelt. Bei Weltmeisterschaften sind nahezu 200 Boote aus über 30 Nationen am Start. Mit Trapez und relativ grosser Fläche auf dem Grosssegel (keine Vorsegel) richtet sich der Contender an erfahrene Einhandsegler und bietet ein dynamisches, athletisches Segelerlebnis.
OK-Jolle ist eine internationale Einhandjolle, die 1956 von Knud Olsen konstruiert wurde. Sie hat eine einfache Cat-Takelung und kombiniert Leichtbau mit sportlichen Eigenschaften, was ihr über die Jahrzehnte eine treue Anhängerschaft und weit verbreitete Nutzung in Club- und Meisterschaftsregatten eingebracht hat.
Musto Skiff – modernes, hochleistungsfähiges Einhand‑Skiff mit ca. 4,55 m Länge, Trapez, asymmetrischem Gennaker und einem leichten Rumpf (~44 kg). Dieses Skiff erreicht Geschwindigkeiten über 20 Knoten und gehört zu den schnellsten Einhand‑Segelbooten überhaupt.
RS Aero – leichtes, sportliches Einhand‑Dinghy von RS Sailing mit 4,20m Länge und extrem niedrigem Leergewicht (ca.30 kg), das in drei verschiedenen Segelgrössen gesegelt wird und durch geringe Masse sowie gute Gleiteigenschaften hohe Agilität und Segelspass bietet. Die RS Aero-Jolle gilt als grösster Mitbewerber des ILCA auf dem Markt. In direkten Vergleichen ist das Boot deutlich schneller. Doch da die Regattafelder (noch?) vergleichsweise klein sind, kann hier nicht von einer Konkurrenz gesprochen werden.
RS 700 – leistungsorientiertes Einhand‑Skiff mit rund 4,7 m Länge, Trapez und Gennaker, das für erfahrene Segler konzipiert wurde und hohe Geschwindigkeiten und agiles Handling bietet; es ist eine der sportlichsten RS‑Einhandklassen.
O’pen Skiff (früher O’pen BIC): mit ca. 2,75 m Länge eher für Jugendliche gedacht. Offenes Skiff‑Design und einfaches Handling bieten schnellen, agilen Segelspass.
Europe – klassische Einhand‑Konstruktion mit 3,35 m Länge, die aus der Moth‑Entwicklung hervorging und von 1992 bis 2004 als olympische Damenklasse eingesetzt wurde. Der Rumpf wiegt ca. 45 kg, voll ausgerüstet etwa 60 kg. Die Klasse erfreut sich trotz Olympia-Rausschmiss vor allem bei Frauen hoher Beliebtheit, wird aber auch von Männern (eher bei viel Wind) athletisch gesegelt.
Moth (International Moth) – extrem innovative, oft mit Foils und T-Rudern ausgerüstete Konstruktionsklasse (4,35 m Länge), bei der kaum Bauvorschriften bestehen. Was wiederum maximale Kreativität erlaubt – die Klasse gilt als State of the Art im schnellen Jollensegeln und beeinflusst seit Jahrzehnten die Konstruktionsszene. Ausserdem hat sie viele namhafte Segler hervorgebracht, die teils heute im America’s Cup unterwegs sind oder bei See-Regatten Pokale sammeln. Auf ihr wurden erstmals erfolgreich Foils in einer Regattaklasse erfolgreich eingesetzt. Moderne Foiling Moths erreichen extrem hohe Geschwindigkeiten und gelten als die schnellsten Einhand‑Segelboote überhaupt. Achtung: Sehr schwer zu segeln, im Vergleich teuer, aber unschlagbar cool!
Sunfish. Einhand‑Klassiker aus Kunststoff mit einfacher Takelage (sehr verbreitet vor allem in USA). Mit über 300.000 produzierten Booten die wahrscheinlich grösste Jollen-Klasse der Welt.
