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Den Schotteinbau vorbereiten

Autor: Erdmann Braschos

Zunächst lerne ich, wie umständlich und teuer der Kauf von Bootsbausperrholz geworden ist. Früher fuhr ich mit den alten Brettern meiner Swede 55 einfach unangemeldet zum Holzhändler, wo es im Hinterhof bei der Firma Rüegg im Norden Hamburgs ein grosses Regal mit Bootsbausperrholzplatten gab. Da schnitten zwei zupackende Burschen im Blaumann mit Bleistift hinter dem Ohr ohne langes Fackeln die Sachen gleich zu. Nach einer halben Stunde lag der Einkauf für erträgliches Geld hinten im Kofferraum. Es war fast wie im Baumarkt, nur etwas teurer.

Den Schotteinbau vorbereiten
Kederband von Sifatek für den VW Käfer und Bulli T1. In der Mitte das Original, rechts der Tacker.© E. Braschos/Swedesail

15 Jahre später muss ich die Bretter zuhause ausmessen, mich zwischen 0,6mm und 1,5mm oder dickeren Furnierstärken entscheiden, dann das Ganze bei Sommerfeld & Thiele in Mölln, bei HBW in Wedel an der Elbe oder Kurt Behn in Hamburg anfragen. Ich muss an die Anfrage erinnern, das Angebot abwarten, verhandeln und bestellen. Sommerfeld & Thiele liefert keinen Zuschnitt. HBW nennt phantastische Preise. Ich kaufe bei Behn, wo ich gut beraten werde und immerhin nach zehn Tagen alles abholen kann. Insgesamt zog sich die Holzbeschaffung über einen Monat hin. Die Preise für Bootsbausperrholz und Teak sind mittlerweile gepfeffert.

Solch ein Laminierplan macht Mühe, bietet dafür Überblick zum nötigen Material © E.Braschos/Swedesail Solch ein Laminierplan macht Mühe, bietet dafür Überblick zum nötigen Material © E.Braschos/Swedesail

Seit dem Besuch einer Nobelwerft träume ich von einem Waschtisch aus Corian mit eingelassenem Waschbecken. Das ist in einer anspruchsvollen Tischlerei zu bekommen und kostet entsprechend. Ich kaufe bei Krumbeck & Stärcker in Wentorf bei Hamburg. Ein tolles und edles Material, das leider nicht wie üblich im Nachhinein mit Sge und Bohrmaschine bearbeitet werden kann.

Mangels handwerklicher Möglichkeiten und Können, auch damit die Sache flott fertig wird, lasse ich einige Teile bei einem Tischler vorbereiten. Den im Lauf der Jahrzehnte kaputt gegangenen Schiebetürrahmen unter dem Waschtisch fertigt Bootsbauer Johannes Schultze in Tötensen bei Hamburg. Diesmal mit breiteren Führungen, die nicht mehr herausbrechen, die hinteren sogar mit Metallschienen. Schultze spachtelt und lackiert auch die vergilbten Ablagen aus rissigem Kunststoff. Sie sehen aus wie neu. Weitere montagefertige und verständlich beschriftete Teile des Interieurs werden den raschen Ausbau des Vorschiffes erleichtern.

Das alte Badezimmerschott in der Werkstatt von Tischler Johannes Schultze Das alte Badezimmerschott in der Werkstatt von Tischler Johannes Schultze © E. Braschos/Swedesail

Vorbereitend zum Einbau des neuen Badezimmerschotts wurde die alte 1 Zoll Borddurchführung für den Abfluss des Waschbeckens bereits im Herbst herausgeschnitten. So lässt sich in das neue Schott zwischen Rumpf und Bordwand an den vorgesehenen Platz klappen. Hier ist ein neues Fitting aus korrosionssicherem Nylon des neuseeländischen Herstellers Trudesign vorgesehen.

Die Borddurchlässe gibt es auch in bündiger Ausführung. Diese Variante macht mit dem Anbringen der versenkten Bohrung eine halbe Stunde mehr Arbeit. Der Winkel wird mit einem Halbrundraspel in der Bordwand angebracht. Da die Senkung die Bordwand schwächt, verstärke ich die Bordwand später von innen rings um die Armatur mit einigen Lagen Glasfaserlaminat. Wenn man einmal dabei ist, kann man es gleich richtig machen. Es passiert (beinahe) in einem Arbeitsgang. Es sind aber eben auch solche Extrawürste, welche die Überholung eines Bootes verzögern und verteuern.

Die Bohrung des alten Waschbeckenabflusses wird mit einem Raspel an die neue angesenkte Borddurchführung angepasst Die Bohrung des alten Waschbeckenabflusses wird mit einem Raspel an die neue angesenkte Borddurchführung angepasst © E. Braschos/Swedesail

Im März bin ich startklar. In vier bis sechs Wochen sollte der Ausbau des Bootes nebenbei in Wochenendarbeit mit einigen zusätzlichen Nachmittagen zu schaffen sein. Gegen den Ausbau des Bootes im Winterlager sprechen Feuchtigkeit und niedrige Temperaturen mit Nachtfrösten. Das Interieur ist in das Boot zu laminieren. Neben geeigneten Fasern und dem richtigen Mischungsverhältnis von Harz und Härter ist der Klebevorgang auf trockene Verhältnisse und mindestens 15 Grad angewiesen. Da ich die Sache Anfang April fertig haben und nicht bis Mai warten möchte, entscheide ich mich beraten von Jan Böhm von der Hamburger Lütje Werft für ein Epoxidharz von West System, dessen Härter vom Typ 205 für niedrige Temperaturen ab 5 Grad aufwärts geeignet ist. Unter Deck aufgestellte Heizlüfter sollen das nötige Klima zum Laminieren schaffen. Nachdem ich Mitte März einige absehbar wärmere Tage um 10 Grad abgewartet habe, kann es losgehen. Dann kommt Corona und verzögert den Ausbau des Bootes um Wochen.

