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Wohin mit dem Boot?

Der Liegeplatz ist eine entscheidende Weichenstellung für das Bordleben

Wohin mit dem Boot?
An einem sicheren Liegeplatz in einem schönen Revier fühlt man sich an Bord augenblicklich wohl © Unkas Photo / Fotolia

Ganz gleich, ob man ein Boot neu oder gebraucht gekauft hat, stellt sich die entscheidende Frage nach dem Liegeplatz. Diese Frage ist so wichtig, dass sie schon vor dem Kauf geklärt sein sollte.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 26.01.2015

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • welche Konsequenzen der Liegeplatz für das Bordleben hat
  • welche Folgekosten sich aus dem Liegeplatz ergeben
  • wo man an seinem Schiff was selbst machen darf
  • wie Sie den passenden Liegeplatz finden

Nach meiner Beobachtung geht es beim Bootskauf und späteren Betrieb fast ausschließlich ums Schiff. Das ist erstaunlich, denn viel wichtiger für das Wohlbefinden an Bord und damit auf Dauer die Frage, ob und wie gerne die Freundin, Frau, Familie oder Freunde mitkommen, ist der Liegeplatz. Ganz einfach, weil man hier die meiste Zeit an Bord verbringt. Der Liegeplatz mehr ist als ein bloßer Verwahrplatz oder Standort für das Boot. Er ist der Ort, an dem man sich wohlfühlen möchte. Gleiches gilt für das Winterlager oder den Landstellplatz für das Boot, beispielsweise in einem südlichen Revier. Hier trifft der Eigner eine wichtige Entscheidung.

Zwar läßt sich einiges im Flugzeug mitnehmen, dennoch gibt es Grenzen

Im fernen Revier beispielsweise ist der Bootseigner auf eine gute Infrastruktur von A wie „Antifouling“ bis „Z“ wie Zinkanode angewiesen. Man kann und möchte diese Dinge nicht im Fluggepäck mitnehmen. Ich habe bei meinen Reisen zum Boot in fernen Revieren zwar schon viele Dinge im Gepäck gehabt. Wie ich in der Rückschau zugebe, war ich diesbezüglich durchaus flexibel bis unkonventionell. Am Züricher Flughafen wurde ich mal beim Umsteigen mit einer 44er Lewmar-Winsch im Handgepack rausgewunken. Das lag auch an meinem hinkenden Gang infolge der einseitigen Belastung. Die selbstholende Winsch mit verchromter Trommel aus Marinebronze war halt schwer.

Der Mann am Leuchttisch nahm meine Frechheit, so ein Trumm als Handgepäck an Bord zu schmuggeln, sportlich und meinte grinsend am Bildschirm seines Leuchttischs: "Interessant. Ein Getriebe von einem Mercedes, kenne ich, habe ich hier aber noch nicht gesehen." "Nicht ganz", entgegnete ich, klärte die Sache auf und wurde durchgewunken. Sehr nett und entspannt, dieser Schweizer. Ich werde es ihm nicht vergessen. Niemals hätte ich mich von meiner Winsch wegen einer blöden Handgepäcks-Formalie getrennt.

Bitte versuchen Sie das nicht mit Antifouling. Ein Blick auf die Gefahrenklasse unten am Eimer reicht. Anoden oder Motorersatzteile gehen natürlich. Die sind handlich. Leider sind Batterien auch ganz schlecht, obwohl es zuhause in Mittel- oder Nordeuropa meist die größere Auswahl und vor allem Beratung in Landessprache gibt. Segel gehen, wenn auch nicht im Handgepäck. Ein leider schweres 40 qm Großsegel oder 130 qm Spinnaker habe ich gelegentlich, weil unvermeidlich im Ferienflieger mitgenommen. Ebenso den etwas sperrigen U-Träger meines Reitbalkens, der gut verpackt die Kurven der Förderbänder der internationalen Gepäckabfertigung genommen hat. Wer sein Schiff liebt. So, aber nun Erinnerungen und Spaß beiseite.