RS 100 Sportlicher RS‑Singlehander mit Gennaker‑Option. Ausreitboot, kein Trapez. Schmaler Rumpf, Ausreit-„Ohren“. Sehr agil, sehr schnell, gut zu beherrschen.
Einhand-Klassiker
12 ft Dinghy ist DIE historische Einhand‑Regattajolle. Sie wurde 1913 in Grossbritannien von George Cockshott entworfen. Mit ca. 3,66 m Länge und einfacher Slup‑Takelung (Grosssegel und Fock) war sie ursprünglich für den Trainingseinsatz und Amateur‑Regatten konzipiert und wurde schnell zu einer der beliebtesten Trainings- und Wettkampfjollen in britischen Clubs. Dank schlanker Linien und leichter Bauweise lässt sich das Boot trotz seiner geringen Grösse sehr agil segeln, was es ideal für technisch anspruchsvolle Regatten auf Binnen- und Küstengewässern macht. Die Klasse wird bis heute gepflegt, besonders in England.
Bei der O‑Jolle (Olympiajolle), einer historische Einhand-Regattajolle, war der Name Programm. die speziell für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin konstruiert wurde. Sie ist etwa 5 m lang, 1,66 m breit und verfügt über eine Segelfläche von ca. 11 m², was sie für anspruchsvolle Regatten auf Binnen- und Küstengewässern geeignet macht. Die O‑Jolle war ursprünglich als Olympische Einhand-Klasse gedacht, wurde nach 1936 aber als internationale Einheitsklasse weitergeführt und erfreut sich bis heute in Deutschland, den Niederlanden und weiteren europäischen Ländern aktiver Klassenvereinigungen. Trotz ihres Alters zeichnet sie sich durch robuste Bauweise, gute Wendigkeit und klassisches Regatta-Handling aus. (de.wikipedia.org)
Zweihand/doublehanded/shorthanded-Jollen (Regatta)
Der Name bezeichnet die Länge: Der 420er ist seit Jahrzehnten besonders als Jugend- und Trainingsboot beliebt. Das Boot wurde 1959 erstmals gebaut. Dieser bis heute aktuelle Klassiker vermittelt Team-Segeln durch Gross-, Fock- und symmetrischen Spinnaker-Einsatz, der Vorschoter oder die Vorschoterin hängen am Draht respektive stehen im Trapez. Diese stabile, rasch gleitende GFK-Jolle wurde weltweit über 60.000 mal verkauft und dient vielen, vor allem jüngeren Seglern, als Einstieg in höhere Klassen.
470er, auch hier gilt: nomen est longitudo. Das Boot wird zu Zweit mit Spinnaker und Vorschoter-Trapez gesegelt und ist seit den Spielen 1976 olympisch – aktuell als Mix-Team-Boot. Der 470er ist anspruchsvoll, nicht zuletzt, weil darauf hervorragende Regattasegler unterwegs sind. So gelten nationale und internationale 470er-Regattaflotten als Spielwiese für die Besten der Besten.
49er ist ein High-Performance Skiff für mit zwei Trapezen, grosser Segelfläche und breitem Trapez-Rumpf, das seit 2000 olympisch ist. Entwickelt von Julian Bethwaite, zeichnet sich diese etwa 4,88 m lange Jolle durch extreme Agilität und hohe Geschwindigkeiten aus, wobei die Besatzung körperlich sehr gefordert ist.
49er FX – selber Bootsrumpf und selbe Konzeption wie 49er, jedoch mit kleinerem Rigg und vergleichsweise reduzierter Segelfläche. Olympiaklasse für Frauen seit 2016.
29er ist ein modernes, leistungsstarkes Zweihand-Skiff mit einem Trapez, entwickelt als Jugendskiff und „Ausbildungsklasse“ für den 49er. Mit ca. 4,40 m Länge, relativ leichtem Rumpf und asymmetrischem Spinnaker ist der 29er sehr schnell unterwegs und wird in zahlreichen Jugendregatten rund um den Globus gesegelt.
