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Blauwassersegeln: Kommt es doch auf die Länge an?

Autor: Michael Kunst
  

Welche Schiffsgrösse ist die richtige für die Langfahrt? Zugegeben, es kommt selten vor, dass hier eine Frage gestellt wird, die wir nur mit einem Schulterzucken beantworten. Denn es sei gleich vorweg gesagt: Zur idealen Schiffslänge für Blauwassersegler gibt es tausendundeine Antworten, Gewissheiten, Meinungen, Erfahrungen und Annahmen. Welche nun die für Sie passende ist, kann nur eine beantworten – Sie!

Blauwassersegeln: Kommt es doch auf die Länge an?
Big Boat = Big Trouble? ©boat24

Wir können jedoch Tipps und Ratschläge geben, die Sie bestimmt auf den richtigen Weg bringen werden. Schliesslich zählt die Frage nach der richtigen Schiffslänge für eine Langfahrt im Stile einer Weltumseglung zur wohl kostspieligsten des gesamten Abenteuers. Und der gewisse Unterschied zwischen 7,50 und 20 Metern Schiffslänge dürfte wohl jedem klar sein – finanziell und in Bezug auf den Komfort während der Reise. Aber schön der Reihe nach…

Es ist wie bei (fast) allem auf der Welt: Die profansten und vermeintlich banalsten Aspekte zählen zu den wichtigsten und müssen von Beginn an in alle Überlegungen einbezogen werden.
Deshalb Gretchenfrage Nummer Eins: Wieviele Personen werden über die gesamte Strecke mitsegeln? Und wieviele stossen nur in den karibischen Ankerbuchten hinzu?

Es liegt auf der Hand, dass man einem 35 bis 40-jährigen Elternpaar mit drei Kindern etwa aus finanziellen Gründen nicht unbedingt einen 7,50 Meter kurzen Gleiter mit spartanischer Einrichtung im gewichtsparenden Zen-Stil empfehlen kann. Auch wenn Papa fanatischer Spi-Segler ist und gerne «geile Tagestmale» loggt.

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Das Schiff «im Griff behalten»

Kinder brauchen ihren eigenen Lebensraum – ganz egal ob auf langen Strecken oder in der paradiesischen Ankerbucht – und müssen zumindest eine Kajüte abgetrennt von «den Alten» haben, in der sie sich «verkriechen» können. Auch wenn es mittlerweile schon einige Beispiel-Familien gibt, die auf Kleinst-Yachten wie etwa Etap 21, Folkeboot oder X-79 (X-Yachts) beachtliche Strecken zu dritt, viert oder gar fünft zurück gelegt haben. Doch dies sind Ausnahmen – das Gros der Blauwasserfamilien ist erfahrungsgemäss auf (nach heutigen Massstäben) mittelgrossen Yachten zwischen zehn und 14 Metern Schiffslänge unterwegs. Jedoch variiert, je nach Geldbeutel, das Alter der Yachten deutlich.

Eine ähnliche Überlegung, nur unter umgekehrten Voraussetzungen, sollte sich das rüstige 65-jährige Ruheständlerpaar machen, das sich den lang gehegten Lebenstraum von der Weltumseglung noch auf die «alten Tage» erfüllen will. Hier ist die Chance zwar grösser, dass «Gelder vorhanden» sind, um sich einen dicken Pott mit 60 Fuss und mehr Schiffslänge leisten zu können. Doch haben Sie schon mal darüber nachgedacht, ob Sie auf so einem Schiff nachts mitten auf dem Atlantik bei 40-Knoten-Böen wirklich alleine das zweite Reff ins Grosssegel einbinden können, weil der Partner gerade seekrank und unpässlich ist?

Der Lebenskomfort auf einem Langfahrtschiff hat erst in zweiter Linie etwas mit Luxus zu tun. Er ist das A und O der Reise – ganz egal, auf welchem der «Sieben Meere» man gerade unterwegs ist. Und Komfort hängt wesentlich von der Schiffslänge und -breite ab: Ist ausreichend Platz für eine (vernünftig eingerichtete) Kombüse an Bord? Sind die Kajüten respektive Kojen wirklich lang genug? Wie zugänglich ist der Maschinenraum? Kann ausreichend Gepäck für jedes Crewmitglied gut verstaut werden? Kann der Salon wirklich als solcher genutzt werden und nimmt tatsächlich die volle Crew zum gemeinsamen Diner auf?