Als Bootseigner sind Sie in fernen Revieren weitgehend bis komplett auf eine Infrastruktur an Werften, Spezialisten, Bootsausrüstern oder Segelmachern angewiesen. Das Spektrum ist wie im sonstigen Leben von der teuren Full Service Marina über den Club bis hin zur Bootsbastler Selbsthilfewerkstätte groß. Man begibt sich da mit der Wahl des Liegeplatzes, und sei es nur für einige Winter- oder Sommermonate, in ein Umfeld, das ringsum zu den eigenen finanziellen Verhältnissen und persönlichen Vorstellungen passen sollte.

Wer gut verdient, lässt alles oder viel am Boot machen. Dem vielbeschäftigten Eigner ist die Freizeit zu wertvoll und auch zu knapp, um sich mit Wartungsarbeiten am Boot zu befassen. Gerade beim Schreibtischtäter ist handwerkliches Geschick und technisches Verständnis eher unüblich. Da stellt sich dann automatisch die Frage ,wie viel Sie an Bord selbst machen. Obwohl ich im Süden in den Bootsbiotopen, wie ich Sie gerne nenne, manchen Lebenskünstler und Do it Yourself-Eigner mit großen Ambitionen und richtig großen Projekten gesehen habe. Vor einem Sabbatical oder endgültigen Ausstieg aus dem Arbeits- und Landleben geht das durchaus.

Wer weniger Geld, dafür mehr Zeit hat, versucht praktisch alles selbst zu machen. Es ist ein sehr individueller Mix aus Geld und Zeit, aus machen lassen und selbst machen, den sich jeder Eigner aussuchen kann. Allerdings gibt es auch Erwartungen des Vermieters. Die können je nach Nachfrage vor Ort ganz unterschiedlich sein. Dem einen genügt die Vermietung des Liegeplatzes. Der nächste sieht den Liegeplatz als Einstieg in weitere Geschäfte rings ums Boot.

So gibt es Liegeplätze, wo ungern gesehen wird, dass der Eigner umfangreiche Wartungsarbeiten, Reparaturen oder Umbauten an seinem Boot selbst vornimmt. Das mag seltsam erscheinen, ist aber gerade an gefragten Revieren im Süden oder an Seen üblich, sofern die Nachfrage nach Plätzen größer als das Angebot ist. Dort wird der Vermieter dann die Konditionen mehr oder minder diktieren. Wem es nicht paßt, kann gleich wieder ablegen. Viele Liegeplatzverträge enthalten im Kleingedruckten die Verpflichtung praktisch alle Arbeiten von Dienstleistern vor Ort machen zu lassen. Die Beschäftigung Externer ist ausdrücklich verboten. Manchmal wird das dennoch geduldet, manchmal nicht. Deshalb: Hingucken! Machen Sie sich die Mühe und sehen sich das genau an. Besser, weil einfacher ist es, das Thema gleich vorab anzusprechen, wenn Sie an Bord selbst arbeiten möchten oder müssen.

In diesem Zusammenhang sollten Sie wissen: das Kleingedruckte der allgemeinen Geschäftsbedingungen mancher Verträge auch zur vorübergehenden Bootslagerung ist so abgefasst, dass sich der Vertrag automatisch verlängert, wenn er nicht bei Ende der Bootslagerung oder Liegezeit zusätzlich schriftlich gekündigt wurde. Deshalb heißt es auch hier: Aufpassen!

Viele Bootslager arbeiten mit Servicebetrieben für übliche Arbeiten (Unterwasserschiff Schleifen und Anifouling-malen), mit Mechanikern zur Wartung und Reparatur von Bootsmotoren oder Bootsbauern für Reparaturen und Umbauten zusammen. Da wird erwartet, dass der Eigner diese Arbeiten machen lässt.

Hinzu kommen Lärm oder Staub und auch die Erfahrung des Vermieters, dass sich die Arbeiten endlos hinziehen und mancher Landstellplatz zur Dauer- und Großbaustelle wird. Es gibt auch Eigner, die sich an ihrem Boot sprichwörtlich verheben, sich in ihrem Projekt verlieren und nicht zu Potte kommen. Die Baustelle wird irgendwann aufgegeben. Eines Tages ist die kumulierte Liegegebühr zuzüglich Zinsen größer als der Wert des Bootes. In dieser vertrackten Situation haben dann alle ein Problem. Das kommt öfter vor, als Sie gauben.

