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Wichtige Punkte beim Segelboot-Kauf

Autor: Erdmann Braschos
  

Beim Kauf einer gebrauchten Segelyacht sollten Sie auf einige wesentliche Gesichtspunkte achten.

Wichtige Punkte beim Segelboot-Kauf
Passen die Windschen? © E. Braschos

Eine Segelyacht besteht aus vielen Komponenten. Mit der Takelage und dem Motor hat sie zwei Antriebsarten, die in Ordnung sein sollten. Ausserdem gibt es allerhand Technik an und unter Deck deren Zustand Sie sich anschauen sollten. Für Boote gibt es keinen TÜV. Siehe dazu auch: Der CE-Norm nicht blind vertrauen. Machen Sie sich daher ein Bild vom Zustand des Bootes.

Rigg

Obwohl das Aluminium und Edelstahl der Takelage einer modernen Serienyacht pflegeleicht und wartungsarm sind, sollten Sie es sich ansehen. Stagen und Wanten sind bei der Fahrtenyacht nach 15 Jahren oder 25 Tausend Meilen zu erneuern. Auch Fallen, Reff- und Trimmleinen sind Verschleissteile. Ein nachlässig am Alurigg montierter Niro-Beschlag führt zu Materialschwund durch Elektrolyse. Deshalb genau hinschauen.

Segel

Sehen Sie sich den Zustand der Segel an. Sie sind der wesentliche Antrieb der Yacht. Wie alt ist die Garderobe? Ist das Profil bei frischem Wind flach oder ist das Tuch bauchig, also hin? Ist das Grosssegel an den Reffpunkten überdehnt? Wie sehen die Nähte aus? Ein neuer Satz Segel kostet eine Stange Geld. Funktioniert die Vorsegelrollanlage einwandfrei? Lässt sich das Gross problemlos reffen? Probieren sie das aus.

Decksausrüstung

Nur mit passenden Winschen, Holepunktschienen, Klemmen und einem auch bei viel Wind leichtgängigen Traveller lässt sich gescheit segeln. Oft wurde da bereits ab Werft gespart. Ist die Hardware gepflegt? Bereits vom Klang einer Winsch lässt sich auf den Zustand des Innenlebens schliessen. Klingt sie metallisch hell und rasselnd, fehlt Schmierung. Kommt sie im Freilauf schnell zum Stehen ist das Fett verharzt. Dann und bei unregelmässig einrastenden Sperrklinken besteht die Gefahr, dass sie plötzlich locker lässt.

Sehen Sie sich beim älteren Boot die Püttinge an. Gibt es Anzeichen von Leckagen?

Wanten & Püttinge okay? © E. Braschos Wanten & Püttinge okay? © E. Braschos

Teakdeck

Wurde das Teak fachmännisch mit der wünschenswerten Stabstärke verlegt, oder handelt es sich um billiges Dekor? Sitzen die Querholzdübel sicher auf den Schrauben oder kündigt sich die kostspielige Sanierung bereits mit herunter geschliffenen Wacklern an? Bleiben beim Trocknen des Decks bestimmte Flächen dunkel, also feucht? Ist das Deck überhaupt dicht? Die Sanierung des Teakdecks einer mittelgrossen Yacht kostet ohne weiteres einige Tausend €, ein komplett neues Deck 10 - 15 Tausend €.

Ist das Boot dicht?

Wenn Seewasser durch Skylights, Lüfter, Fenster, unter Beschlägen oder der Fussleiste einen Weg ins Interieur findet haben Sie muffig riechende Polster. Wasserspuren unter den Fensterrahmen geben erste Hinweise. Spülen Sie das Boot daher mit einem Schlauch ab und schauen Sie, wo es unter Deck tropft. Manche Leckage offenbart sich auch erst bei einem hart am Wind bei deftigen Bedingungen gesegelten Schiff. Die Beseitigung solcher Leckagen kann auch für einen erfahrenen Bootsbauer eine zeitraubende und entsprechend kostspielige Aufgabe sein.