Lange auf See, viel länger im Hafen

Natürlich träumt man bei der Planung der Reise respektive vor dem Schiffskauf von wochenlangen Schlägen über die Ozeane. Doch sind diese klassischen Blauwasserbilder nur eine vergleichsweise kurze Sequenz im anstehenden «Langfahrt». Die mit Abstand meiste Zeit verbringen Weltum- oder Langfahrtsegler in Häfen oder vor Anker. Hierfür gibt es eine seit Jahrzehnten gültige «Formel» drei Jahre unterwegs sein will, sollte sich darauf einstellen, dass er zwei Drittel der Zeit vor Anker oder im Hafen verbringen wird. Wer vier Jahre reisen möchte, drei Viertel und fünf Jahre vier Fünftel. Was sich zunächst wie eine Milchmädchenrechnung liest, macht erfahrungsgemäss durchaus Sinn. Denn nur die wenigsten BlauwasserseglerInnen und erst recht solche, die Kinder oder eher tertiär am Segeln interessierte PartnerInnen bei sich haben, verbringen wirklich einen Grossteil der veranschlagten Auszeit auf dem Wasser.

Welche Auswirkungen das auf die Schiffslänge haben soll? Ganz einfach: Wird das Boot in erster Linie als schwimmendes Appartement und nicht als Sport- oder Reisegerät genutzt, erhöht sich auch der Komfortbedarf. Da beanspruchen die Freunde, die sich bei der Atlantiküberquerung noch im Wachwechsel je eine Koje geteilt haben, plötzlich jeder eine solche für sich!

Und die Kinder wollen ihre Hausaufgaben nicht mehr zwischen Suppe kochen und Kartenarbeit am einzigen Tisch des Bootes machen, sondern beanspruchen zumindest eines Ablagefläche für sich. Ganz abgesehen von den Eltern, die einfach mal nachts etwas Abstand von den lieben Kleinen brauchen, die tuschelnd und bei jedem Geräusch kichernd sonst in der Koje direkt nebenan liegen. Kurz: je länger die Fahrt desto mehr Komfort ist angesagt.

Wenig Sinn, ab einem gewissen Alter

Nun gibt es in der Langfahrtszene eine weitere Regel, die jedoch nur bedingt Allgemeingültigkeit hat. «Für jedes Jahr einen Fuss» bemisst sich am Lebensalter der Blauwasser-Protagonisten und der angeblich geeigneten Länge ihrer Schiffe. Das hat rein statistisch betrachtet zumindest in einem gewissen Rahmen seine Berechtigung: Wer als 21-Jähriger einhand und sportlich über den Atlantik will, der ist mit einem 21-Fuss-Mini durchaus gut bedient. Das Gleiche gilt für 26-jährige Folkeboot-segler die, wie bereits geschehen, zu zweit im Rahmen der ARC über den Grossen Teich segelten.

Und die jung-dynamischen Familien mit 40 bis 45-jährigen Eltern, die nach erfolgreicher Geldverdien-Zeit dem Nachwuchs die grosse, weite Welt zeigen wollen, sind in den meisten Fällen tatsächlich auf altersadäquaten Schiffslängen on tour. Nur macht eben ab einem gewissen Alter die Formel keinen Sinn mehr – es sei denn, man leistet sich (und erträgt) eine Profi-Crew an Bord oder vertraut auf höchst störungsanfällige Motorleistungen für jede Winch, jede Schot, jedes Fall.

Tatsächlich kam bei diversen Umfragen diverser Segelmagazine, auf Blauwasser-Online-Sites und beim Blick durch typische Langfahrt-Häfen wie etwa auf den Azoren, Kanaren, in der Karibik oder vor dem Panama-Kanal eine Art Ideal-Mass für Langfahrt- respektive Weltumsegler zutage: 38-46 Fuss, je nach Anzahl der Törnteilnehmer. Alles andere wurde statistisch als zu klein oder zu gross empfunden. Und zwar aus Komfortgründen – mit den Segelleistungen der Boote hatte das wenig zu tun.

