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Bootskauf: Keinen Alleingang

Warum es nicht zu unterschätzen ist, dass die Partnerin gerne an Bord ist

Bootskauf: Keinen Alleingang
Machen Sie keinen Alleingang, holen Sie Ihre Frau rechtzeitig ins Boot © unsplash.com@bhoogenboom

Beim Bootskauf wird meist über den geeigneten Typ, die Motorisierung oder Takelage, Finessen der Ausstattung und den Pflegezustand - die Hardware - nachgedacht. Dabei ist die Frage, ob die Freundin oder Frau mitzieht und Spaß daran hat, Welten wichtiger.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 22.07.2016

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • welchen entscheidenden Fehler Sie beim Wassersport von vorn herein vermeiden sollten
  • wie wichtig es ist, dass die Partnerin mitzieht
  • wie Sie den Bootskauf zuhause richtig anbahnen
  • achten Sie auf den Killersatz

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Es ist naheliegend und richtig, sich vorab gründlich über das Boot Gedanken zu machen, von „A“ wie Ausrüstung bis „Z“ wie Zustand. Paßt das entdeckte Angebot zu den eigenen Möglichkeiten? Wie viel Platz bietet es an und unter Deck? Ist es gepflegt? Wurden die laufenden Arbeiten gemacht oder gibt es einen Wartungsrückstand? Paßt das Material - Holz, Aluminium, Stahl oder Kunststoff - zum vorgesehenen Zweck? Paßt es zu den eigenen handwerklichen Möglichkeiten und zum finanziellen Rahmen?

Wie sind die Fahreigenschaften? Wie sportlich und entsprechend naß geht es zur Sache? Gab es Grundberührungen? Hat der Gfk-Rumpf Osmose? Was muß demnächst ersetzt werden? Welche unverzichtbaren Ausstattungen fehlen? Bekomme ich überhaupt einen Liegeplatz für das neue Boot? Ist die Maschine in meinem Revier zugelassen oder ist da eine kostspielige wie zeitraubende Umrüstung nötig? Gleiches gilt für das Bord-WC. Hat es einen Fakälientank? Existiert die vorgeschriebene Installation zum Absaugen? Erfüllt das Boot die CE-Norm? Wurde die Mehrwertsteuer bezahlt? Gibt es zu diesen Themen die erforderlichen Nachweise? Gerade die technischen Fragen sind Themen, denen Männer liebend gerne nachgehen und als Macher zügig lösen.

Hat die Partnerin überhaupt Lust auf die Auszeit auf eigenen Planken?

Der Teufel steckt gerade beim Boot im Detail. Es ist eine Materie, mit der Sie sich als Käufer und Novize vielleicht noch nie befaßt haben. Auch ist es nicht einfach, angesichts des gebrauchten wie erschwinglichen Traumschiffs einen klaren Kopf zu behalten. Deshalb ist es genau richtig, sich all diese Fragen zur Hardware zu stellen und das nötige Wissen über dieses Portal und das boat24.com-Booklet „Boote kaufen/verkaufen“ anzueignen (siehe Links unten).

Aber übersehen Sie bei der Beschäftigung mit dem Boot – so viel Spaß das macht und so viele Fragen zu klären sind – nicht den einen, auf Dauer entscheidenden Gesichtspunkt: Findet ihre Lebensgefährtin, ihre Frau und Familie das gut? Wird sie wirklich mitmachen oder gibt es Skepsis und zögernde Zustimmung? Gibt es da nur einen Hauch eines Zweifels, sollten Sie vorsichtig sein. Überreden ist da eine ganz schlechte Strategie. Machen Sie das Boot nicht zur Sollbruchstelle Ihrer Beziehung.

Denn ein Boot ist mehr als eine große Anschaffung. Eine irrationale Anschaffung wie ein Sportwagen ist eine vergleichsweise vernünftige ahl. Den haben Sie zuhause in der Garage. Er ist ehekompatibel. Ein Boot dagegen bedeutet viel mehr. Es ist ein Lebensstil. Behagt der ihrer Freundin oder Frau? Passt er zur Familie? Ein Boot bindet Zeit: freie Zeit, die sie vermutlich gemeinsam an Bord und nicht getrennt verbringen möchten. Machen Sie keinen Alleingang. Holen Sie Ihre Frau rechtzeitig ins Boot. Chartern Sie ein baugleiches oder ähnliches Boot. So finden sie während eines Urlaubs gemeinsam heraus, ob und wie sehr es ihrer Partnerin Spaß macht. Am besten ergebnisoffen und ohne Druck. Das ist schwer, schon klar.

Der Killersatz: Du und Dein Boot!

Das Bordleben bringt manche Einschränkung mit sich. Es ist eng, feucht und zugig bis kalt. Viele Frauen bibbern schon, wenn Mäner überhaupt an den Pulli oder die Jacke denken. Hinzu kommen die sanitären Einrichtungen. Es gibt Frauen, die gehen nicht auf jedes Klo. Das ist für Männer unbegreiflich. Wir pinkeln einfach über die Reling. Dieses Unverständnis ändert aber nichts. Besonders genante Frauen warten ab bis zum nächsten Hafen! Ganz zu schweigen von der enorm praktischen aber etwas unbequemen Eimer-Lösung für Geschäfte aller Art.