Motor

Werfen Sie einen gründlichen Blick in den Motorraum. Bereits der erste Eindruck sagt viel über den Pflegezustand. Ist die Motorbilge sauber oder ölig und verdreckt? Gibt es Spuren aus der Maschine herausgedrückten Kühlwassers? Sitzen die Stecker zur Motorüberwachung gut auf den Gebern? Ist die Verkabelung halbwegs ordentlich? Ist die Maschine mit einer unverzichtbaren Zweikreiskühlung und Seewasserfilter ausgestattet? Oder zieht der Impeller alles, was draussen schwimmt, ungehindert durch den Motor? Die Folge dieser frevelhaft sparsamen Ausstattung ist der sichere Hitzetod der Maschine infolge zugesetzter Kühlkanäle nach vermutlich 1 ½ bis zwei Jahrzehnten. Bereits ein mittelgrosser Innenborder kostet zuzüglich Einbau etwa 20 Tausend €.

Die meisten Serienboote haben einen Saildrive. Hat der Klemmring Rostspuren? Wie alt ist die Dichtmanschette? Obwohl die Manschetten aus kräftigem Gummi in der Regel deutlich länger halten, schreibt Volvo den Wechsel nach 7 Jahren vor. Wurde das bedacht? Oder müssen Sie diese Wartungsarbeit bald nachholen? Ziehen Sie die Ölpeilstäbe und werfen Sie einen Blick auf das Motor- und Getriebeöl. Milchiges Öl oder Ölschlamm heisst Wasser im System. Auch das lässt sich beheben, wäre aber ein Punkt auf der Jobliste nach dem Kauf des Bootes.

Meist werden Boote mit vorab warm gefahrener Maschine präsentiert. So springt der Motor prompt an. Interessant für Sie als Käufer ist aber, ob er auch kalt nach mehrtägigem Stillstand anspringt. Ein Blick auf den Tourenzähler verrät, ob die Standgas-Drehzahl von den üblichen 650 bis 800 U/min angehoben wurde, damit er an bleibt.

Saildrive Manschettenwechsel © E. Braschos Saildrive Manschettenwechsel © E. Braschos

Systeme

Sehen Sie sich die Seeventile nicht nur an. Prüfen sie, ob sie leichtgängig öffnen oder schliessen. Wie alt sind die Schläuche? Sind sie mit doppelten Niroschlauchschellen auf den Stutzen befestigt? Geht die automatisch anspringende Bilgenpumpe? Schütten Sie einigen Pützen Wasser in die Bilge, dann wissen Sie es. Wie alt sind die Batterien? Sind sie kippsicher eingebaut und ordentlich angeschlossen? Wo sitzen die Tanks? Gibt es Mannlöcher zur gelegentlichen Inspektion und Reinigung (sieh auch: Die Dieselpest an Bord). Funktionieren die Tankanzeigen?

Schauen Sie sich die Elektrik an. Ist die Verkabelung fachmännisch (übersichtlich und scheuersicher) verlegt? Schalten Sie die vorhandenen Verbraucher ein. Funktioniert alles, leuchten die Lampen unter Deck und die Positionslaternen?

In welchem Zustand befinden sich Anker und Kette? Funktioniert das Ankerspill? Probieren Sie auch das aus.

Probeschlag

Achten Sie nicht nur auch den Platz und Komfort unter Deck, wie es heute üblich ist. Jeder Verkäufer, Werft und leider auch die Fachpresse bescheinigt jedem Boot pauschal gute Segeleigenschaften. Prüfen Sie daher selbst, ob das stimmt. Läuft es gescheit am Wind? Wie prompt reagiert es auf Kurskorrekturen? Macht Ihnen das Segeln Spass? Sie haben sich vermutlich länger mit einem bestimmten Bootstyp und Fabrikat beschäftigt. Idealerweise haben Sie bereits ein vergleichbares Boot gechartert. Dann kennen Sie die Manövrierfähigkeit im Hafen und die Segeleigenschaften.

