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Ratgeber für den Bootskauf3 min Lesezeit

Welches Boot ist das Richtige?

Tipps zur Auswahl eines geeigneten Bootes

Welches Boot ist  das Richtige?
An einem Holzboot ist immer mehr zu machen als zunächst angenommen. © boot24.ch

Das Angebot gebrauchter Boote ist riesig, die Vielfalt der Fabrikate und Bootstypen kaum zu überblicken. Unterschiedlich sind auch die Baumaterialien: vom üblichen glasfaserverstärkten Kunststoff (GfK), den modernen Sandwichbau bis hin zu Holz, Stahl oder Aluminium. All das gibt es in unterschiedlicher Machart und Qualität.

Von Erdmann Braschos, veröffentlicht am 20.02.2019

Das erwartet Sie in diesem Artikel
  • Hinweise zur Klärung zentraler persönlicher Fragen
  • Wegweiser durch den Dschungel der Möglichkeiten
  • welches Bootsmaterial passt zu welchem Eigner?
  • ein Fragenkatalog für die ersten Weichenstellungen beim Bootskauf
  • die Zeit-Kosten-Schere auch beim Hobby Wassersport

Holz, Stahl oder Gfk

Die Entscheidung für Kunststoff, Holz oder Metall hat weitreichende Konsequenzen für den Unterhalt. Ein lackiertes Holz-, Stahl- oder Aluminiumboot ist aufwendiger zu erhalten als eines aus Kunststoff (GfK ist die beste Wahl). Deshalb ist das pflegeintensive Boot günstiger, vor allem wenn länger nichts daran getan wurde. Ob die Vernachlässigung eher optischer und kosmetischer Natur ist oder bereits an die Substanz ging, ist schwer zu beurteilen. Das kann nur ein Bootsbauer einschätzen. Oft sieht aber selbst der Fachmann die Konsequenzen erst während der Sanierung. Dennoch muss das günstige, sanierungsbedürftige Boot keine schlechte Wahl sein, sofern man die handwerklichen Voraussetzungen dazu mitbringt und Zeit für die Arbeit hat. Bedenken Sie die Zeit- und Kostenschere. Ein pflegeleichtes Kunststoffboot wird in der Anschaffung teurer sein als eines aus Holz oder Stahl, ist aber nachher einfacher zu unterhalten.

Ihre persönliche Situation

Eine realistische Einschätzung der persönlichen Situation ist vor dem Bootskauf wichtig:
• wie steht die Lebensgefährtin zur Anschaffung?
• wird der anstehende Kauf bejaht oder zögernd geduldet?
• wie viel Aufmerksamkeit und Zeit lassen das Arbeits- und Privatleben wirklich zu?

Wer mit Job und Familie bereits ausgelastet ist, fährt mit dem kostspieligeren, dafür pflegeleichteren Boot besser als mit der zunächst günstigen Dauerbaustelle.

Wer handwerklich geschickt ist und Zeit hat, kann auch ein pflegeintensives Holzboot in Betracht ziehen. Er sollte nur wissen, dass der Pflegeaufwand auf Dauer bleibt. Gleiches gilt für ein Stahlboot. Auch dieses Material ist regelmäßig zu konservieren. Wer das nicht selbst machen kann oder möchte, wird die Arbeiten machen lassen – und bezahlen müssen.

Natürlich ist auch ein übliches GfK-Boot nicht wartungsfrei: Das verblichene Gelcoat eines Kunststoffbootes lässt sich jedoch einmal jährlich mit vertretbarem Aufwand so aufpolieren, dass es gut aussieht. Vielleicht ist eine Osmosebehandlung (Osmose: Ruhig bleiben) oder Prävention nötig.

Für die übliche Nutzung reicht ein GfK-Boot. Stahl- oder Aluminium sind interessant für den Langfahrtsegler, der Törns mit Expeditionscharakter in Reviere plant, wo Kollisionen mit Treibgut oder Eis zu erwarten sind. Für den üblichen Freizeitgebrauch ist der Nutzwert wichtiger: Das Boot muss zur Balance von beruflicher Beanspruchung und erholsam schönen Stunden auf dem Wasser passen.

Der Kaufpreis ist nicht alles. Wichtig sind die Folgekosten, bestehend aus Arbeit und Ausgaben auf lange Sicht. Der clevere Bootskäufer erkennt das vorher.

Lassen Sie sich nicht vom großen Angebot verwirren. Suchen Sie ein Boot aus, das zu Ihren Verhältnissen passt.

Das KIS-Prinzip

Achten Sie auf die Ausstattung: Wozu sollten Sie sich mit selten genutzten Extras und kompliziertem Zubehör belasten, das nur Sinn macht, wenn man es erstens bedienen kann und wenn es zweitens funktioniert? Erfahrene Nautiker setzen aus gutem Grund auf das KIS-Prinzip: Keep it simple. Was man nicht hat, muss man auch nicht reparieren.

Viele Boote sind völlig überausgerüstet.
Viele Boote sind völlig überausgerüstet. © boot24.ch

Grosses Boot zum kleinen Preis

Große Boote sind im Vergleich zu kleineren relativ günstig. Aber Vorsicht! Mit dem Kauf allein ist es nicht getan. Denn mit der Größe steigen die laufenden Kosten für Versicherung, Liegegebühr, Instandhaltung und Reparaturen. Auch wenn der interessante Preis ein großes Gebrauchtboot erschwinglich macht: Entscheiden Sie sich für eine Bootsgröße, deren Unterhaltskosten zu Ihren persönlichen Verhältnissen passen.

Bei allem vorhandenen oder beschafften Sachverstand ist und bleibt der Kauf eines Bootes eine emotionale Entscheidung.

Es kann an die Substanz des Bootes gehen und sogar gefährlich werden, wenn laufende Arbeiten aus Kostengründen unterbleiben.

Weiterführende Links

VG