Laser-4000 / 5000 / 6000 sind Zweihand-Skiffs mit Gennaker-Takelung (insbesondere der Laser 5000 mit zwei Trapezen) aus den 1990er-Jahren, die für sportliche Wettkampfsegler interessant sind; die 5000-Variante war beim Versuch, olympisch zu werden, nur knapp dem 49er unterlegen.
505 (Five-O-Five) ist eine klassische Rennjolle mit 5,05 m Länge, die sich auch heute noch grosser Beliebtheit als ausgesprochen leistungsstarkes Regattaboot erfreut. Eine Klasse, in der sich ebenfalls viele international erfolgreiche Regattasegler „tummeln“. Das Boot wird mit einem Vorschoter-Trapez gesegelt und ist deutlich übertakelt. Der 505er wird seit den 1950er-Jahren als internationale One-Design-Klasse gesegelt.
Flying Dutchman (FD) war von 1952 bis 1992 olympisch. Mit 6 m Länge, einer vergleichsweise riesigen Genua und einem symmetrischen Spinnaker war dieses Boot State of the Art über Jahrzehnte hinweg. Das Boot war allerdings nicht einfach zu segeln: Es verlangte hohen athletischen Einsatz bei Regatten, dankte es Den Seglern jedoch mit (für die damalige Zeit) herausragenden Geschwindigkeiten und Segelerlebnissen. Obwohl nicht mehr olympisch, ist die FD-Klasse auch heute noch sehr aktiv und wird auf hohem Niveau gesegelt – Regattafelder mit 50 Booten und mehr sind keine Seltenheit.
Fireball ist eine Skiff-Jolle mit symmetrischem Spinnaker und einfachem Trapez-Setup, die seit den 1960er Jahren existiert und in vielen Regionen als Regattaklasse gepflegt wird. Das Boot vereint Performance mit relativ unkomplizierter Technik und spricht bis heute eine breite Segler-Community an.
Zweihandjollen für Freizeit/Wanderjollen
Der Pirat ist eine klassische Knickspant‑Jolle aus Deutschland, die um 5,00 m Länge misst und mit Grosssegel, Fock und oft einem Spinnaker gesegelt wird. Sie wurde 1934/1935 von Carl Martens entworfen und ist wegen ihrer stabilen, gutmütigen Segeleigenschaften sowohl im Freizeit‑ als auch im Club‑Regattabetrieb beliebt. Obwohl der Pirat auch Regatten segelt, wird er aufgrund seiner robusten Bauweise und Trailerbarkeit häufig als Freizeit‑ und Wanderjolle genutzt, etwa für Tages‑ oder Wochenend‑Törns ohne grossen sportlichen Druck. Mit über mehreren hundert aktiven Booten zählt der Pirat weiterhin zu den beliebtesten Jollen in Deutschland.
Zugvogel (Schwertzugvogel) ist ein offener Knickspanter mit 5,80 m Länge, der (heute) gleichermassen für Freizeit‑ und Club‑Segeln wie auch für Regatten ausgelegt ist. Die Jolle galt ursprünglich als Wanderboot, weil sie komfortabel zu segeln ist und auch für weniger sportliche Crews Sicherheit vermittelt. Zugvogel werden oft in Vereinen für gemeinsames Freizeitsegeln oder Trainingsausfahrten genutzt und sind fester Bestandteil der Flotten.
Vaurien – eine international verbreitete Zweihand‑Jolle, die 1951 vom französischen Konstrukteur Jean‑Jacques Herbulot entwickelt wurde und auch heute noch als Freizeit, vereinzelt als Regattaboot genutzt wird. Mit rund 4,08 m Länge, ca. 95 kg Gewicht und etwa 10,5 m² Segelfläche am Wind bietet der Vaurien eine ausgewogene Mischung „sanfter“ Sportlichkeit und Sicherheit. Obwohl sie als internationale Regattaklasse gilt und weltweit gesegelt wird, nutzen viele Segler den Vaurien wegen seiner einfachen Handhabung und moderaten Leistungsfähigkeit auch für gemütliche Törns und Vereinstraining. Durch mehr als 36.000 gebaute Boote ist der Vaurien eine der verbreitetsten Zwei‑Personen‑Jollen überhaupt.
