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Bodenseezulassung

Autor: Max Wagner
  

Der Bodensee stellt ein einzigartiges Wassersportrevier dar. Denn auf dem an die drei Länder Österreich, Schweiz und Deutschland grenzenden Binnenrevier herrschen eigene Gesetze. Ausgerichtet auf eine strikte Gewässerreinhaltung. Für den Wassersportler bedeutet dies eine unumgängliche Konfrontation mit den weltweit strengsten Zulassungs- und Abgasbestimmungen genannt Bodenseezulassung.

Bodenseezulassung
Bodensee: Wassersportrevier mit den strengsten Zulassungsbestimmungen genannt Bodenseezulassung

Der Bodensee dient aus der Sicht von Baden-Württemberg als grösster Trinkwasserspeicher des Bundeslandes. Ohne die Wasser-Versorgung aus dem See würde Stuttgart „trockenfallen“. Die Funktion als Trinkwassersee hat schon früh nach Regulierungen verlangt. Bereits in den 1970er Jahren wurde daher ein striktes Schutzsystem gegen Umweltverschmutzung und zur Gewässerreinhaltung ins Leben gerufen. Zum Handkuss im Rahmen der Restriktionen kam dabei auch die Sportschifffahrt, die sich seitdem nach der Bodensee Schifffahrtsordnung beziehungsweise nach den BSO-Abgasnormen Stufe I bzw. Stufe II zu richten hat. Auch allgemein bekannt unter dem Begriff Bodenseezulassung. Ein Regelwerk, dass, wie bereits erwähnt, die schärfsten Abgasvorschriften für Sportboote in Europa und auf der Welt beinhalten.

Gast Boote

Die Bodensee Schifffahrtsordnung gilt sowohl für alle Boote aus den drei Anliegerstaaten, als auch für Boote aus dem nicht direkt an den See angrenzenden EU-Ländern. Somit gleich eine Tatsache vorweg: Wer glaubt, mit seinem nicht für den Bodensee zugelassenen Trailerboot mal kurz als Gast eine Runde auf dem Bodensee drehen zu können, kann sich dieses Vorhaben definitiv aus dem Kopf schlagen. Ohne Registrierung und/oder spezielles Bodensee-Kennzeichen (Bodenseezulassung) keine Fahrberechtigung. Wer dem zuwider handelt, schliesst rasch Bekanntschaft mit der Seepolizei.

Bodensee-Patent

Ein wenig einfacher verhält es sich, wenn man sich ein Boot für einen Törn auf dem Bodensee mietet. Ob von privat oder von einem Bootsverleih. Ganz unbedarft sollte man aber auch hierbei nicht an die Sache rangehen. Denn ab einer Motorisierung von 4 kW (6 PS) und/oder einer Segelfläche von mehr als 14 Quadratmetern schreibt das Gesetz einen Befähigungsausweis vor. In diesem Falle das Bodensee Schifferpatent für Motorboot oder Segelboot. Die ansonsten in den jeweiligen Ländern gültigen Binnenrevier-Scheine haben auf dem Bodensee keine Gültigkeit. Gäste, die über einen amtlich ausgestellten Befähigungsausweis verfügen, der von einem Bodensee-Uferstaat ausgestellt wurde, aber für den Bodensee keine Gültigkeit hat, können jedoch einen Antrag auf befristete Anerkennung einreichen. Befähigungsnachweise, die nicht in der Schweiz, in Österreich oder in Deutschland ausgestellt wurden, werden nicht anerkannt.

Registrierungspflicht

Zurück zu den Booten sowie den generellen Vorschriften und dem einzigen „gesetzfreien“ Rahmen der Bodensee-Schifffahrtsordnung. Boote ohne Motor und unter einer Gesamtlänge von 2,50 Metern sind frei von der Registrierpflicht. Wer sein kleines Schlauchboot zu Wasser lässt und in Ufernähe damit herum paddelt, kann die grosse Freiheit somit in zweifacher Hinsicht geniessen. Das weite schwäbische Meer unter sich und frei von Namensgebung und Kennzeichnungs-Pflicht. Übrigens: Boote unter 2,50 Meter Länge dürfen am Bodensee grundsätzlich nicht mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet werden. Elektromotoren sind frei verwendbar und bedürfen keiner Zulassungspflicht.