Unterschätzen Sie die weiblichen NoGos des Bordlebens nicht

Ähnlich ist es mit den Waschgelegenheiten. Männer kommen mit einer kalten Dusche draußen an Deck klar. Frauen mit langen Haaren nicht. Diese Themen sprechen für viele Frauen klipp und klar gegen Outdoorbeschäftigungen aller Art, das Bootsleben ganz besonders. Für Männer sind das keine Hürden. Für die Frau sind das drei Punkte, die klipp und klar gegen ein Boot sprechen. Die werden dann, wenn es ihr kaum bis keinen Spaß macht, zum No Go.

Wenn Ihrer Frau das ganze Thema im Grunde nicht behagt und sie in bewegtem Wasser womöglich auch noch seekrank wird – dann sind Sie bald allein auf dem Wasser. Wenn Sie nun im Sommer einen Großteil Ihrer vermutlich begrenzten Freizeit getrennt verbringen, wenn Sie eine Passion für den Wassersport entwickeln, ihn dem richtigen Boot vertiefen, Ihre Lebensgefährtin aber leider nicht, hat das nicht nur vielleicht sondern ziemlich sicher schmerzliche Konsequenzen für Ihr Privatleben: bis hin zur letztlichen Trennung.

Natürlich lassen sich Kompromisse aus Land- oder Bordleben finden. Das machen Sie im sonstigen Leben ja auch. Natürlich werden Sie nicht jedes Wochenende auf dem Wasser verbringen. Aber wenn das Wetter schön ist, möchte der Bootseigner nicht der Frau zuliebe daheim bleiben. Segler werden bei schönem segelbarem Wind am Wochenende an Land verrückt. Zusammen shoppen, Kaffee trinken, mit den Nachbarn grillen, die Eltern oder Schwiegereltern besuchen sind verdammt schlechte Alternativen zur Auszeit auf eigenen Planken. Ich weiß, wovon ich rede!

Dann kommt noch der Spaß an einer der schönste Sachen der Welt dazu. Es gibt Wind. Die Sonne scheint. Die Feile messert wie blöd, zugegeben mit etwas Krängung durch die Gegend. Besser geht es nicht. Sie hocken grinsend auf dem leewärtigen Seitendeck am Rad - und die schönste und beste Frau Ihres Lebens hat Angst. Sie hofft, dass dieses zugige Martyrium mit viel zu viel Schräglage bald ein Ende hat. Tja.

Auf dem herrlich sonnigen Bootslagerplatz von Manel Island lernte ich in Malte mal einen Engländer kennen, der lebte mit seiner Frau an Bord eines Kimmkielers von Typ Westerly. Der stand seit Jahren schon an Land. Sie fütterte die Katzen im Schatten des Bootes. Er unterhielt sich mit den kommenden und gehenden Yachties. Wahrscheinlich auch eine Art gemeinsam an Bord zu leben. Definitiv nicht meine. Ich habe diesbezüglich schon so viele komische und traurige Geschichten gesehen und auch erlebt, dass ich dringend rate, sich mit dieser Frage gemeinsam ehrlich zu beschäftigen.

Also: lassen Sie Ihrer Partnerin Zeit, sich mit dem Bordleben generell und einem bestimmten Boot anzufreunden. Sondieren Sie gemeinsam, welcher Bootstyp zu Ihnen beiden passt. Suchen Sie das Boot zusammen aus. Das erhöht die Akzeptanz ungemein. Sollten alle Stricke reißen, nennen Sie das Boot einfach nach ihr. Es hilft angeblich. Allerdings nur so lange, wie sie zusammen bleiben. Eine diesbezüglich neutrale Namenswahl könnte sich gegebenenfalls als vorausschauend erweisen.

Das schlimme Ultimatum: Boot oder ich

Aber das klingt witziger als es ist. Eine Trennung wegen einem Hobby, das nur Sie selbst begeistert und ziemlich aus- und erfüllt, aber Ihre Partnerin nicht, diese Sollbruchstelle Ihrer Beziehung erweist sich eines Tages als schmerzhafte Entscheidung. Sobald Sie den Satz hören "Du und Dein Boot", dann sollten bei Ihnen die orangefarbene Lampe angehen, wie die Warnung in alpennahen Gewässern bei Föhnwetterlage. Dann ist die Zeit entweder für eine Kursänderung (weniger Boot) oder eine Trennung gekommen. Oft ist das Boot nur ein Symptom, Ausdruck anderer Probleme, die eines Tages zu entscheiden sind. Dann heißt es leider wie so oft: Das Boot oder ich. Ganz blöde Frage, wenn Sie beides wollen. Die Frau und schöne Stunden auf dem Wasser. Also. Machen Sie es richtig. Checken Sie diesen entscheidenden Punkt vorher.

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VG