Flying Junior (FJ) gilt als klassische Freizeitjolle mit rund 4,03 m Länge, die ursprünglich in den 1950er‑Jahren als Ausbildungsboot für ambitioniertere Regattaklassen (u.a. FD) konzipiert wurde. Sie vereint gute Wendigkeit und robuste Bauweise mit einem ausgewogenen Segelplan (Gross + Fock und oft Spinnaker), der auch Crews ohne Hochleistungs‑Ambitionen ein sicheres, angenehmes und sportliches Segelerlebnis vermittelt. Der FJ wird traditionell bis heute sowohl im Regattabetrieb als internationale Klasse gesegelt als auch in Segelschulen und Vereinen als Allround‑Jugend‑ und Freizeitboot.
Der Conger wurde ab 1965 als erste Kunststoffjolle in Deutschland gebaut. Das 5m-Boot kombiniert robuste Freizeit‑ und Wanderjolleneigenschaften mit regatta‑tauglichem Design und eignet sich deshalb für gemütliches Segeln wie auch für Wettfahrten auf Binnen‑ und Küstengewässern. Mit einer Segelfläche von etwa 12 m² am Wind (Gross 7,4 m², Fock 4,6 m²) und optionalem Spinnaker um ca. 20 m² bietet der Conger eine ausgewogene Balance aus Leistung und Alltagstauglichkeit, dazu kommt der unsinkbare Rumpf durch PU‑Schaumauftrieb. Bis heute wurden mehrere tausend Conger‑Jollen gebaut, was sie zu einem der verbreitetsten Freizeit‑ und Clubboote im deutschsprachigen Raum macht.
Jeton ist eine national bekannte Zweihand‑Renn‑ und Freizeitjolle mit knapp 4,95 m Länge, die 1970 von Uwe Mares und Hubert Raudaschl entworfen und ursprünglich bei Klepper gebaut wurde. Mit etwa 15,5 m² Segelfläche am Wind, zusätzlich grossem Spinnaker und breitem Rumpf besitzt der Jeton hohe Formstabilität, was ihm gute Gleiteigenschaften und solide Performance verleiht.
Ixylon – 5,10 m lange Jolle mit Trapez und Spinnaker, die in der ehemaligen DDR entwickelt wurde und sich im gesamten deutschsprachigen Raum etabliert hat. Sie ist sowohl für Regatten als auch für entspanntes Fahrten‑ und Freizeitsegeln geeignet, da ihr Rumpf viel Cockpit‑ und Stauraum bietet und sie sich auch mit mehr als zwei Personen noch komfortabel handhaben lässt. Die robuste Bauweise und Verfügbarkeit von Ersatzteilen machen sie noch heute zu einem klassischen Allround‑Jollentyp, der im Clubsegeln häufig anzutreffen ist.
Historische Rennjollen
Z‑Jolle (20 qm‑Rennjolle) ist eine klassische deutsche Rennjollenklasse der 1920er und 1930er Jahre. Sie war eine der ersten offiziellen Konstruktionsklassen mit lediglich vorgegebener Segelfläche und wurde vor dem Zweiten Weltkrieg in grösserer Zahl gebaut. Sie war auf den Binnen‑ und Seeregatten der Zeit weit verbreitet. Heute existieren noch einige der historischen Z‑Jollen, sie werden bei regelmässig stattfindende Klassiker/Vintage-Regatten bewegt.