Prüfen Sie die Fahrleistungen unter Maschine. Ist die Reisegeschwindigkeit bei wirtschaftlich gefahrener Drehzahl in Ordnung? Bleibt der Lärm erträglich? Werfen Sie auch einen Blick auf die Farbe des Abgases: ist es neutral, weiss oder grau? Weiss ist es bei kühlen Aussentemperaturen oder einer defekten Zylinderkopfdichtung. Graues oder schwarzes Abgas ist ein Hinweis auf verschmutzte Luftfilter.

Rumpf

Ein Gebrauchtwagen lässt sich in der nächstbesten Werkstatt auf die Hebebühne fahren und von unten anschauen. Bei der segelklaren Yacht ist das kurzfristig nicht möglich und kostet etwas: es muss ein Krantermin vereinbart und das Boot herausgehoben werden.

Der Zustand einer Yacht unten herum lässt sich durch Abtauchen kaum gescheit überprüfen: Einen ersten Eindruck vom Kiel, speziell der Kielvorderkante einer Segelyacht, seiner Antriebseinheit und des Ruderblatts bekommt man so vielleicht. Nur ist es nicht jedermanns Sache, im dreckig-trüben Hafenwasser und entsprechend schlechten Lichtverhältnissen einer voll belegten Marina baden zu gehen. Auch ein geübter Schnorchler wird in der kurzen Zeit, die ihm unter dem Boot zur Verfügung steht, wenig erkennen. Am Landstellplatz im Freien oder in einer Halle geht das besser. Sollten Sie das Boot im Wasser besichtigen, probefahren und ernsthaftes Interesse am Kauf haben: am Aufwand zum Herausheben des Bootes führt kein Weg vorbei! Bedenken Sie, das eine moderne Kielkonstruktion mit einem kleinen Übergang vom Kiel zum Rumpf anfällig für strukturelle Schäden ist, wie sie bei Grundberührungen entstehen. Das Gerippe der Kielaufhängung im Boot - es besteht aus sogenannten Bodenwrangen (Querrippen) und Stringern (Längsträgern) - könnte einen Knacks haben. Auch das lässt sich reparieren. Sie sollten es aber vor dem Kauf wissen.

Schauen Sie sich bei der Gelegenheit auch das Ruderblatt an. Gibt es Spuren einer Grundberührung an der Unterkante? Dreht es leichtgängig? Hängt es lose in den Buchsen, klappert also beim Segeln oder vor Anker?

Ein meist hochgeredetes Thema ist Osmose bei Kunststoffbooten: Osmose: Ruhig bleiben.

Wenn Sie sich mit Yachten und Technik nicht auskennen, nehmen Sie jemand mit. Bei grossen/teuren Booten oder Unsicherheiten lohnt die Beauftragung eines unabhängigen und externen Gutachters.

Dokumentation/Verschleissteile

Gibt es Bedienungsanleitungen und Wartungspläne? Sind übliche Teile wie Impeller, Öl- und Spritfilter, Motor-/Getriebeöl mit der passenden Viskosität und Keilriemen an Bord vorrätig? Sind diese Fragen bereits geklärt, sparen Sie als Käufer später Zeit und Geld. Auch daran sehen Sie, ob sich der Eigner um das Boot gekümmert hat.

Für die Durchsicht des Bootes anhand der genannten Punkte brauchen sie, einschliesslich eines unverzichtbaren Probeschlages, etwa einen Tag. Für die Ansicht des Unterwasserschiffes – sie kann im Kran oder Travellift hängend erfolgen – eine halbe Stunde.

Jetzt haben Sie einen Überblick, was von Aussagen wie „top Zustand“ oder „Checkheft gepflegt“ zu halten ist und vor allem eine Idee davon, was am Boot zu machen ist: Nun können Sie das Für und Wider abwägen und mit dem Verkäufer über den Preis reden.

VG Wort Zählmarke

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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