Links der neue Schiebetürschrank fürs Bad und das Brett für das Ankerkastenschott Links der neue Schiebetürschrank fürs Bad und das Brett für das Ankerkastenschott © E. Braschos/Swedesail

Die Bretter und der Schiebetürrahmen stehen wochenlang im Esszimmer an der Bücherwand gelehnt herum, was dem Räum eine schöne schiffige Note verleiht, meine Freundin aber nicht ganz so begeistert.

Materialbedarf und Werkzeug

Epoxidharz ist teuer. Daher lohnt ein Plan, welche Flächen entlang der Schottwand am Rumpf zu laminieren sind. Da ich sowas noch nie gemacht habe schreibe ich es – zugegeben umständlich – untereinander. Ein Bootsbauer macht das so bestimmt nicht. Jan Böhm von der Hamburger Lütje Werft und Helge von der Linden vom Weseler Spezialisten für Bootsbaumaterial erklären, wie es geht. Helge von der Linden korrigiert meinen Laminierplan, stellt das nötige Material zusammen und schickt ein Angebot. Zwei Tage später sind Harze und Glasfasergelege da.

Keder vom VW Bulli T1, Sofittenlampe vom Mercedes

Der Serienbootsbau der Siebzigerjahre deckte die Fugen zwischen dem Holzausbau und der Innenschale mit weissem Kederband ab. Das gibt es heute im Bootszubehör leider nicht mehr. Nach beharrlicher Suche entdecke ich es beim süddeutschen Oldtimer-Spezialisten Sifatek, der es als Zubehör für den VW Käfer und Bulli T1 (Baujahr 1950-67) als «Biese Fahnenprofil» aus weissem PVC anbietet. Es dauert immer etwas, bis man die Sachen unter dem richtigen Suchbegriff ergoogelt. Den Tacker zum Anbringen mit Edelstahlheftklammern auf den Stirnseiten der Sperrholzbretter gibt‘s im Baumarkt. Die Original Innenraumleuchte hat der Autozulieferer Hella gekonnt auf seiner Webseite versteckt. Die gibt‘s für irgendeinen uralten Mercedes und passt zur Original-Ausstattung meiner Swede. Wie lange ich danach gesucht habe, verrate ich nicht.

Kosten

Epoxidharz, Härter und 406er Collodial Silikat zum Andicken des Harzes für Hohlkehlen an den Übergängen von Schotten und Bordwand 275 €
1 Zoll Armatur von Trudesign (Borddurchlass versenkt, Kugelventil und Tülle) aus Nylon 90 €
neue Schläuche für WC und Waschbecken 84 €
Waschtisch und Waschbecken aus Corian 650 €
Edelstahlarmatur, Waschbeckenabfluss, Kleinteile 333 €
5 m weisses Kederband 19 €
Hella Innenraumleuchte länglich 43 €
Niro Heftklammern und Handtacker zum Anbringen 43 €
Spachtel, Messbecher, Pinsel, Einmalhandschuhe Baumarkt 45 €
Bootsbausperrholz für neue Schotten, Schubladenschrank, Teak massiv für Umleimer und neue Waschtischunterbau 1.246 €
neue Innenraumleuchten von Hella (wie Original) 43 €
Arbeitslohn 2.000 €
4.871 €

Arbeitszeit

mehrere Tage im Herbst/Winter für die Planung und Beschaffung, Abstimmung mit Handwerkern, Bringen und Abholen der Muster/Neuteile, einige Fahrten zu Baumärkten, einige Abende für die Teilesuche und Arbeitsvorbereitung (Laminierplan, Stücklisten Material und Werkzeug)

Werkzeug

Tischgestell oder klappbare Werkbank zum Zuschnitt der Hölzer, Beschichten des Ankerkastenschotts mit Glasfaser, Schraubzwingen, Stichsäge, Tischkreissäge, Bohrmaschine, Akkuschrauber, Japansäge

Hinweis: alle Produkte wurden vom Autor regulär bezahlt

VG

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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Schotteinbau

Schotteinbau

Obwohl die ausgeschnittenen Laminatwinkel beim Ausbau des alten Interieurs bis zur Bordwand entfernt sind, wird die Bordwand mit dem Exzenterschleifer an den Flächen, wo laminiert wird, nochmals angeschliffen. Der Schliff mit grober 24er bis 40er Körnung gewährleitet eine gute Verbindung der Bordwand mit dem neuen Laminat. Mit einem Exzenterschleifer ist das in wenigen Minuten gemacht. Mit vernünftiger Absaugung geht es sohar halbwegs sauber über die Bühne. Danach wird das Vorschiff staubgesaugt und mit einem feuchten Lappen gründlich ausgewischt. Glasfaserstaub ist ungesund.

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