J‑Jolle (22‑m²‑Rennjolle) ist eine der ältesten deutschen Regattajollenklassen, die um 1909 als „Nationale Jolle“ eingeführt wurde und später als 22 m²‑Rennjolle und J‑Jolle bekannt wurde. Mit bis zu über 30 m² Segelfläche bei 6 m Länge war sie technisch anspruchsvoll zu segeln und erzielte hohe Geschwindigkeiten für ihre Zeit. Die J-Jolle sie galt in den 1920er/1930er Jahren als Spitzenklasse im Jollensegeln. Obwohl nach dem Krieg moderne Klassen die Regattabühne übernahmen, bestehen heute noch etwa 100 historisch erhaltene J‑Jollen, die zu Klassik‑Regatten zusammenkommen, und eine internationale Vereinigung fördert deren Erhalt und Regattasegeln.
B‑Jolle ist eine historische offene Jolle für zwei Personen, die 1903 von Henry Rasmussen für den Emder Werftclub in Emden konstruiert wurde. Die B‑Jolle ist 4,25 m lang (12 Fuss / 4,25 m), 1,40 m breit und hat eine Segelfläche von ca. 9,3 m², was sie für Binnen‑ und Kanalrevier‑Regatten ebenso geeignet machte wie für Freizeit‑Segeln. Sie wurde ab 1907 von der Werft Abeking & Rasmussen gebaut, modernisierte sich 1938 ohne wesentliche Abmessungsänderungen; insgesamt wurden rund 800 Boote gebaut.
Mehrpersonen-Jollen (Ausbildungsboote)
RS Venture – moderne, grosse, offene Freizeit- und Trainingsjolle, die von RS Sailing bewusst als Familien- und Mehrpersonen-Boot konzipiert wurde. Mit einem grosszügigen, selbstlenzenden Cockpit bietet sie Platz für bis zu acht Personen und ist damit ideal für Segelschulen, Familienausflüge oder gesellige Abende auf dem Wasser. Das Boot zeichnet sich durch hohe Stabilität, einfache Bedienung und gute Performance auch bei moderatem Wind aus und ist sowohl für entspanntes Cruisen als auch für Vereinstraining beliebt.
Caravelle (klassisches, französisches Boot) – trotz des Namens grössere offene Jolle, die vor allem in Segelschulen und Club-Ausbildung eingesetzt wurde und wegen ihres komfortablen Layouts und Platzangebots für mehrere Personen geeignet ist. Der Entwurf von Jean-Jacques Herbulot bot ausreichend Raum und stabile Segeleigenschaften, sodass neben zwei Seglern oft Familie, Kinder oder Trainingsteilnehmer gleichzeitig an Bord sein konnten. Heute ist sie ein Klassiker in vielen Ausbildungsflotten, insbesondere in Frankreich.
Warum heisst die Jolle eigentlich „Jolle“?
Die Herkunft des Wortes „Jolle“ ist nicht eindeutig geklärt – und genau das macht sie sprachlich so interessant. Neben den gut belegten Wurzeln im Niederländischen (jol, jolle), Französischen (yole) und Englischen (yawl) gibt es auch Hinweise auf eine skandinavische, insbesondere norwegische Herkunft.
Im Norwegischen existieren Begriffe wie „jolle“ oder „jolly“ für kleine, offene Boote oder Beiboote, die in Küsten- und Fjordregionen als Arbeits- und Transportmittel dienten. Diese Boote waren leicht, offen, flachgehend und vielseitig einsetzbar – Eigenschaften, die erstaunlich gut zum heutigen Verständnis der Jolle passen. Sprachhistoriker gehen davon aus, dass sich diese Begriffe im intensiven Seehandel des Nord- und Ostseeraums gegenseitig beeinflussten und über Jahrhunderte vermischten.
Unabhängig davon, ob die sprachliche Wurzel nun eher niederländisch, französisch oder nordisch ist, beschreibt der Begriff bis heute sehr treffend, worum es geht: ein kleines, offenes, leichtes Boot – nah am Wasser, nah an den Elementen. Genau deshalb steht die Jolle bis heute für unmittelbares, unverfälschtes Segeln.
