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Ratgeber für den Bootskauf4 min Lesezeit

Boot gründlich angucken und Probefahren

Wie Sie geschickt vorgehen und worauf Sie bei der Besichtigung achten sollten

Boot gründlich angucken und Probefahren
Achten Sie bei der Besichtigung auf die Tageszeit und gute Lichtverhältnisse © boot24.ch

Im Idealfall haben Sie sich vorbereitet, Informationen beschafft, verschiedene Bootstypen oder Fabrikate miteinander verglichen. Sie haben mit Bootseignern und nautisch erfahrenen Bekannten oder mit Freunden gesprochen. Sie wissen also, wo Sie gründlich hinschauen.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 20.02.2019

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • wie Sie sich auf den Kauf eines bestimmten Modells vorbereiten
  • wie Sie bei einer Bootsbesichtigung vorgehen
  • auf welche Gesichtspunkte Sie achten sollten

Chartern Sie

Am besten Sie machen sich mit dem Bootstyp während eines Urlaubs – gemeinsam mit Ihrer Familie oder Freunden – vertraut. Überhaupt ist es clever, Ihren Partner bei solch einer Anschaffung von Anfang an «ins Boot zu holen». Chartern Sie. Bei Großserien-Erzeugnissen gibt es bestimmt ein Schwesterschiff, das Sie auf diese Weise in Ruhe ausprobieren und im Detail kennenlernen. Auch mancher Exot lässt sich mieten und ausprobieren. So finden Sie heraus, ob Ihnen das Boot zusagt und Sie damit klarkommen.

Die Besichtigung

Zurück zum Termin: Am besten ist es, wenn Sie sich das Objekt zunächst von außen in Ruhe und möglichst allein, ohne Anpreisungen, Bemerkungen und Ablenkung seitens des Verkäufers oder Händlers anschauen können. Als cleverer Interessent bringen Sie den Liegeplatz, bzw. den Standort des Bootes in Erfahrung und verschaffen sich vorab (beispielsweise am Abend vor dem Termin) einen Eindruck. Das geht, wenn das Boot in einem Hafen liegt oder sich an sonst einem zugänglichen Stellplatz befindet. Achten Sie auf gute Lichtverhältnisse und bringen Sie jemanden mit.

Sie werden das Boot nur kaufen, wenn es Ihnen gefällt und Sie sich mit ihm anfreunden. Ganz einfach, weil Sie viele Stunden, Tage oder Wochen Ihrer Freizeit damit verbringen. Wenn Sie sich das Boot angucken, brauchen Sie niemanden, der dauernd redet. Wenn Sie sich das Boot allein und in Ruhe ansehen, entdecken Sie am ehesten Kleinigkeiten, die viel über das Objekt aussagen: Scheuerstellen, Rostspuren oder Hinweise auf Leckagen. Vielleicht sehen Sie auch durch den derzeitigen Pflegezustand hindurch und erkennen, was sich aus dem Boot machen lässt.

Nehmen Sie sich zur Besichtigung und Probefahrt des Bootes Zeit.

Wenn die alleinige Besichtigung vorab zunächst nicht möglich ist, holen Sie sie einfach nach. Kommen Sie nach dem offiziellen Termin mit dem Verkäufer oder Händler einfach wieder.

Lassen Sie sich nicht drängen. Für den ersten Eindruck wird eine Stunde an Bord genügen, bei wirklichem Interesse nicht:

• ist das Boot aufgeräumt, halbwegs sauber und gepflegt?
• schauen Sie genau hin: zum Beispiel die Elektrik, die Pumpen, die Maschine, die Gasinstallation, die Winschen, die Ankerwinde etc. Funktioniert alles?
• wurde die Technik gewartet?
• ist essenzielles, für die Sicherheit wichtiges Zubehör halbwegs aktuell?
• gibt es Unterlagen zum Boot, Betriebsanleitungen und Wartungspläne?
• springt der Motor gut an?

Gucken Sie sich bei der Gelegenheit auch den Eigner an. Bereits an der Art und Weise, wie er das Boot zeigt, erkennen Sie seinen technischen Hintergrund. Ebenso, ob sich der Eigner über die Nutzung hinaus, um das Boot gekümmert hat.

Seien Sie auch bei der Probefahrt aufmerksam.
Seien Sie auch bei der Probefahrt aufmerksam. © boot24.ch

Die Probefahrt

Achten Sie bei der Probefahrt darauf, wie sich das Boot unter Maschine manövrieren lässt:

• wie dreht es und wie kursstabil ist das Motorboot bei langsamer Fahrt?
• wie gut lässt es sich aufstoppen?
• der Blick auf den Tourenzähler und die Logge an Bord (besser noch auf das selbst mitgebrachte Hand-GPS) verraten, ob das Boot die erwartete Reisegeschwindigkeit bei wirtschaftlicher Fahrweise erreicht.
• erreicht das voll beladene (betankte) Boot die genannte Reisegeschwindigkeit und den Top Speed? Oder bleibt es mit dröhnender Maschine mit himmelwärts zeigendem Vorschiff im Verdrängermodus «hängen»?
• läuft die Maschine nach dem Anlassen im Standgas einwandfrei oder wurde die Leerlauf-Tourenzahl hochgedreht, weil sie sonst ausgehen würde?
• auch ein Blick auf die Farbe des Abgases (neutral, weiß oder grau) verrät viel. Wurde die Maschine sachgemäß eingewintert und für längere Liegezeiten vorbereitet (Frischwasserspülung und Frostschutz des äußeren Seewasserkreislaufs)?
• wurden Motor- und Getriebeöl regelmäßig gewechselt? Ist das dokumentiert?
• hat der Eigner diese Arbeiten machen lassen oder selbst gemacht?
• gibt es eine Liste mit Verschleißteilen (Keilriemen, Öle, Kraftstoff- und Ölfilter)?
• wie sehen die Opferanoden am Motor, am Getriebe und am Boot aus?

Beim Motorboot ist der Betriebsstundenzähler obligatorisch, bei der Segelyacht älteren Baujahres mit Einbaumaschine ist diese zur Wartung des Motors unverzichtbare Kleinigkeit leider nicht üblich.

Es kann für Sie als Interessent kaum darum gehen, den Zustand eines Bootes herunterzureden, eher darum, ihn zu verstehen.

Bei der Motoryacht sind Zustand und Leistung der Maschine essenziell. Bei der Segelyacht mit einer Einbaumaschine als Hilfsmotor ist zuverlässiges Anspringen wichtig, weil die Maschine bei Hafenmanövern oder in Notfällen spontan gebraucht wird und einwandfrei laufen muss. Kauf und Einbau einer neuen Maschine wäre eine teurer Spaß.

Damit sich bei der Bootsbesichtigung und Probefahrt kein falscher Ton einschleicht und ein unangenehmer Eindruck entsteht: Es geht für Sie als Interessent nicht darum, den Zustand eines Bootes herunterzureden, sondern darum, ihn zu verstehen. Erst dann lässt sich einschätzen ob es überhaupt für den Kauf in Frage kommt und was gegebenenfalls später daran zu tun ist.

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VG