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Nutzen Sie Onlineplattformen zur Preisfindung

Autor: Erdmann Braschos

Wie kommen Sie nun zu einer vernünftigen Preisvorstellung? Ganz einfach: indem Sie sich Inserate des gleichen Typs oder ähnlicher Boote auf boot24.ch und anderen Plattformen anschauen. Das geht im Internet mit gezielter Suche einfach: Geben Sie den Bootstyp in die Suchmaske Ihres Browsers ein und Sie bekommen innerhalb weniger Minuten einen ersten Eindruck. Aber schauen Sie sich die Inserate auch genau an.

Nutzen Sie Onlineplattformen zur Preisfindung
Das Gutachten ist keineswegs so objektiv, wie der Name des Papieres es suggeriert.© boot24.ch

  • Wie alt sind die angebotenen Boote?
  • Wie sind sie ausgestattet?
  • Wie ist der Pflegezustand?
  • Wo ist der Liegeplatz?
  • Gibt es Schäden, Nachteile, Mängel?
  • Wie lange ist das Boot schon auf dem Markt?
  • Ist ein Makler eingeschaltet?

Meist ist das Angebot gar nicht so gross, wie es erscheint, weil ein bestimmtes Boot von mehreren Maklern oder in verschiedenen Portalen angeboten wird. Das kann ein Hinweis sein, dass es schon eine Weile zum Verkauf steht. Sollten Sie keine aktuellen Anzeigen bei boot24.ch für den gesuchten Typ finden, schauen Sie im Archiv nach. Dort finden Sie alle Gebrauchtboote, die jemals auf boot24.ch zum Verkauf angeboten worden sind.

Die Käuferlaune im Frühjahr / Herbst

Natürlich spielt auch die Jahreszeit eine Rolle: Im Frühling wollen viele nach dem langen Winter wieder aufs Wasser. Dann wird mehr als im Herbst für das Boot ausgegeben. Dennoch sollten Sie mit dem Inserat nicht bis zum Frühjahr warten. Denn das Internet wird immer dann für die Suche nach Booten genutzt, wenn der Interessent Zeit dafür hat. Mancher Geschäftsreisende etwa verkürzt sich die Wartezeit am Flughafen damit.

Es macht schliesslich Spass, von einem Boot zu träumen. Andere nutzen ausgerechnet die langen Winterabende zum Stöbern und Träumen oder die Feiertage. Da wird dann gesucht, verglichen und recherchiert. Es werden interessante Angebote mit Freunden diskutiert. Das ist die Anbahnung. Man ruft an, begutachtet das Boot, fährt es Probe. Verhandelt und vielleicht auch gekauft wird dann zur anstehenden Saison.

Rechnen Sie nicht unbedingt damit, Ihr Boot zum Saisonende verkaufen zu können. Ganz einfach, weil es dann erst einmal ein halbes Jahr überwintert, herumsteht, Geld kostet. Trotzdem kann das funktionieren, denn der clevere Interessent, der weiss, was er will, und geschickt vorgeht, kauft just in dieser Jahreszeit, dann allerdings zu einem entsprechend tieferen Preis. Er wird argumentieren, dass Sie als Verkäufer das Boot rasch los sind. Das ist gerade beim kleinen trailerbaren Objekt ein Gesichtspunkt. Der Käufer seinerseits kann es sich während der Wintermonate für die nächste Saison zurechtmachen.

Geht es Ihnen um den bestmöglichen Erlös und Sie haben Zeit, empfiehlt es sich, übliche Extras wie beispielsweise das Beiboot oder den Aussenborder separat zu verkaufen. Dann erzielen Sie mehr, als wenn alles zusammen mit dem Boot verkauft wird. Es gibt endlose Diskussionen und seitenlange Abhandlungen über die Frage, was ein Boot wert ist. Meist werden da Äpfel mit Birnen verglichen. Der eine Eigner hat sein Boot genutzt, aber kaum gepflegt. Der andere hat es aufwendig ausgestattet und über die Jahre tipptopp in Schuss gehalten. Zum einen Boot gehört sinnvolles und hochwertiges Zubehör, zum anderen nicht. Beim einen funktioniert es, beim anderen nicht (siehe auch: Bootsverkauf: Ein Boot, drei Werte).

Letztlich bleibt die Frage, was der potenzielle Käufer für das Boot zu zahlen bereit ist. Gibt es mehrere ernsthafte und auch zahlungsfähige Interessenten, haben Sie als Verkäufer bessere Karten. So funktioniert das Spiel von Angebot und Nachfrage. Manchmal ist es auch ein Schauspiel.