Die Leistungsfähigkeit sollte bei der Wahl der richtigen Schiffslänge zwar ebenfalls eine gewisse Rolle spielen, aber nicht überbewertet werden. Auch hier gibt es eine Faustregel: bei der Kaufentscheidung den Segeleigenschaften eher weniger als 50% Entscheidungskraft zubilligen. Ziehen Sie Bootstests zu Rate, prüfen Sie, ob über den Schiffstyp, mit dem Sie liebäugeln, Fahrtberichte in Blauwasserforen zu finden sind. Merke: Warum die gleichen Fehler machen wie Hunderte vor Ihnen, wenn man voneinander lernen kann.


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Länge kostet

Die alte Seglerregel «Länge läuft» dürfte jedem mittlerweile bekannt sein (wenn sie auch nicht mehr immer gilt). Was nur wenige wissen oder wahrhaben wollen: «Länge kostet» gilt immer!
Nicht nur bei den Hafengebühren zählt jeder Meter, auch beim Unterhalt läuft alles auf die gleiche Formel heraus: je länger desto teurer wird’s. Nicht zuletzt auch, weil die langen Pötte schlechter zu handhaben sind und viel mehr Platz für störungsanfälligen, meist teuren «Schnickschnack» haben.

Bleiben wir zum Abschluss noch bei den Finanzen. Sie werden sich bestimmt schon die Frage gestellt haben: «gebraucht oder neu?» Und es wird Sie wenig erstaunen, dass wir hier auf dieser Website dazu raten, unbedingt auf dem Gebrauchtboot-Markt ihr Glück zu suchen.

Denn bis eine neue Yacht für den «grossen Törn» ausgerüstet ist, fallen mitunter unabsehbar hohe Zusatzkosten an. Ganz zu schweigen von der Wahl der richtigen Ausrüstungsgegenstände für das jeweilige Boot. Der Wertverlust von Yachten, die für die Langfahrt ausgerüstet oder prädestiniert sind, ist bekanntlich nach einer mehrjährigen Reise mit reichlich Seemeilen auf der Logge gewaltig.

Während sie bei einem gepflegten Gebrauchtboot im oben beschriebenen Längen- und somit Komfort-Segment in vielen Fällen genau das Boot finden werden, das für Ihre Reise wie gemacht und ausgerüstet scheint. Weil sie genau diese oder eine ähnliche gerade hinter sich gebracht hat.

Zusammenfassung zum Thema «ideale Schiffslänge für Langfahrttörns wie Weltumseglungen, Atlantikrundungen etc.»

  • «Pro Lebensjahr (der Segler) ein Fuss Schiffslänge» gilt nur bedingt
  • Statistisch sind die meisten Segler auf Langfahrttörns mit Booten zwischen 36 und 46 Fuss Schiffslänge unterwegs
  • Komfort an Bord sollte ein übergeordnete Rolle bei der Wahl der Schiffslänge spielen
  • Big boats - big trouble ist nicht umsonst eine nach wie vor gültige Regel in der Cruiserszene
  • Suchen Sie in aller Ruhe auf dem Gebrauchtbootmarkt. Einfach unter «erweiterte Suche» Segelboote und dann Schiffslänge eingeben. Für den ganz grossen Rundumschlag, das Beispiel «9-16 Meter» – über 4.000 Angebote warten auf Sie!

Thema

Segeln

Autor

Michael Kunst

Geschrieben von

Michael miku Kunst (60) ist seit mehr als 35 Jahren als Sportreporter unterwegs. Waren es in jungen und knackigen Jahren eher Ausdauersportarten, die ihn in die hintersten Ecken unseres Planeten lockten, sind es heute mehr oder weniger verrückte Segelboote auf den Ozeanen und Binnenmeeren, die ihn faszinieren.
In mikus Flotte befinden sich u.a. ein 25 Jahre junger Laser Standard und ein etwas ausgeleierter Mini 6.50 Prototyp (No. 247), mit dem er vor Lorient auf dem Atlantik unterwegs ist.

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