Wer sich in einem beliebten Revier nach einem Liegeplatz für einen längeren Zeitraum oder einen Landstellplatz erkundigt, wird direkt gefragt, welche Arbeiten am Schiff zu machen sind. Mancher Anbieter von Liegeplätzen bekommt von den Handwerkern, die auf seinem Gelände an den Booten arbeiten, Provisionen. Auch deshalb ist er generell daran interessiert, dass die Betriebe auf seinem Gelände florieren.

Der Eigner sollte auf die Frage nach Arbeit an seinem Schiff vorbereitet sein und sie ehrlich beantworten. Das vermeidet beiderseitige Enttäuschungen und auch manche spätere Reiberei, bei der der Vermieter eh bessere karte hat. Manchmal ist es auch geschickt, gewisse Routinearbeiten machen zu lassen, um berhaupt den Liegeplatz zu bekommen.

Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, bietet die Bereitschaft des Eigners, Arbeiten an seinem Boot kostenpflichtig machen zu lassen leider keine Gewähr, dass sie überhaupt oder zufriedenstellend ausgeführt werden. Mancher Handwerker kostet nur Geld, Nerven und Zeit. EEs gibt Spezialisten, die machen mehr kaputt als sie reparieren.

Orientierend dazu ist ein Spaziergang durch den Hafen, das Winterlager- und Werftgelände. Wer clever ist sucht als wenig erfahrener Bootseigner oder Neuling in einem bestimmten Revier das Gespräch mit Eignern, die ihr Boot schon eine Weile vor Ort haben. Wer viel an seinem Boot zu tun hat, sollte sich diese Zeit unbedingt nehmen. Natürlich gilt es auch bei den Eignern die Spreu vom Weizen zu trennen. Bei einem Bier oder während eines gemeinsamen Abendessens lernt man die Besserwisser, Nörgler und Schwätzer von den Machern und Praktikern zu unterscheiden. Wie im sonstigen Leben auch muss man den Flurfunk und Küstenklatsch zu filtern wissen. Diese Sondierung braucht neben Fingerspitzengefühl etwas Zeit. Letztlich spart sie reichlich Lehrgeld.

Da bekommt man einen Eindruck, welcher Elektriker, Motorenmann, Metallbauer, Segelmacher etwas kann. Wer zuverlässig und termintreu arbeitet. Oder wer leider unter dem Srich einfach nur ärgerlich, schlecht und teuer ist.

Erfahrene Eigner verlassen sich übrigens niemals darauf, dass Arbeiten, die im Herbst klipp und klar besprochen wurden, im Frühjahr gemacht sind. Meist werden die Jobs einfach vergessen, werden Zusagen nicht eingehalten. Nicht nur im sonnigen Süden oder der fernen Karibik, auch in Skandinavien hat ein „Yes“ oder „No problem“ eine andere Bedeutung als hierzulande. Oft ist es nur eine Floskel für „Vielleicht“ oder „Mal sehen“ oder das zurecht gefürchtete "mañana". Damit ist dem Eigner leider nicht geholfen. Er hat eine Deadline. Die ende einige Tage vor Ankunft an Bord. Eine Liste und gelegentliches Nachfassen (Anrufen oder Email) hilft.

Törnentscheidende oder sicherheitsrelevante Arbeiten, beispielsweise an der Bordelektrik, an der Maschine oder am Rigg sollten Sie nur an Handwerker vor Ort vergeben, wenn Sie sie kennen. Sonst ist „außer Spesen nichts gewesen“. Dann sind die Probleme nachher größer als sie zuvor waren.

Fazit: Letztlich ist die Infrastruktur, das Netzwerk der Spezialisten rings ums Boot wichtiger als der Landstell- oder Winterlagerplatz selbst. Ein Boot kranen und es in einem Diebstahl- und windsicheren Bootslager abstellen können viele. Je weiter sich das Boot von Zuhause entfernt befindet, je älter es ist und je mehr daran zu tun ist, desto wichtiger ist die Klärung dieser Fragen.

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VG