Alle Sportboote, die länger als 2,50 Meter sind, ob mit oder ohne Motor, unterliegen der Registrierungspflicht. Dies gilt auch für Schlauchboote. Dies bedeutet, dass diese über ein Kennzeichen sowie über eine Bootsausweis verfügen müssen. Ausnahmen sind Surfbretter, Kanus, Kajaks und Rennruderboote. Bei diesen Bootstypen reicht als Identifizierungsmerkmal der Name des Besitzers, der am Sportgerät wasserfest aufgebracht sein muss.

Zulassungsbestimmungen (Bodenseezulassung)

Alle Fahrzeuge mit Maschinenantrieb müssen, im Rahmen eines Antrags auf Zulassung sowie einer behördlichen Abnahme im Wasser, vom Schifffahrtsamt zugelassen werden. Dies gilt auch für Segelboote, die mit einem Motor ausgestattet sind, oder über eine Wohn-, Koch-, oder Sanitäreinrichtung verfügen. Der Antrag auf Zulassung erfolgt beim Landratsamt.

Aktuell unterscheiden die Behörden zwischen zwei Zulassungs-Voraussetzungen. Boote ab dem Baujahr 1998 fallen unter die Vorschriften der Europäischen Sportbootrichtlinien. Hierbei müssen für eine Bodenseezulassung das Eignerhandbuch in deutscher Sprache sowie die CE-Zertifizierung des Bootes vorgelegt werden. Boote mit Baujahr vor 1998 unterliegen diesen Vorschriften noch nicht. Es werden die Bestimmungen der BSO (Bodensee-Schifffahrts-Ordnung) uneingeschränkt angewandt.

Zulassungsparameter für Motoren

Grundsätzlich muss jeder auf dem Bodensee neu zugelassene Motor die Abgasnormen der derzeit geltenden Abgasstufe II erfüllen. Für die Bodenseezulassung muss ein Abgastypenprüfzertifikat vorgelegt werden. Auf eine Auflistung der für den Bodensee zugelassenen Motoren kann bei den Schifffahrtsämtern angefordert oder auf den jeweiligen Websites herunter geladen werden.

Nach einem Beschluss der internationalen Schifffahrtskommission für den Bodensee beinhaltet die Richtlinie folgende Ausnahmen:
Für Ottomotoren bis einschliesslich 74 kW (100 PS) gelten bei Neuzulassung oder Ersatz die Grenzwerte gemäss BSO Stufe 1, BSO Stufe 2 oder die EU-Sportbootrichtlinie für Vier-Takt-Motoren. Für Motoren BSO Stufe 1 oder 2 gilt als Nachweis ein Abgastypenzertifikat, für die EU-Sportboot-Richtlinie die CE-Konformitätserklärung (siehe CE-Zertifizierung). Bestehende Vier-Takt-Innenborder über 74 Kilowatt Leistung können durch Motoren ersetzt werden, die zumindest die Abgasgrenzwerte der Bodenseezulassung Stufe 1 erfüllen, wenn die Motorleistung um nicht mehr als zehn Prozent erhöht wird.

Für Ottomotoren mit einer Leistung über 74 kW (100 PS) sowie für Dieselmotoren gibt es keine Ausnahmen von der Regel. Diese müssen die Grenzwerte gemäss Bodenseezulassung Stufe 2 erfüllen.

In Anbetracht des doch eher komplizierten Sachverhaltes empfiehlt es sich am Bodensee unbedingt, einen Neubootkauf über einen am Bodenseeufer ansässigen Bootshändler abzuwickeln. Am Idealsten bei einem Fachbetrieb in jenem Land, in dem das Boot auch zugelassen wird. Dann kann die komplette Abwicklung direkt durch den Bootsbetrieb erfolgen. Beim Kauf eines Gebrauchtbootes aus privater Hand ist auf eine gültige Bodenseezulassung zu achten.

Autor

Max Wagner

Geschrieben von

Wassersport-Journalist und Autor.
Betreibt eine Werbeagentur.

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