Faktor Zeit

Behalten Sie bei den Verhandlungen den Faktor Zeit im Hinterkopf: Je länger sich Ihre Bemühungen um den Verkauf des Bootes hinziehen – weil Sie sich mit einem Interessenten über den Preis und die Konditionen nicht einig werden –, desto schwächer wird Ihre Position als Verkäufer und umso lästiger wird Ihnen die gesamte Angelegenheit.

Der Zeitfaktor spricht übrigens für ein baldiges Angebot Ihres Bootes. Bieten Sie es zu spät an und Sie müssen aus persönlichen oder wirtschaftlichen Gründen verkaufen, haben Sie einen schlechten Stand.

Deshalb kann es abhängig von Ihren persönlichen und finanziellen Verhältnissen geschickter sein, das Boot rasch mit einem vom Käufer geforderten Nachlass zu verkaufen, als Jahre später zu etwa diesem Erlös. Ganz einfach, weil Sie als Eigner die laufenden Kosten (Versicherung, Liegeplatz etc.) bis zum letztendlichen Verkauf weiterhin bestreiten müssen.

Gutachten – ja oder nein?

Wenn Sie sich mit der Preisfindung schwertun, können Sie auch einen Gutachter bitten, das Boot anzuschauen und zu bewerten. Das kostet natürlich etwas und wenn Sie den Gutachter beauftragen, müssen Sie ihn auch bezahlen.

Die Vorteile eines Gutachten

Der Vorteil der Beschäftigung eines Gutachters ist, dass er im Unterschied zu Ihnen als Eigner das Boot vergleichsweise unvoreingenommen anschaut und mit der gebotenen Sachlichkeit auf Wartungsrückstände, mangelnde Pflege und anstehende Arbeiten (Erneuerung des Teakdecks, des stehenden Gutes, Überholung der Maschine abhängig von den Betriebsstunden) hinweist. Manche Sachen sieht der Fachmann bereits auf Anhieb. In die Maschine hineinschauen kann der Gutachter aber auch nicht. Bei betagten Stahl- oder Holzbooten oder grossen, komplexen Yachten ist die Begutachtung lohnend, weil sie dem Käufer ein gewisses Mass an Orientierung und auch Sicherheit bietet.

Wie aus erschütternd parteiischen gutachterlichen Stellungnahmen, beispielsweise für Gerichtsverfahren anlässlich Unfällen, Seegerichtsverhandlungen oder Versicherungsangelegenheiten bekannt ist, werden Gutachten in der Regel für den geschrieben, der sie bezahlt. Also kann die Begutachtung und Wertermittlung der gleichen Yacht im Auftrag des Käufers ganz anders ausfallen.

Das Gutachten ist keineswegs so objektiv und unerschütterlich, wie der Name des Papieres es suggeriert und man es gern glauben möchte.

Sollten Sie einen Gutachter beauftragen, orientieren Sie sich vorher: Der erste Schritt ist das Internet. Schauen Sie sich die Website und die Referenzen des Gutachters an und verschaffen Sie sich mit einem Telefonat einen ersten Eindruck. Ein Gutachten verteuert den angestrebten Verkauf zunächst einmal. Achten Sie daher darauf, wen Sie beschäftigen. Wie bei den Maklern gibt es windige Kandidaten, die sich zwar gut darstellen, aber ihr Geld nicht wert sind, deren technischer und yachtbaulicher Sachverstand nicht ausreicht.

Vorsicht Kosten

Windig ist auch die Kostenseite: Es geht schon bei den Reisespesen beispielsweise zum Liegeplatz Mallorca los. Diese werden jedem Kunden in der Regel einzeln in Rechnung gestellt, obwohl der Gutachter sehr wahrscheinlich mehrere Termine vor Ort wahrnimmt, also nur einmal hinfliegt, übernachtet usw. Natürlich ist es dem Interessenten an Ihrem Boot unbenommen, seinerseits ein Gutachten erstellen zu lassen und zu bezahlen mit – siehe oben – erwartbarem Ergebnis. Der Gutachter schreibt seine Stellungnahme und Schätzung des besichtigten Bootes ja im Auftrag des Käufers. Die Wahrheit zwischen dem vom Verkäufer und dem vom Käufer erstellten Gutachten liegt irgendwo in der Mitte.

Autor

Erdmann Braschos

Geschrieben von

Der versierte Segler berichtet seit 1988 in namhaften Medien aus der maritimen Welt. Dank langjährigem Betrieb eines eigenen Schiffes (http://malsegeln.de/) ist er hands-on, mit der Pflege, Reparaturen und dem Werterhalt von Booten vertraut.

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