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Anoden nicht vergessen

Autor: Erdmann Braschos

Es ist wie beim Auto oder Haus: Wenn Sie ein Boot übernehmen, müssen Sie sich um Kleinigkeiten kümmern, von denen Sie wahrscheinlich noch nie gehört haben.

Anoden nicht vergessen
Anode zum Schutz bei Stahlschiffen: die Anode ist schon etwas angefressen, tut es aber noch© E. Braschos

Sie sind klein und sitzen dort, wo man sie selten sieht: Unter Wasser am Propeller, am Getriebe oder Wellenbock, am Rumpf, Ruder oder Kiel. Oft sind die unscheinbaren grauen Dinger auch versteckt an der Maschine eingebaut. Wie viele Opferanoden es an Bord gibt, hängt vom Baumaterial und der Ausstattung des Bootes ab.

Beim Stahl- oder Aluminiumboot gibt es einige, beim Tourenboot aus Kunststoff wenige, oft nur eine Anode am Getriebe und eine am Propeller. Es ist logisch, dass man diese Kleinigkeit bei der Übernahme eines gebrauchten Bootes übersieht (siehe Checkliste für Gebrauchtboote). Das können Sie zunächst auch, es sei denn, es lag bei Übernahme lange im Wasser und der frühere Eigner hat sich nicht darum gekümmert.

Zwischen Metallteilen, die mit Wasser in Berührung kommen, fliessen Ströme. Diese Kriechströme ergeben sich aus der unterschiedlichen Eigenspannung der Metalle. Das minderwertigere Metall wird angegriffen. Ein ungeschützter Aluminiumrumpf, Propeller, ein Wellenbock oder das Getriebe werden derart angegriffen, dass es irgendwann lädiert ist. Der Z-Antrieb eines Motorbootes oder das Saildrive-Gehäuse können soweit beschädigt werden, dass es zur Leckage kommt. Liegt Ihr Boot im Mittelmeer, fällt der heiss ersehnte Urlaubstörn aus, weil sich so ein Schaden nicht mal eben vor dem Ablegen beheben lässt. Von den erheblichen Kosten für ein neues Getriebe, den Krantermin, Aus- und Einbau, ganz zu schweigen.

Das tückische an der Sache: ob es zum Lochfrass kommt, wo und wie schnell er voranschreitet, kriegt man nicht mit. Um das Boot, Getriebe und Maschine zu schützen, wird an das gefährdete Metall ein minderwertigeres Metall montiert, dass leichter weg brutzelt, die sogenannte Opferanode. Wenn sich dieses Teil anstelle des Bootes oder Getriebes nach und nach auflöst, macht das nichts, sofern Sie wissen, dass es sowas überhaupt an Bord gibt, wie viele Anoden wo montiert sind, und es rechtzeitig ersetzt wird. Bei üblichen Motorinstallationen werden das Getriebe und der Propeller jeweils einzeln geschützt.

Ob Sie nun ein neues oder gebrauchtes Boot übernehmen. Fragen Sie die Werft, den Verkäufer oder Voreigner danach. Es sollte in der Betriebsanleitung zum Boot und zur Maschine stehen. Fehlen diese Unterlagen, beschaffen Sie sich das Manual zum Motor und Getriebe. Diese Kleinigkeit lässt sich meist per Mausklick von zuhause aus erledigen. Manche Motor- und Getriebekombinationen haben nicht nur eine Anode aussen am Z-Trieb/Saildrive beziehungsweise an der Welle vor dem Propeller, sondern auch an der Maschine selbst, meist am Wärmetauscher der Kühlung. Der Blick ins Handbuch verrät es.

Sehen Sie sich die Anoden bei nächster Gelegenheit an und besorgen sich Ersatz. Die Anoden müssen passen. Fahrtensegler, die unterwegs gern unabhängig sind, haben an Bord ein Fach mit üblichen Motorersatzteilen wie Keilriemen, Öl- oder Spritfiltern und Motoröl. Da gehört die neue Anode rein. Denn Opferanoden sind Verschleissteile. Wie schnell die Dinger weg brutzeln, hängt vom Boot, vom Gewässer, dem Liegeplatz und den Kriechströmen ab. Letztere werden entsprechend der zunehmenden Technisierung von Yachten mehr.

Beim Saildrive gibt es zwei Anoden: eine zum Schutz des Getriebes und eine für den Propeller Beim Saildrive gibt es zwei Anoden: eine zum Schutz des Getriebes und eine für den Propeller © E. Braschos

Bootsausrüster, die das Zubehör verkaufen, behaupten Opferanoden müssten jede Saison gewechselt werden. Das halte ich für übertrieben. Anhand meiner Erfahrung rate ich: Gucken Sie die Anoden ab und zu an. Bei langen Liegezeiten im Mittelmeer schnappen Sie sich die Taucherbrille (Mit Taucherbrille und Pfannenwender) und gucken, wie viel Material noch da ist. Technisch versierte Eigner wechseln die Anode zur Not auch ambulant im Hafen. Das braucht mehrere Tauchgänge, geht aber.

Wird das Boot den Winter über aus dem Wasser genommen, ist die Prüfung am Landstellplatz ein Programmpunkt, der flott erledigt ist. Eine Anode, die lediglich angegriffen oder gerade mal etwas verbraucht ist, muss nicht gewechselt werden. Erst wenn etwa die Hälfte bis zwei Drittel weg sind, wechsle ich bei mir an Bord.

Ich hatte mal ein Problem mit dem Ausbau einer alten Anode, deren Schrauben im Saildrive festgebacken waren. Die Schrauben wurden ausgebohrt und grössere in neu geschnittene Gewinde eingesetzt. Es ist besser, sich mit solchen Hindernissen rechtzeitig zu beschäftigen als kurz vor dem Krantermin.

Rümpfe, Getriebeunterteile oder Aussenborder aus Aluminium werden im Salz- und Brackwasser mit Zinkanoden geschützt, im Süsswasser mit Opferanoden aus Magnesium. Da der Wasserkontakt wichtig ist, werden Anoden nicht mit Antifouling übermalt.

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Erdmann Braschos

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Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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